Liebe Radwegplaner, wie wäre es damit?
Die Situation der Fahrradfahrer in Deutschland liest sich gerne so: “Kampfradler”, “Straßenschlacht”, “rücksichtsloses Pack” … keine Frage, in jedem Kollektiv gibt es immer mal schwarze Schafe, was bei den Autofahrern nicht anders ist. Aber: in Deutschland wird es den Radfahrern nicht wirklich leicht gemacht, sich im Straßenverkehr wohl zu fühlen und nicht zu aggressiven Hunden zu werden.
Ich möchte ein paar Punkte aufzählen, die mir auf meiner Bodensee-Umrundung auf deutscher Seite aufgefallen sind und die, wie ich finde, relativ problemlos bei der Planung von Straßen berücksichtigt werden könnten, sodass es Radfahrern (und hierbei insbesondere die schnellen Rennradfahrer, die man nicht einfach so über Schotterpisten und entlang gemütlichen Radfernwegen durch Wälder/entlang Flüsschen schicken kann) Spaß macht, sich an die Regeln zu halten und gemeinsam mit den Kollegen in den motorisierten Wägen die Straßen zu nutzen.
- es ist nicht schön, wenn Fahrradwege ständig die Richtung wechseln, andauernd verschwenkt werden und man deswegen am Dauerbremsen ist. Bei jeder Einmündung von Straßen wird der Radweg, der parallel zur Straße verläuft, verzogen und der runde Tritt ist sofort raus, wenn man ständig das Tempo variieren muss. Warum nicht einfach geradeaus über die Einfahrt ziehen und mittels rotem Bodenstrich kennzeichnen?
- es ist nicht schön, wenn Radwege plötzlich als Schotterwege fortgeführt werden. Im Sinne der Natürlichkeit natürlich zu vertreten, aber dann sollte frühzeitig ein Hinweisschild platziert sein, damit Rennradler nicht plötzlich vor grobem Schotter stehen und nicht mehr weiterfahren können. Spätestens nach dem dritten Mal auf einer Tour ist der Frust enorm. Oder wenn Radwege plötzlich auf den Fußgängerweg umgeleitet werden, um kurz darauf zu enden. Am Besten noch ohne abgesenkten Bordstein.
- es ist nicht schön, wenn Hinweisschilder zum weiteren Verlauf der Radstrecke kurz vor knapp oder schon kurz nach knapp sichtbar werden. Vor allem nicht, wenn der Rennradler mit gesteigertem Tempo ankommt und sich der grüne Hinweispfeil (am besten noch halb von Büschen zugewuchert) erst nach einigem Suchen offenbart. Auch hier gilt: frühzeitige Hinweisschilder ermöglichen das kontinuierliche Treten und machen deutlich mehr Spaß. Geht auf Autostraßen doch auch.
- es ist nicht schön, wenn man zur Querung einer Straße über vier Ecken geleitet wird, bis endlich eine Unterführung erreicht ist, nach der man dann erneut über vier Ecken zurück auf die Straße und den parallel dazu verlaufenden Radweg geführt wird. Warum nicht einfach dem Radfahrer zutrauen, dass er links und rechts schauen kann und die Straße sofort überquert und auf der gegenüberliegenden Seite auf den Radweg gelangen kann?
- es ist nicht schön, wenn es einen parallel zur Straße angelegten Radweg gibt, aber dieser nie erreicht werden kann, weil bauliche Maßnahmen (Leitplanken, Zäune…) oder breite Grünstreifen das Einfahren auf den Radweg verhindern. Wenn die erste Auffahrt aus welchen Gründen auch immer (siehe Verschwenkung, Querung der Straße, Ausschilderung, Schotterweg) verpasst wurde, gibt es keine Möglichkeit mehr den Radweg zu benutzen, selbst wenn der Wille da wäre. Das ärgert die Autofahrer, die den Störenfried auf ihrer Straße sehen und den leeren Radweg daneben – es ärgert aber auch die Radfahrer, die gerne wechseln würden. Wie wäre es mit ein paar asphaltierten Auffahrten auf den Radweg, damit auch Nachzügler den Weg benutzen können?
- es ist nicht schön, wenn Rad- und Fußwege gemeinsam nebeneinander auf dem Bürgersteig geführt werden. Vor allem dann nicht, wenn ständig Straßeneinfahrten kreuzen, Autos heranschießen bzw. abbiegende Autos keine Rücksicht nehmen, die Bordsteine nicht glatt abgesenkt sind oder Hofeinfahrten ständiges Rauf -und Runter des Asphaltes erzwingen. Und Pflasterbelege gehen gar nicht. Auch hier gilt: der runde Tritt ist weg, ständig kämpft man sich gegen das Auf und Ab. Legt den Radweg doch einfach gleich auf die Straße und vertraut, dass man sich mit den rücksichtsvollen Autofahrern vertragen kann – schon alleine im Interesse der eigenen Gesundheit.
- es ist nicht schön, wenn Radwege (v.a. solche, die man sich mit Fußgängern teilt) eher an einen großen Flickenteppich erinnern, denn an einen Weg “aus einem Guss”. Jeder Flicken bedeutet wieder ein Holperer, Tempovariation, Verlust des runden Tritts, Stöße an die Hand und Schulter, den Sattel und einen weiteren Kick an den innerlichen Frust. Wenn ihr schon die Wege flicken müsst, dann gebt euch doch wenigstens Mühe sie wenigstens glatt zu hinterlassen und nicht mehr Flicken zu produzieren, als es Sandkörner am Strand gibt. In diesem Falle gilt auch hier: eine glatte Straße in kollegialer Teilung mit dem Autofahrer flutscht einfach besser.
- es ist nicht schön, wenn Radwege, z.B. wenn sie seitlich auf Straßen geführt werden, alle Gullideckel und sonstigen Deckel abbekommen, die es auf der Straße gibt. Auch hier wird durch das ständige Ruckeln des Lenkers und Stöße von unten kein Spaß erzeugt. Außerdem machen das die Laufräder und Mäntel bei scharfen Kanten nicht mit. Ausweichen geht häufig zu Lasten der Autofahrer, die sich dann darüber aufregen, dass der Radfahrer Schlangenlinien fahre. Verbreitert doch lieber den Radweg um 30cm, sodass man Gullideckeln ausweichen kann (ebenso wie Scherben, Müll, Steinen und was sich sonst noch gerne auf diesen Wegen ansammelt)
- es ist nicht schön, wenn Radwege an Landstraßen eher dem Traktorverkehr dienlich sind als den Radfahrern und dementsprechend verdreckt sind. Steine, Matsch, Schlamm, Erde, Ernteprodukte sind zwar nicht tödlich, aber auf Dauer nervig. Ausweichen nicht immer möglich, auf 29mm Reifen nicht ohne weiteres zu fahren und auf Dauer ermüdend. Scherben, spitze Steine, Schotter gehen gar nicht.
- es ist nicht schön, wenn Autofahrer so eng an Radfahrern vorbei rauschen (teilweise mit extra aufheulendem Motor), dass man als Radfahrer schon den Todeszug der Luftwolke rund um das Auto spüren kann. Wobei das eher an die Autofahrer gerichtet ist. Und Hupen und Winken/Fuchteln ist auch nicht nett. Tun wir schließlich auch nicht, wenn ihr uns mal wieder überholt, um dann 20m später eine Vollbremsung hinzulegen und abzubiegen (und uns auszubremsen. Wie war das mit rundem Tritt?).
Viel mehr gäbe es zu sagen, um Radfahrern ein tolles Fahrklima zu schaffen. Ohne den Autofahrern zu viel aufzubürden. Ein wenig mehr Rücksicht und Mitgefühl schadet keiner der beiden Gruppen. Und bei der Planung der Radwege können wir in Deutschland noch einiges verbessern. Ohne gleich Begriffe wie Kampfradler, Straßenkrieg oder dergleichen verwenden zu müssen.
Wenn wir auf unseren Wegen einfacher und entspannter vorankommen, wird sich das unmittelbar auch auf die uns begleitende Autofahrerschar auswirken, die ihrerseits ein wenig mehr Rücksicht auf uns Radler nehmen sollte. Denn wir haben keine Knautschzonen, ABS oder ESP.
Nehmt euch ein Beispiel an unseren südlichen Nachbarn, Schweiz und Österreich. In der Schweiz gibt es auf unzähligen Straße
n einen seitlich durch gestrichelte Linie sichtbar abgetrennten Bereich für Radfahrer, sodass diese sich in gegenseitiger Rücksichtnahme mit den Autos die Straßen teilen können und ungestört zum Verkehrsfluss beitragen. In Österreich fahren die Einheimischen sogar rechts ran, wenn sie auf einem der unzähligen Pässe einen herannahenden Rennradler sehen, der bei der Abfahrt deutlich schneller als sie fahren können (vgl mit Motorrädern) und lassen Radfahrer passieren. Im Tal ist genug Zeit für das Rücküberholmanöver. So schafft man gegenseitige Akzeptanz, Wohlwollen und eine gute Stimmung auf den Straßen!
Vielleicht erleben wir noch als Radfahrer’s Heaven zu enden? Im Interesse unserer aller Gesundheit und der Umwelt.
Und des Spaßes und Erlebnisfaktors. Auf allen Seiten.
to be continued






