Passierschein A38 oder: lasst uns in die Kliniken
Kennt ihr “Asterix erobert Rom“? Bei diesem Film gibt es das “Haus, das Verrückte macht” und Asterix und Obelix müssen da rein, um Passierschein A38 zu finden. Erst dann können sie zur nächsten Prüfung antreten. Wer es sich nochmal als Ausschnitt ansehen will, kann ganz nach unten scrollen.
Uns geht es aktuell im Studium nicht viel anders als den beiden Helden aus dem Film. Die Bürokratie hat uns voll in ihren Fängen. Nachdem wir jetzt seit dem ersten Staatesexamen nach dem vierte Semester keinen großen Kontakt mehr mit der Verwaltung, dem Prüfungsamt und sonstigen Behörden pflegen mussten, scheint es, als ob sie sich geradezu freudig auf uns stürzen, um alles nachzuholen, was sie in den vergangenen 5 Semestern nicht mit uns machen konnten. Und das alles nur, weil wir im Sommer großteils mit dem universitären Teil (wie ich es für euch betitel) des Studiums fertig sind und dann ins sogenannte “Praktische Jahr” in die Lehrkliniken gehen, um dort nochmals 9 Monate praktisch ausgebeutet tätig zu sein.
In der Vergangenheit habt ihr hier mitbekommen, wie kompliziert es sein kann, dieses Praktische Jahr (PJ) zu planen, wenn man ins Ausland gehen möchte.
Generell gilt: es gibt drei Tertiale von je grob 15 Wochen. Diese müssen in der Chirurgie, Innere und einem Wahlfach abgeleistet werden. Maximal zwei Tertiale davon darf man im Ausland machen. Die Anfangszeiten hier in Deutschland werden von der Uni vorgegeben und dürfen nicht nach vorne (sehr wohl aber nach hinten) verlagert werden. Im gesamten PJ darf man nur 20 Tage fehlen bzw. wenn man vom Ausland nach Hause reist und dazu 5 Tage braucht, hat man 5 Fehltage. Alles also nicht so einfach, zumal die ausländischen Kliniken nicht immer Arbeitsverträge vom 7. oder 25. eines Monats vergeben wollen (wenn das Tertial hier in Deutschland enden würde und man dann im Ausland beginnen könnte). Viel zu planen, viel zu organisieren, was man großteils alleine machen muss – und frühzeitig, will man ganz sicher sein, dass man seine Wunschklinik bekommt (bzw. teilweise haben die lange Wartezeiten und sind überlaufen, v.a. was Schweiz betrifft).
Diese Woche gab es dann eine Informationsveranstaltung für die zukünftigen PJ’ler. Im Vorraum des Hörsaals hatten sich die Lehrkrankenhäuser der Klinik (man darf in Deutschland nur an diese gehen und bisher noch nicht frei wählen) aufgebaut und mit allerlei Kleinigkeiten um das Interesse geworben – Kugelschreiber, Taschen, Infobroschüren, Flyer, Kekse, Gummibärchen. Sie werben um die Studenten, weil sie uns als Arbeitskraft einplanen und gleichzeitig vom Land für jeden PJ’ler, der zu ihnen kommt, einen Zuschuss gezahlt bekommen. Kein Wunder also, dass wir heiß umworben werden und einige Kliniken bis zu 700 € pro Monat bezahlen wollen bzw. kostenlos Wohnungen stellen und sogar 1000 € Umzugsprämie, falls man nach dem PJ 12 Monate in der Klinik unterschreibt.
Die Infoveranstaltung war dann nicht mal so schlecht, wenn sie auch für diejenigen, die schon ihre Tertiale mit dem Ausland organisiert hatten, wenig Neuigkeiten brachte. Ein Aufhorcher war, dass man im Semester, bevor man ins PJ geht, kein Urlaubs-/Freisemester machen darf. Gut, dass sie das jetzt sagen, wo die Studenten bereits im Urlaubssemester sind und im Sommer gehen wollten….. *hach* es gibt Dinge, die sich nie ändern und dazu gehört sowas. Da bekommen einige Probleme, die geplant haben im Winter auszusetzen und dann im Februar erst ins PJ zu gehen. Wie auch immer sie das regeln werden….
Aber zurück zu den Formularen:
Die Famulaturen, die wir bisher abgeleistet haben, müsen vom Prüfungsamt anerkannt werden (ich habe meine bereits abgeschickt gehabt und anerkannt bekommen, sodass wenigstens die Hälfte dieses Terrors wegfällt). In den Brief muss unser Studienbuch mit dem lückenlosen Nachweis unseres Studienverlaufs (hab ich ein Studienbuch? Wir haben alles elektronisch? Das letzte Mal hab ich as zum 1. Staatsexamen rausgekramt). Schnell also alle Studienbescheinigungen ausdrucken und dazupfeffern.
Weiter ein Leistungsnachweis über alle Noten und Scheine. Den dürfen wir im Dekanat abholen kommen. Und ihnen gleich unterschrieben, dass sie unsere Noten ans Prüfungsamt übermitteln dürfen. Für was, frag ich euch, muss ich dann den ausgedruckten Notennachweis hinsenden? Kann man das nicht gleich alles elektronisch erledigen?
Außerdem dazu: ein Formular mit Antrag auf Anerkennung zur PJ-Reife. Also nochmal 3 Seiten ausfüllen. Mit diesem Umschlag zur Post, Einschreiben mit Rückschein bezahlen und ab damit. Teil 1 erledigt.
Zurück kommt wohl irgendeine Bestätigung oder sowas, mit der wir dann wieder ins Dekanat rennen müssen, damit die die Bestätigung dann einsammeln können und uns dann zu den Lehrkliniken aufteilen. Die Post muss in 5 Tagen weg sein. Toll für all diejenigen, die noch ausländ. Famulaturen anerkannt bekommen müssen (was an sich ca. 4 -6 Wochen dauert)…. jetzt scheinen sie es echt eilig zu haben.
Apropos Dekanat: das will natürlich auch noch was von uns: unsere offizielle “Bewerbung” fürs PJ. Ein (immerhin) online auszufüllendes Formular mit unseren Angaben und den Kliniken, in denen wir das PJ ableisten wollen. Man darf drei Kliniken angeben, eine davon wirds dann werden. Mich tangiert das eher nur peripher, weil ich nur ein Tertial hier verbringen werde (Innere), aber ich möchte eine Klinik, die mein Wahlfach (Ortho) anbietet, damit ich am Ende dann dort geprüft werden kann (und nicht in die Uniklinik muss).
Bei der Zuteilung gibts ein Vorrangsystem: wer behindert, wer verheiratet (ist ja ungefähr das Gleiche
) ist, wer Kinder hat oder wer einen Hauptwohnsitz in einer der Städte der Kliniken hat, der hat erstmal Vorrang bei der Zuteilung. Darauf hatte ich mich gefreut, weil ich dann vllt in die Klinik käme, in der ich Famulatur Ortho im März gemacht habe und die bei mir in der Stadt ist. Dafür braucht man aber, klar, einen offiziellen Meldebescheid von der Behörde. Und das Ganze bitte bis kommende Woche. Guter Witz, soll ich jetzt heimfahren und den Wisch holen?
Ein Glück ist meine Family daheim und hat sich bereit erklärt den Meldebescheid zu besorgen. Mir ist nur leider auf dem Heimweg gestern eeendlich mal aufgefallen, dass das gar nicht so klar ist, wie ich immer dachte. Denn: ich wohne genau 5km von der verwaltungstechnischen Stadtgrenze entfernt und somit im Landkreis. Die Straßenbahn hält vor meiner Haustür, ich brauche 20min zur Klinik – aber ich bin eben Landkreis. Fuuuuuuuck!!!! Gibt das noch Zuschlag?!
Ich habe versucht beim Amt zu erreichen, dass sie nicht nur den Ortsnamen, sondern auch “Landkreis XYZ” draufschreiben, damit das Dekant merkt, dass ich da wirklich herkomme. Aber wie die Ämter bei uns sind: machen sie nicht. Kann man vergessen. Na super! Heißt für mich: ich muss also zum Dekanat fahren (muss sowieso den Leistungsnachweis abholen) und meine Situation schildern. Und fragen, ob ich trotzdem den Ortszuschlag anklicken kann. Wäre ja bescheuert, wenn ich in den tiefen Schwarzwald eingeteilt würde, nur weil ich 5 km von der Stadtgrenze entfernt wohne. Oh mist, Daumen drücken! Na super, warum ist mir das nicht vorher aufgefallen?
Mit dem Wisch und dem ausgedruckten Formular zur Bewerbung kehrt man zurück zum Dekanat (und das bis nächster Woche). Mitbringen: Auslandsbestätigungen, falls man ins Ausland will. Und nein, es gilt keine Mail. Nur offizielle Papiere. Ein Glück habe ich den Arbeitsvertrag – das muss ja wohl reichen!? Unklar ist, ob ich das Wahlfach im Ausland auch schon angebe. Da habe ich zwar ne Zusage, aber noch keinen Vertrag unterschrieben. Also noch ne Frage mehr, was es mir bringt, jetzt schon ein Auslandstertial im Formular anzugeben. Nix, oder?
Ihr seht also: viele viele Papiere, Formulare, Fristen, Rumgerenne, Nachgehetze, Probleme, Fragen, Unsicherheiten…. und das alles nur, weil wir 9 Monate in ne Klinik müssen. Man könnte das Ganze ja sooooo entschlacken, entschleunigen und vereinfachen. Aber nein, dann hätten wir ja nicht diesen Genuss am Ende des Studiums. Immerhin haben wir darauf 10 Semester hingearbeitet.
Und wer sich jetzt im Sommer ein Bein bricht oder sonstwie 1 Woche in der Uni fehlt und damit Fehlzeiten im entsprechenden Kurs kassiert und den Kurs nicht besteht….. wollen wir nicht dran denken. Denn dann wäre alles erstmal umsonst gewesen. Man darf keinen einzigen Tag krank werden!
Passierschein A38 eben:
to be continued




