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19.06.2012 / stega

RR-Urlaub Lago Maggiore: Tag 3 – vom Lago Maggiore an den Comer See

lago maggiore
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Der dritte Tag kam und die dritte Tour stand an. Der Wecker klingelte erbarmungslos um 8.30 Uhr, same procedure as last day, also wieder ausgiebiges Frühstück mit Ei, Banane und dieses Mal Ciabatta-Brötchen (die die Italiener auch irgendwie nicht konnten). Danach fertig machen für die Tour, meinen Vater kurz briefen und es konnte losgehen.

Zunächst Rollen entlang der Uferstraße Richtung Luino (schon wieder diese Strecke), dort dann den Weg, den ich am Vortag noch zurückkam (und da war er schön den Berg runter) rauf, was mir, zugegebenermaßen, morgens ein wenig die Motivation verhagelt hatte. Aber was muss, das muss und damit kurbelte ich mich die kurze Steigung nach oben. Spürbar waren die Beine schwerer und wollten nicht mehr so locker wie am Vortag, immerhin hatten sie schon fast 200km gekurbelt und mit den Höhenmeter des Vortages auch genug geschafft.
Grenzübergang in die Schweiz, dann ein paar Rennradler grüßend überholt und schließlich an Ponte Trema auf die Küstenstraße des Luganer Sees eingefädelt und prompt im Stau gestanden. Die Schweizer hatten sich wohl vorgenommen ihre Land herauszuputzen (für die Tour de Suisse oder was weiß ich :p) und so fuhr eine Kehrmaschine mit 10km/h und blockierte die gesamte Uferstraße. Shopping von Zwischenraum zu Zwischenraum drängelte ich mich mit einem anderen Rennradler weiter vor mir an den Autos links vorbei, bis ich die Kehrmaschine erreicht hatte – dann überholen und weiter…. ein weiterer kurzer Anstieg wartete bis es dann nach Lugano rein ging – Verkehrschaos und kurzzeitig Verwirrung, wohin ich fahren musste. Ich entschied mich für eine Einbahnstraße (falsch rum) und wurde prompt vom entgegenkommenden Auto angehupt. Am Ende der Straße stieß ich auf die, auf die ich eigentlich wollte – hatte mich mein Himmelsrichtungsgefühl also nicht getäuscht. Immer zum Ufer hin also :p Entlang des Ufers ging es dann durch Lugano durch, viel Verkehr jetzt, danach wieder einen Hügel rauf, die Beine schwer, die Pedale wollten sich nicht so recht treten lassen. Dabei war das nur ein “Hügeligen”…. das konnte ja heiter werden. Erste Gedanken, den anstehenden Abstecher auf den “Balkon Italiens” ausfallen zu lassen, kamen auf…..

Nach Lugano Richtung Porlezza ans Ende des Sees, bis dahin ständig Stop ‘n’ Go auf der extrem engen Straße. So macht das keinen wirklichen Spaß….. durch enge Tunnels (hier hätte man durch die Rundbögen schöne Fotos schießen können, aber anhalten ging leider nicht) weiter durch die kleinen Örtchen bis ich dann parallel zum neuen Tunnel über den alten Weg nach Porlezza kam (noch kurz niederländischen Touristen auf dem Rad erklärt, dass der gesperrte alte Radweg für Radfahrer noch gut befahrbar ist (und ganz frisch geteert, auch wenn das lt. Schild anders sein sollte).

In Porlezza dann am Ufer ein paar Fotos, es lief inzwischen recht gut, der Gegenwind war jetzt weg, die Beine waren warm und die ersten 60km auf dem Tacho. Von Porlezza weiter um den See in Richtung Osten und Cuino, dort begann schließlich nach über 64km der Aufstieg rauf ins Valle d’ Intelvi.

Mit 5-10% schlängelte sich der Weg nach oben, länger als gedacht und mental verarbeitet, dazu wie schon den ganzen Morgen wärmer als an den Tagen davor (im Tal 28°C und Sonne pur), was zusätzlich anstrengend war (da merkt man erstmal, was es bedeutet, wenn man bei 23°C entspannt rollen kann und nicht gegrillt wird). Die Landschaft einmalig, irgendwann um 12 Uhr läuteten dann die Glocken der auf einsamem Vorsprung gebauten Kirche (leider kein Foto möglich, da ich zu der Zeit im Wald unterwegs war).

In Pellio angekommen waren die Beine dann warm, der vereinbarte Treffpunkt mit meinem Vater wurde kurzerhand verschoben und ich rollte einfach schon voraus zur Aussichtsplattform, die ich mir dann doch geben wollte. Von Pellio aus schlängelte sich die Straße weiterhin in 5 – 9 %iger Steigung nach oben. Das hatte ich so gar nicht erwartet, aber kurbelte mich einfach weiter, jetzt lief es, ich hatte den Tritt und die Beine waren warm, sodass ich recht bald in Lanze d’Intelvi ankam und dort endlich die Ausschilderung zur Aussichtsplattform des “Balkon Italiens” aka Sighignola fand. Schnell im Roadbook nachgelesen, dass mich 6 Kehren, eine langgezogene Gerade und dann nochmals 2 Kehren bis zum Gipfel erwarteten, machte ich mich auf die rund 650 hm, die vor mir lagen… und fluchte recht bald laut, denn der Asphalt (oder wie man diese Buckelpiste nennen will), war sooo schlecht, dass es echt nervend war, ständig Zickzack um mordstiefe Löcher zu fahren. Ein wenig half mir die Vorstellung am letzten Tag des Urlaubs den Gotthard hoch zu wollen, der aus Kopfsteinpflaster besteht. Kann man ja schonmal mental üben…. der Geist macht sowieso die halbe Miete habe ich gemerkt und wenn man sich mental auf die Herausforderung einstellt und (so ist es bei mir) die Werte der Steigung, die Länge etc vorher weiß, dann kann man das schön abfahren…..

Oben angekommen blieben mir rund 20min Zeit, bis mein Vater mit dem Auto endlich nachkam, Fotos und Essen, dann ab zur beschissenen Abfahrt, auf der ich mir ein fully suspendier MTB gewünscht hätte und auf der mir mehrfach lautstarke Flüche rausrutschten….. schrecklich! Warum schaffen die keine gescheiten Bödenbeläge hinzubekommen?!

Auf der normalen Straße angekommen, nochmals kurz die Steigung zurück nach Pellio, dann überholte mich mein Vater im Auto und ich warf ihm im Vorbeifahren meine Windjacke ins Auto – klappte perfekt, strike! :D Die anstehende Abfahrt nach Argegno bestand wenigstens aus gutem Asphalt, aber am Anfang musste ich mich mit einem Transporter schlagen, damit der mich vorbeiließ und mir nicht die ganze Abfahrt versauen sollte….

Erst überholt er mich auf schon abschüssiger Strecke brutal eng, dann bremst er mich (klar) bei jeder Serpentine aus, ich überhole bei einer Rechtstornanti innen eng, komme dann aber nicht schnell genug aufs Tempo, sodass der mit Handy am Ohr telefonierende Fahrer mich zurückdrängt. An der nächsten Tornanti (links) schieße ich über die Gegenfahrbahn und trete dann beherzt und die Pedale, um Land gewinnen zu können – und hänge den Deppen ab. Super, jetzt konnte ich mein Tempo laufen lassen…. bis ich dann meinen Vater eingeholt hatte. Hahaha, tja, auf dem Rad ist man halt doch schneller :p

In Argegno angekommen ging es dann gen Norden am Comer See entlang, erstes Ziel Lenno und die Villa aus den James Bond Filmen, die man leider nicht direkt anfahren/bestaunen konnte…. im nächsten Ort dann dafür Fotos gemacht und weiter nach Mennagio. Dort ein Bummelbähnchen eingeholt, was die hinten sitzenden englischen Touristen dazu animierte, Fotos von mir zu schießen und mich lautstark anzufeuern….

Schließlich Rad nach 105km und damit über 20km mehr als geplant ins Auto und auf den Heimweg. Mein Vater wollte dem Navi weder glauben noch den vorgeschlagenen Weg um den Comer See oder via Lugano fahren – und auch mir, der ich ihm mehrmals nahe legte, einfach von Menaggio via Lugano zurückzufahren. Deswegen kam es, dass wir ewig und drei Tage rumgondelten und am Ende über den Splügen-Pass gurkten. Was zwar schöne Fotos brachte, aber ewig dauerte und anstrengend zu fahren war, weil viele Kehren und eng und überhaupt…. danach ins Tal rollen und durch den Bernadino-Tunnel…. wenn der Herr Papa noch einmal seine Route statt die des Naiv fahren will, ich geb ihm! Im Endeffekt waren wir rund 3h im Auto unterwegs, bis wir dann endlich daheim waren – fast so lange, wie auf dem Rad und deutlich länger als die Kilometer, die das Naiv vorgeschlagen hatte (soviel zum Thema: “ich weiß, dass es da ne Straße geben muss, die kürzer ist” – lalalala).

Völlig fertig, mit schmerzendem Hintern und ungedehnten Beinen, kamen wir dann endlich um 19 Uhr am Campingplatz an und ich huschte rasch unter die heiße Dusche und an die Sportcreme, um die Beine locker zu bekommen für die Tour, die am 4. Tag anstand: auf den Gotthard.

Daten der dritten Tour:

105km, 4h, (/) 25km/h | max 65 km/h, (/) 89 upm | max 114 upm
(/) 155 bpm | max 198 bpm, 3023 kcal
Bergauf: 35,5 km, 2h, (/) 18km/h, 1718 hm, (/) 4 % | max 11 %, max 1400 m N.N.
Bergab: 34km, 55min, (/) 37 km/h, 1697 m, (/) 4 % | max 11 %

Grafische Auswertung des Tachos:

Die Route auf GPSies gibt’s hier zum Nachfahren:
GPSies - vom Lago Maggiore an den Comer See (one way)

to be continued

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