das mündliche Physikum: Anatomie
hier kommt endlich der versprochene Bericht, wie mein mündliches Physikum gestern ablief. Für all diejenigen unter euch, die mir die Daumen gedrückt haben bzw. die, die es interessiert und die, die selber noch vorm Physikum stehen.
Geprüft wird man in kleinen Gruppen, die vom Prüfungsamt per Los (sagen sie zumindest) zugelost wurden. 2 Wochen vor der Prüfung erfährt man dann seine Prüfer, kann in den CopyShop rennen und sich dort alte Prüfungsprotokolle schnappen und die durchlesen und sich, bei Bedarf oder Wunsch des Prüfers, als Gruppe vorher bei ihm vorstellen. Die Prüfungsprotokolle helfen sehr bei der Vorbereitung, wenn man die Prüfer nicht kennt bzw. nicht weiß, was sie fragen. Denn irgendwie fragen sie doch immer mehr oder weniger in die gleichen Richtungen bzw. man erfährt, WIE sie fragen und worauf sie Wert legen. Dazu gibts dann natürlich noch StudiVZ etc, wo man sich von Leuten, die schonmal ne Prüfung bei einem der Prüfer hatten Tipps geben lässt oder auch erfährt, wie deren Prüfung war, wenn sie bei einem der Prüfer schonmal vorher hatten.
Also, 4 Leute waren es – 3 Jungs, 1 Mädel und 3 Prüfer. Einer von Anatomie, einer für Biochemie und der letzte dann für Physiologie. Das sind die drei Fächer, die beim mündlichen Physikum dran kommen. Immerhin. Kein Bio, kein Chemie, keine Physik, kein Psycho/Sozio. Aber: irgendwie steckt ja doch alles mit drin. Anatomie ohne Bio – undenkbar. Biochemie ohne Strukturformeln und Reaktionsmechanismen aus Chemie – undenkbar. Und Physik und Physio hängen sowieso zusammen wie Dick und Doof. (wie der doofe Student am dicken Physiobuch *höhö*).
Wir hatten um 14 Uhr Prüfung, morgens um 9 waren die anderen 4 bei dieser Prüfungskommission dran. Die trafen wir noch, wie sie draußen saßen und Sekt gesoffen haben. Aber wir wollten gar nix wissen. Nicht wie es lief, nicht die Noten, nichts. Es verunsichert ja eh nur – so 5 Minuten bevor es los geht. Und doch kam ein Kommentar: “es sind 2 nette und 1 Assi Prüfer dabei”. Mehr nicht. Naja, DAS is ja Ansichtssache.
Wir also rein, unsere Kittel und Vorladungsschreiben sowie Personalausweise raus, Rucksäcke in Spints rein und dann rein in den Präpsaal. Erstmal unseren Prüfern die Hand gegeben (wie förmlich! Da sieht man sich in der Vorlesung, teilweise im Präpkurs etc) und jetzt plötzlich gibt man sich die Hand. Nun ja, die Form muss gewahrt werden. Immerhin hatten wir Jungs auch alle Hemden an und die Dame hatte sich auch bissle rausgeputzt. Gut, bei mir is ein Hemd keine Besonderheit, ich liebe Hemden und den eher eleganten Stil. Also im Winter und Sommer Hemden – auch zu Vorlesungen und in Freizeit. hab ich wohl bissle von meinem Vater, der auch oft Hemden trägt. Manch anderer sah einfah komisch aus in seinem zu großen Hemd oder so unbeholfen beim Tragen
Ohne Würde….
Weiter gehts:
Personalien gecheckt, damit auch wirklich der da steht, der dastehen muss. Dann bekam jeder 2 Histopräparate – ähm halt: Objektträger mit fixierten Präparaten drauf – und wir durften uns an die 4 bereitstehenden Mikroskope setzen. Den Ersten rief er schon zur Makroskopie zu den bereitstehenden Modellen, Präparaten, Hirnschnitten etc. Wir anderen hatten Zeit unsere Präparate zu erkennen und uns Notizen zu machen. Fängt die neben mir an, Romane zu schreiben. Der Wahnsinn. Ich dachte noch: Halt an dich, du sollst das nur erkennen und bissle erklären, warum du es so erkennst. Sie war eh bekannt als Streberin – aber der zeig ichs
Im Verlauf der Prüfung haben wir zwei uns auch richtig hochgeschaukelt und immer viel von uns aus an Wissen rausgehauen und viel mehr gesagt als die Frage der Prüfer beinhaltete. Gute Taktik!
Nachdem dann der Erste seine Präparate und Fragen gestellt bekommen hatte, durfte er sich ans Mikroskop setzen und die Zweite wurde aufgerufen. Also sie hin und los gings. Immer mit den 3 Prüfern, die da rumstehen – da frag ich mich: der Biochemiker und der Physiologe haben doch keine Ahnung davon! naja, aber zuhören is ja auch interessant. Ich hatte inzwischen meine Präparate mehrfach erkannt und saß nur rum und hab gewartet, dass ich endlich dran kam. Mit halbem Ohr hörte ich noch, was sie alles gefragt wurde und welche Themen damit für mich wegfielen – schade. Herz, Larynx bereits beim Ersten, Unterschenkelmuskulatur und Ausfallserscheinungen bei bestimmten Nervenläsionen. Okok. Nach wieder rund 10 Minuten war sie auch durch und ich durfte erscheinen – und zack hat er den Witz zu meinem Nachnamen machen müssen, der einfach nahe liegt, wenn man ihn hört. Da ihr ihn aber nicht wisst, tja, bekommt ihr den Witz auch nicht hier geschrieben. Er ist sowieso abgedroschen und schlecht
Ich also Handschuhe geholt und hin zum kleinen netten Kaffeekreis. Die standen noch an den aufgedeckten Leichenteilen Arm und Bein (die einzigen der Leichen, die noch da waren). Hol ich ihm die Pinzette und er meint, reden wir über den Oberschenkel. Gut, gerne. Aber nicht über den Quadriceps femoris, sondern hier, was ist das denn?

Adduktoren des Oberschenkels
(natürlich an der Leiche gezeigt). Präsentiere ich ihm eben die drei Adduktoren und benenne gleich noch den Adduktorkanal. Den er nicht mehr hören wollte. Frägt er, wie sie innerviert werden. Das ist leicht: “N. obturatorius und der Magnus noch zusätzlich aus dem N. tibialis“
“aha, wo kommt denn der Obturatorius her” – “Plexus lumbalis” – und noch bevor ich was sagen kann, da frägt er schon: “der setzt sich zusammen aus?” – “Spinalwurzel L1, L2, L3, L4 und noch Th 12″. “Gut – welche Äste hat erdenn sonst noch?” – “N. iliohypogastricus, N. ilioinguinalis, N. genitofemoralis, N. cutaneus femoris lat., N. femoralis, N. obturatorius” – “gut, der Nevus cutaneus femoris lateralis, wo ist der denn hier?” – “ha, der zieht durch die Lacuna musculorum und liegt dann da und versorgt die laterale Oberschenkelseite sensibel” – “haben wir noch einen cutaneus femoris?” – “ja, den Nervus cutaneus femoris posterior” – “woher kommt der?” (man muss sich das so vorstellen: bevor man noch was sagen kann ,da hat er die Frage schon gestellt, also viel mit von sich aus reden war nicht) “Aus dem Plexus sacralis, ebenso wie der N. glutaeus inf. /sup. / ischiadicus….” – “und was sehen wir hier?” – “die Arteria femoralis, die……” - “Stop, gut. Was haben wir sonst noch für sensible Innervationen hier am Bein?” – “der N. obturatorius medial und dann noch der N. genitofemoralis mit seinem Ramus femoralis, der entgegen dem Ramus genitalis nicht durch den Leistenkanal zieht” – “was innerviert der denn dann?” – “die Genitalien, Hoden beim Mann z.B.” – “und was zieht noch an Nerven durch den Leistenkanal?” – “Der Nervus ilioinguinalis mit seinem sensiblen Ast für die Region des Leistenbandes”. “was macht der noch so?” – “ähm….” – “motorischer Anteil vorhanden?” – “ja klar! der innerviert noch die Bauchmuskeln, also den M. obliquus internus und transversus” – “sehr gut. Ok. ” Jetzt macht er sich Notizen in sein kleines schlaues Büchlein und ich frag ihn solange, ob ich das Präparat wieder abdecken kann. Soll ich. Weiter gehts zum nächsten.
Wieder ein Leichenteil: dieses Mal der mittig durchgesäbelte Kopfschnitt. Auch gut. Zeigt er mir auf die Parotis-Drüse. “Was is das?” – “das is die Glandula parotidea” – “und wie wird sie innerviert” – “durch den N. petrosus minor über den Nervus glossopharyngeus, Verschaltung im Ganglion oticum” – “sind Sie sicher?” – “ja klar” – “ne, das stimmt nicht” – “natürlich stimmt das” – “warten Sie mal kurz, murmelmurmel – ach ja stimmt ja” – “ja, Petrosus minor Parotidea und Petrosus major die anderen Drüsen am Kopf” – “Sie haben Recht. Wo liegt denn das Ganglion oticum?” – “direkt nach dem Austritt des N. petrosus major durch das Foramen sphenopetrosa” – “Na, (er geht und holt das Schädelbodenmodell) – was haben wir denn da?” – “das is das Foramen spinosum, da das Foramen ovale, das das Foramen rotundum” – “ok und der zieht also jetzt hier durch und hier direkt nach dem Austritt liegt das Ganglion oticum” – “ja sag ich doch!? Direkt nach dem Durchtritt” – “ach so, stimmt. Ja, Tut mir leid.”
Da muss man also noch seinen Prüfer aufklären, was Sache ist, weil er es nicht weiß. Wie geil ist das denn??
Weiter gehts: “Und was tritt denn dann durch das Foramen spinosum?” – “die Arteria meningea media aus der A. maxillaris und der Ramus meningeus aus dem N. trigeminus für die senislbe Innervation der Hirnhäute” – “woher kommt denn die Meningea media” (ähm, hab ich das nicht grad gesagt?? Hört der mir überhaupt zu?) “Arteria meningea media!”. – “und wie verläuft die dann so?” – “Sie teilt sich in einen Ramus frontalis und parietalis auf” – “und welche Erscheinung kann sie hervorrufen?” – “bei Ruptur blutet sie unter dem Schädel ein und produziert ein Epidurales Hämatom” – “gibts auch ein Subdurales?” – “jupps, wenn die Brückenvenen reißen” – “genau, also einmal venös, einmal arteriell”
(puh, ich geb zu, dass ich die Aufzweigung nur wegen des Hirnvideos wusste und dass ich das Epidural auch nur halb geraten habe, weil ich mir unsicher war
Glück muss man haben!)
Dann war das auch fertig und er dreht den Kopf um: “was ist denn das hier?” – “das is der vierte Ventrikel” – “gut, denn den erkennen auch net alle” – woaas? Und die wollen Ärzte werden???
“Und wie funktioniert das dann mit dem Liquorfluss?” – “ganz einfach: Poduziert in den Plexus choroideae in der Tela choroidea in den Seitenventrikeln und dem III. Ventrikel, fließt via Aquaedukt in IV. Ventrikel, der auch nochmal mit dem Bochdalekschen Blumenkörpchen Liquor produziert und dann über die Aperturae mediales und laterales in die äußeren Räume” – “ach das wollt ich sie grad fragen, weil das vielen auch nicht klar ist” – “oh, tut mir leid, können wir das rausschneiden und sie fragen einfach?”.
Man muss immer bissle witz reinbringen, dann läuft es leichter. Gleichzeitig immer wieder Blicke vom Anatomieprüfer zum Physioprüfer – anscheinend anerkennende
Weiter gehts zum Hirnschnitt (ich hab alles bekommen, was ich nicht so gerne wollte. na toll
Ok, außer dem Oberschenkel natürlich ). “Was sehen wir denn da?” – “Kleinhirn und dann hier die Rautengrube”- “sehr gut. Und hier von links nach rechts zieht eine prominente Faser:…” – “die Stria medullaris” – “genau, für wa sis die gut?”
Da hatte er mich. Die Stria erkannte ich auch nur, weil sie im Hirnvideo explizit genannt war. Aber für was…. hui. Also mit offenen Karten spielen: “da haben Sie mich grad erwischt. Warten Sie kurz… Sehbahn wohl nicht.” – “ne, das nicht, was liegt denn näher?” – “ach, die Hörbahn natürlich” – “genau, denn es…” – “ja wegen der kontralateralen bahn über den Corpus trapezoideum und der gleichseitigen Bahn für das Stereohörvermögen”
Gleich wieder Unsicherheit ausgebügelt durch Präsentation von Wissen. Guuuut. Und dann kam die Frage: “was ist das?” – “die Substantia nigra” (also wenn man diese schwarzen Punkte net erkennt, ich weiß nicht…) – “und was macht die so?” – “lassen Sie es mich mal so sagen: die Substantia nigra berieselt unser Striatum mit Dopamin und hat deswegen bei der Bewegung in Zusammenspiel mit den Basalganglien eine modullierende Funktion. Wenn sie ausfällt, dann haben wir Parkinson und dessen Symptome Akinese, Ruhetremor – schwerwiegend also.” – “ja und ähhh” – “ja, bei Zielbewegung zunehmende Hypertension der Muskulatur”. “gut, letzte Frage: Wo riechen wir denn?”
Philosophisch
Mancher riecht unter den Achseln, andere sonstwo….
“wir haben ja 3 Concahe nasales und auf der oberen liegt unser respiratorisches Epithel, die dann als primäre Sinneszellen in die Glomeruli ziehen..” – “naja, nicht die Zellen ziehen, sondern die Axone gehen dorthin” – “ja natürlich, aber wenn wir schon exakt sind, dann gehen sie auch nicht, wenn Axone können nicht gehen…”
Wieder ein Konter
“… dort dann also umgeschaltet werden und dann über Tractus olfactorius durch die lamina cribrosa…” – “stop, gut. Nächster”.
Dann wieder warten und schließlich kam noch kurz Histologie dran. Schnell sagen, was man sieht. Ich fing mit meiner Großhirnrinde an und meinte: “prominent sind die Pyramidenzellen und der 6 schichtige Bau – wenn Sie wollen zähl ich Ihnen auch die Schichten auf” – “nene” – “und das Zweite is die gedehnte Harnblase, erkennbar an den Umbrella cells, die gegen den aggressiven Harn mit sog. Uroplakin-Inhalt schützen” – “jaja, reicht. Bitte Präparate zurücklegen”.
Das war Anatomie, nach 1h waren wir durch. Meine Prüfungszeit betrug also 10min Makroskopie und 1 Minute Histo
Und weil der Artikel hier so viel wurde gibts den Rest dann nachher in Teil 2 und 3
to be continued



So…viele…Fremdwörter. Mir schwirrt der Kopf!
Von was einem Anatomievideo schreibst du ? Und wie kann ich mir das ansehn?
das stammte glaube ich aus der Dualen Reihe Anatomie und war beim Buch dabei (oder war es der Trepel Neuroanatomie? Oder doch Lehmanns Fachbuchhandlung mit Neuronatomie?).