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23.07.2014 / stega

das erste Mal… Suizidgefährdung

Suizidgefährdung – nicht bei mir, sondern bei einem Patienten. Das hat mir die erste Woche Frühdienst auf dem Notfall zum Ende hin gebracht. Angekündigt war bei mir … nichts. Und es kam: ein mittelalter Patient mit dem Rettungsdienst. Von der Pflege wurde zur Übernahme des Patienten vom Rettungsdienst nach einem Arzt gerufen, Anmeldung mündlich: Patient mit Schnittwunde.

Schon beim Eintreten in die Kabine auf dem Notfall kam mir irgendwas sonderbar vor – man hat ja so das Gespür und empfindet die ein oder andere “Schwingung”. Zunächst dachte ich an einen Arbeitsunfall, aber als der Rettungssanitäter mit den Worten begann “… hat sich eine Schnittverletzung am rechten Unterarm zugefügt” statt zugezogen zu sagen, wurde ich dann doch hellhörig. Der Patient augenscheinlich selbst relativ wortkarg und trübe, man könnte auch sagen deprimiert. Der Rettungsdienst übergab mir einen Brief, den man in der Nähe des Patienten gefunden hatte und verabschiedete sich und nun stand ich da und musste die angekündigte Schnittwunde unter Augenschein nehmen. Weil der Patient nicht viel mit mir reden wollte, konnte ich nur das Nötigste erfragen und packte dann den Verband des Rettungsdienstes aus – mit dem Hintergedanken, was mich da erwarten würde und wie verschnitten der Unterarm wohl aussehen würde. Ich war auf eine sehr tiefe Wunde mit sichtbaren Gefäßen, zerstörten Nerven und Sehnen vorbereitet; wurde dann aber dadurch beruhigt, dass sowohl Durchblutung als auch Gefühl in der Hand vollständig erhalten war – was darauf schließen ließ, dass zumindest wichtige Strukturen nicht verletzt sein konnten.

Als ich den Verband bis zur Kompresse ausgepackt und an dieser langsam begann sie hochzuheben (vorsichtig, man weiß ja nie, was darunter zum Vorschein kommt), packte der Patient kurzerhand die Kompresse und riss sie sich vom Arm – weg war sie. Kurzes Stocken des Atems mit Blick auf den Arm – und dann ein tiefes Ausatmen, denn statt einer tiefen und blutenden Hautverletzung kamen nur ein paar oberflächliche Ritzer zum Vorschein, die nicht einmal die Haut überschritten hatten. Glück gehabt – für den Patienten und irgendwie auch mich, denn mit diesen Ritzern musste man außer Desinfektion und Verband nichts weiter tun.

Blieb nur noch die Frage, wie weiter? Natürlich kann man einen Patienten nicht einfach so nach Hause schicken; eine weiter bestehende Selbstgefährdung war nicht ausgeschlossen und im Abschiedsbrief, den ich danach lesen konnte, gab es konkrete Pläne wie die Beerdigung vollzogen werden sollte, wer was erben würde und aus welchen Beweggründen der Suizid vollzogen wurde. Mein erster Abschiedsbrief – irgendwie bedrückend zu lesen, welche Gedanken ein Mensch kurz vor dem selbstgewählten Ende seines Lebens den Hinterbliebenen auf den Weg geben will oder was ihm noch auf der Seele lastete und nie ausgesprochen werden konnte. Sei es eine verkappte Liebe, sei es Stress vom Arbeitgeber oder doch Ärger gegenüber den Behörden; sei es Unwohlsein im eigenen Körper, mit dem Lebenslauf oder der Lebenssituation…

Wir riefen unsere Psychologen/pPsychiater zu Hilfe, die ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten begannen. Ich muss zugeben, dass ich nicht wüsste, wie ich hier ein Gespräch hätte führen sollen und bin doch froh, dass es dafür Spezialisten gibt, die mit Routine und Erfahrung solche schwierigen Themen ansprechen können (und danach auch adäquat einen Bericht unter Verwendung von psychiatrischen Fachwörtern schreiben ^^).

Im Endeffekt lief es darauf hinaus, dass unser Patient nach einiger Wartezeit, die er still auf einem Stuhl in der Kabine verbrachte, ohne Widerwillen in die Psychiatrie verlegt werden konnte, weil wir auch nach dem Gespräch mit der Psychologin nicht sicher davon ausgehen konnten, dass die Eigengefährdung aufgehoben sei. Ich hoffe, dass man in der Psychiatrie Wege und Schritte findet, dem Leben des Patienten wieder einen Sinn und Inhalt zu geben und er nie mehr an den Punkt kommt, an dem er keinen anderen Ausweg weiß, als sein Leben selbst beenden zu wollen.

to be continued

P.S: Der Suizidversuch hätte wohl erfolgreich sein können, hätte der Patient nur tief genug geschnitten. Schmerzmittel hatte er eingenommen und die Richtung der Schnitte stimmte auch. Ein Glück, dass er im Endeffekt doch Angst vor der eigenen Courage oder den Schmerzen oder welchem inneren Überlebensinstinkt oder Antrieb auch immer bekommen hatte.

21.07.2014 / stega

der erste Block Notfall

Der erste 7-Tage-Block Notfall Frühdienst ist vorbei. 7 Tage habe ich nun am Stück von 7 Uhr an die Notaufnahme mit am Laufen gehalten. Zu uns kommen alle Patienten, die entweder verunfallt sind (traumatologischer Bereich) oder die irgendein Problem haben, das man chirurgisch angehen könnte (viszeraler Bereich, z.B. Blinddarm, Gallenstein). Aber auch kleine Kinder mit Unfällen und Augenverletzungen/-erkrankungen sind teilweise durch uns abgedeckt; ebenso wie z.B. Nierensteinleiden (außer es ist zu den Geschäftszeiten der Urologen) oder plastische Verletzungen (die dann von den Plastikern betreut werden). Das heißt für uns ein breites Spektrum abzudecken von einfachen Schnittverletzungen über Gallenkoliken, Blinddärmen, roten Augen nach Schleifarbeiten, Kindern und ihren Unfällen mit z.B. Stürzen von Klettergerüsten bis hin zu Verkehrsunfällen, Helikopter-Zuweisungen bei Polytraumata etc.

Unser Notfall auf chirurgischer Seite (was die Internisten machen, weiß ich nicht ;) ) ist mit mind vier Ärzten besetzt, davon je ein Assistenzarzt aus dem Bereich viszerale Chirurgie und einer aus dem Bereich Traumatologie. Dann gibt es einen Zweitdienstler (so wie mich), meist sind das die Berufsanfänger, die nicht im OP die Notfallspur mitoperieren, sondern rein auf dem Notfall eingeteilt werden. Und schließlich gibt es fix einen Notfallmanager-Oberarzt, der sich nur um den Notfall kümmert und “das letzte Wort” hat. Im Hintergrund ziehen wir uns unter der Woche die entsprechenden Fachdisziplinen dazu, z.B. eben die Plastischen- und Handchirurgen für Handverletzungen oder größere Gesichtsverletzungen, die Urologen bei urologischen Problemen… Im Hintergrund zusätzlich gibt es einen sog. operativen Dienst, der die Notfall-OPs abarbeitet, die wir vom Notfall aus auffüllen. Ihr seht, da ist viel Manpower gefragt, wenn man eine Notaufnahme in einem großen Krankenhaus hat. Ganz zu schweigen von der Pflegebesetzung, den Sekretärinnen, die die Sprechstunden für Nachkontrollen managen müssen etc etc.

Mir erging es in meiner ersten Woche recht ordentlich; mein Karma bewirkte wohl, dass es relativ ruhig anging (oder lag es an den Sommerferien hier?) und wir morgens meist 1 Stunde lang noch recht entspannt Kaffee trinken und alte Dokumente abarbeiten konnten, bis es dann gegen 9.30 Uhr meist zu einem ersten Schwung an Patienten kam. Dieser Schwung hielt dann bist über die Mittagszeit an und ebbte (was für eine sonderbare Routine) so gegen 14 Uhr kurzzeitig ab. Ab 15 Uhr nimmt der Frühdienst dann keine Patienten mehr an, sondern macht seine Patienten zu Ende und der Spätdienst übernimmt die Neuankömmlinge, sodass man relativ zeitig aus der Klinik kommt, wenn man nicht gerade auf einen CT-Befund o.ä. ewig warten muss und den Patienten nicht an die Spätschicht übergeben kann. Meine Patienten hatten komplett unterschiedliche Ursachen, die sie zu uns führten: angefangen von verdrehten Kniegelenken über fragliche Achillessehnenrisse, gerötete Augen und schmerzhafte Bäuche bis hin zu einem Opfer tätlichen Angriffs und multiplen Schnittverletzungen und einem Suizidgefährdeten, den wir dann in die Psychiatrie einweisen lassen mussten, weil er weiterhin selbstgefährdend war. Ihr seht, Abwechslung ist da.

Am Wochenende hatten wir dann einen coolen Notfallmanager, der  uns Assis relativ viel hat selbst entscheiden und machen lassen; das macht das Arbeiten noch cooler, weil man mit den meisten Patienten fix zu Potte kommt, wenn der Oberarzt nicht überall mit draufschauen will etc. Und wenn man ehrlich ist, hat der Notfall auch jede Menge Routine zu bieten. Angemeldete Patienten mit jeglichen Traumata werden früher oder später geröngt, Schnittwunden nach Schema F genäht und versorgt, Bäuche von den Radiologen geultraschallt oder erhalten ein CT…. man muss nur den Überblick über seine Patienten wahren und bei keinem irgendwas vergessen. Und natürlich immer bereit sein, dass hinter der nächsten Anmeldung DAS Trauma auf einen wartet oder das geplante Mittagessen sich um Stunden verschieben kann, weil plötzlich eine Welle an Patienten auf den Notfall schwappt.

Nun habe ich nach 7 Tagen 3 Tage frei und beginne dann mit dem nächsten Block – 7 Tage Spätdienst. Der ist bestimmt anstrengender, weil abends doch einige Patienten mehr auf den Notfall kommen, aber wer weiß, ich hoffe auf mein Karma ^^ und auf kaltes Wetter, damit ich nicht jeden Tag denken muss, was ich an Pool und Rennrad-Zeit verpasse (wobei ich morgens noch ne Runde schwimmen oder radeln gehen kann und werde).

Über den ein oder anderen Fall berichte ich noch, so far,

to be continued

20.07.2014 / stega

Immer wieder sonntags … | 2014 – KW 29

| GESEHEN | kunterbunte Fälle auf dem Notfall | GEHÖRT | nichts Besonderes außer Radio am Morgen | GETAN | Notfallaufnahme-Frühdienst, Rennrad und viel im Pool geschwommen | GEGESSEN | Spaghetti mit Berner Rosen (Tomaten) | GETRUNKEN | Milo (in Erinnerung an den Urlaub in Thailand) | GEDACHT | das macht irgendwie Spaß | GEÄRGERT | dass man auf Notfall vom Rest der Klinik nichts mehr mitbekommt | GEFREUT | bald ist wieder frei nach einem Notfallblock | GEKAUFT | ein Abendessen mit den Kollegen | GESTAUNT | läuft ganz gut

to be continued

14.07.2014 / stega

das erste Mal… Therme Meersburg

Vor einigen Tagen war ich  das erste Mal in den Sauna&Therme in Meersburg. Empfohlen von @pescum (“schöne Saunalandschaft”) und angestachelt durch anhaltend schlechtes und kaltes Wetter (und das obwohl Juli!) ging es relativ früh in Richtung Deutschland los und mit ein wenig Umwegen aufgrund von Baustellen dann bis zu den Thermen. Aufgefallen Nummer 1: Parksituation: die war recht übel. Es gab viel zu wenig Parkplätze und die, die es gab, waren von Vollpfosten so dermaßen schlecht beparkt, dass man sich nur noch quer hinstellen konnte – super, denen gehört der Führerschein abgenommen. Und von Seiten der Therme sollte man mehr Parkplätze schaffen, um diesem Chaos zu entgehen.

Der Einlass ging relativ fix, man bekommt einen Coin, mit dem man dann auch seinen Spind abschließen kann und später alles, was man kauft und bezahlen muss, bezahlt – und beim Ausgang dann abschließend die Summe begleicht. Aufgefallen Nummer 2: Die Umkleiden waren sehr beengt und in ihrer Anzahl sehr überschaubar. Bei großem Andrang wir das schnell zum Kampf um die freien Kabinen.

Der erste Eindruck von den Thermen: klein und wenig Becken. Im Prinzip gibt es ein großes Thermalbecken (mit relativ kühlem Wasser), das über zwei Tore nach draußen führt, sodass es wie ein großer Schlauch aufgebaut ist. Draußen dann im Sinne eines infinitypools mit direktem Blick auf den Bodensee – das ist gut gemacht, aber insgesamt doch recht wenig an Attraktion. An einer Ecke existiert ein sehr kleiner Whirlpool für maximal 6 Personen. Ein zweites Becken nebenan ist eher für Kinder ausgelegt, hier gibt es einen kleinen Strömungskanal und Springbrunnenbereich, aber dann wars das auch schon an Becken im Thermenbereich. Oben führt eine Galerie mit Liegen entlang, Blick raus auf den Bodensee. Daneben, aber aufgrund schlechten Wetters nicht für uns von Interesse, kann man wohl noch ins angrenzende Freibad wechseln, wo es nochmals ein Becken geben soll; zusätzlich noch den Einstieg in den Bodensee, in dem man bei gutem Wetter planschen darf.

Insgesamt aber Fazit des Thermenbereichs: der Ausblick auf den Bodensee ist toll, der Rest für Besucher, die nur in die Therme (nicht aber Sauna oder Freibad) gehen, wohl sehr schnell sehr langweilig und wenig attraktiv.

Rein ging es dann in den Saunabereich. Aufgefallen Nummer 3: es gibt viel zu wenige Haken/Ablageflächen. Schon beim Eintreten in den Saunabereich fehlt es an Möglichkeiten seine Badeklamotten irgendwo unterzubringen, will man nicht in Badehose quer durch den Saunabereich zu ein paar Ablageflächen latschen. Außerdem mangelt es in diesem Eingangsfoyer an Haken, an denen man seine Handtücher aufhängen könnte, wenn man z.B. in die Thermen wechselt und nicht das Saunatuch mitnehmen will (es aber auch nicht zusammengeknüllt auf eines der Ablagefächer legen möchte).

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