die letzten Wochen “frei”
Ihr wundert euch inzwischen sicherlich, warum hier in den letzten vier Wochen so wenig aus dem Studium zu lesen war. Dieser Umstand war der Tatsache geschuldet, dass ich – oh Wunder – das erste Mal in zehn Semestern Medizinstudium im Semester mehr als einen Nachmittag frei hatte. Durch die Pfingstferienwoche haben wir sowieso im Sommersemester immer fünf Tage frei, aber dieses Semester traf sich der bestehende Umstand mit einer Besonderheit in unserem System, das uns weitere Freizeit gönnte: Da wir hier immer in Blöcken unterrichtet werden, rotiert man mit seinem Block im Verlauf des Semesters durch die verschiedenen anstehenden Fächer und Klausuren. Dieses Semester haben, weil es das letzte universitäre vor dem Praktischen Jahr ist, alle Studenten meines Jahrgangs wieder zusammen Blöcke. Daraus ergibt sich der Umstand, dass ich eine Woche vor offiziellem Semesterstart mit der Uni beginnen musste, um dort 5 Tage Pathologie zu haben. Danach hatte ich eine Woche frei, denn da kamen die nächsten mit Pathologie dran. Anschließend rotierte ich weiter in Statistik, Gesundheitsökonomie etc… und dann kamen die Pfingstferien.
Nach der Woche offizieller Ferien waren nun aber zwei andere Gruppen mit Pathologie dran und da die Blöcke, die mich betrafen, erst vergangene Woche weitergingen, hatte ich nach Pfingsten nochmals zwei Wochen (Patho der anderen) frei (und deswegen u.a. in Urlaub fahren konnte). Kam noch nie zuvor vor und wird es auch nicht mehr geben … es war aber recht schön einfach mal frei zu haben, wenn ich auch zugebe, dass dadurch das eh schon sehr wenig bisher aufgekommene Semestergefühl (“ach wir haben Uni”) noch weniger aufzukommen vermag. Man fühlt sich ein wenig wie in Dauerschleife “Frei” hängen geblieben, unterbrochen von ab und an ein wenig Anwesenheitspflichten und ab und zu etwas, das sich “Klausur” schimpft. Aber den großen Stress hatten wir bisher nicht – muss auch nicht sein, wenn es nach uns ginge, denn immerhin hatten wir in den vorherigen zehn Semestern genug Stress und kurz vorm Praktischen Jahr (was auch wiederum stressig genug werden wird) können wir ja mal wenigstens ein wenig Entspannung finden :p
Vergangene Woche ging es dann also weiter mit meinen Blöcken, der aktuelle heißt “Umweltmedizin/Krankenhaushygiene”. Na dann. Interessant ist was anderes, auch wenn es eigentlich ja wichtig wäre. Dass aber selbst die Lehrenden nicht wirklich viel Interesse am Unterricht haben zeigt sich u.a. daran, dass der die Einführung am Montag haltende Professor sich danach krank meldete und die restlichen Vorlesungen der Woche deswegen beinahe alle ausfielen bzw. ersatzlos gestrichen wurden. Klausurrelevant seien sie sowieso nicht und da kein Dozent als Ersatz einspringen wolle/könne, hatten wir also Mi-Fr Mittag frei. Noch eine Woche mehr Freizeit.

(c) ksw.ch
Am Freitag dann ging es nach 45min Desinfektion-Sterilisations-Vorlesung für alle Interessierten noch in die chirurgische Zentralsterilisation oder wie es auf offiziell heißen muss: Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA). Immerhin zehn Studenten hatten sich freitags dann im großen Hörsaal verirrt und gingen mit in den Keller, um sich anzusehen, wie die chirurgischen Instrumente eigentlich steril für den OP gemacht werden. Ich finde das spannend und interessant, schon alleine aus dem Grund, weil ich später als Chirurg damit jeden Tag zu tun haben werde und es da nie schaden kann, wenn man sich vorher mal ansieht, wie die Abläufe eigentlich sind, die dahinterstecken (und warum es manchmal länger dauert, bis der OP-Springer ein benötigtes Utensil aus der Zentralsteri besorgt hat).
Als sich auf die Frage, wer denn mal als Chirurg enden möchte, sogar mind. drei der zehn Kollegen meldeten, war das “Ohoo” groß. Scheinen die Chirurgen doch kein gutes Ansehen bei den Krankenhaushygienikern zu haben. Dafür scheitern die schon daran, dass sie zwar ein OP-Set für die “Steinschnitt-OP” hervorzupfen können, aber dann nicht wissen, was das für ne OP sein soll. Dabei bezeichnet “Steinschnitt” eigentlich nur die Lagerung in der Uro. Muahaha, man musste sich ein Grinsen verkneifen.
Das war also schon die erste der zwei Wochen Hygiene und Umweltmedizin. Kommende Woche dann habe ich zwei Seminare mittags (zu denen ich euch noch berichten muss, weil das soooo ein Unsinn wird) und eine kurze Veranstaltung morgens, dann ist das Fach mit einer Klausur am kommenden Freitag auch schon vorbei.
Aber dazu dann im verlauf mehr. Bleibt mir einfach treu, ich werde spät. danach wieder mehr vom Studium zu bloggen haben, denn dann geht es wieder mit mehr Unterricht in den vierwöchigen Endspurt zur letzten Klausurphase des letzten Semesters.
to be continued



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