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01.07.2012 / stega

Umweltmedizin/Krankenhaushygiene

Das nächste Fach, durch das sich Medizinstudenten während ihres Studiums quälen arbeiten dürfen, ist Umweltmedizin/Krankenhaushygiene. Fragt nicht, warum gerade diese beiden Fächer zusammengefasst wurden, aber anscheinend hat sich da jemand in der so hoch geschätzten Verwaltung im Landesprüfungsamt was ganz Tolles ausgedacht und uns diese Kombination beschert. Auch wenn nicht mal die Fachbereichsleiter so wirklich kapieren, warum sie sich miteinander in einem Topf abfinden müssen.

(c) wolkdirekt.com

Immerhin bietet es uns die Möglichkeit in zwei Wochen zwei Fächer abzuhandeln und abzuhaken – wieder zwei Fächer weniger auf dem Weg zum Ende. Glücklicherweise wissen die lokalen Klinikseinrichtungen und ihre Vertreter um ihre Wichtigkeit in unserem Studienverlauf  und nehmen sich nicht allzu wichtig. Wenn man natürlich auch betonen muss, dass gerade in Hinblick auf Vorfälle, wie sie auf der Sägulingsstation in Bremen und auch bei uns mit multiresistenten Keimen auftraten, v.a. die Krankenhaushygiene einen hohen Stellenwert inne hat und im täglichen Alltag der klinischen Routine schnell in Vergessenheit gerät. Dabei ist gerade das, was die Krankenhaushygiene predigt von grundlegender Wichtigkeit. Und deren Mantra lautet: Händedesinfektion, Händedesinfektion, Händedesinfektion. Ein recht unattraktives Wort, wiederholt das mal schnell fünf Mal hintereinander und ihr wisst, dass es zu sperrig ist, um es als gängigen Slogan einzusetzen, der einem schnell über die Lippen geht. Dennoch, es bleibt das wichtigste Mittel.

Nach der Einführungsveranstaltung meldete sich der Lehrbeauftragte Professor der Umweltmedizin gleich eine Woche lang krank, sodass alle weiteren Umweltmedizin-Vorlesungen ausfallen mussten. Sehr zum Bedauern durch uns Studenten. Nicht. Hingegangen wären bei super Wetter wohl eh nur die Hartgesottenen, also nicht mal 20 Studenten. Die Krankenhaushygiene wurde an einem Morgen abgehalten, leider verlegt, sodass die Daheimbleiber auch diese drei Vorlesungsstunden verpassten – aber da es glücklicherweise ein tolles Skript gab und die gleichen Themen auch im Pflichtseminar abgehandelt werden sollten, kein wirklicher Beinbruch.

Als einzige Pflichtveranstaltung der zwei Wochen fand das eben erwähnte Krankenhaushygiene-Seminar statt (Mantra, Mantra, Mantra), was bei uns durch glückliche Dozentenzuteilung nicht mal so uninteressant und schlecht war, wie manch andere, die das Seminar vor uns hatten, beklagten. Da gingen die drei Stunden sogar relativ schnell und informativ über die Runden. Oder lag es daran, dass wir einfach ein grundlegendes Interesse zeigten und einige der gelehrten Dinge für unseren späteren Alltag wichtig werden könnten? Kathederwechsel, Desinfektion (naja, ok, zum gefühlten hundersten Mal erzählt uns jemand, wie und wann man Hände desinfizieren soll – und dann kommt man auf Station und trägt nicht mal Handschuhe beim Blut abnehmen, weil man damit “ja gar nichts fühlt”), Infektionen im Krankenhaus… Vor allem der Lehrbeauftragte hielt einen witzigen Vortrag mit einigen lustigen Bemerkungen zwischendurch und wusste das Seminar trotz hitziger Temperaturen aufzulockern (“sollte Sie mal in Verlegenheit geraten und was mit Chirurgie machen müssen…”, “es tut mir leid, dass ich auch was sagen muss heute Mittag”, “das könnte für die Klausur am Freitag wichtig werden – aber nicht mal das interessiert sie und lässt Sie zuhören”)

Die zweite Pflichtveranstaltung war ein 90minütiger ZVK-Kurs (Zentraler Venenkatheder). Auch das hatten wir im Rahmen des Anästhesie-Blocks bereits mal gemacht, damals sogar am menschenähnlichen Dummy. Jetzt mussten Nierenschalen als Patienten herhalten und wir sollten jeder die Prozedur durchspielen, wie wir einen ZVK hygienisch korrekt legen. Mit Vermummung, sterilem Auspacken etc. Man merkte, wer in seinen Famulaturen mal in der Chirurgie tätig war und bereits Umgang mit sterilen Dingen hatte… einige scheiterten schon an dem sterilen Anziehen der Handschuhe, was andere schon fließend und ohne Probleme hinbekamen. Ein ebenfalls kurzweiliges Seminar.

Die dritte und bereits letzte Pflichtveranstaltung war dann der Nachmittag Umweltmedizin. 9 Referate zu zweit halten, Grundlage ein veröffentlichtes Paper und ein Review-Artikel. Sinn? Beschränkt. Motivation? Beschränkter. Lernerfolg? Völlig abwesend. Erst ärgerte man sich über die Paper und die Flut, die diese Veröffentlichungen im Rahmen der Medizin hervorrufen – selbst, wenn gar keine Neuigkeiten publiziert werden können, weil bei den Studien nichts rauskommt. Dann waren die Themen nicht wirklich soooo interessant. Auch wenn sie Patienten bewegen, sei es Handystrahlung, Nanotubes, Nahrungsergänzungsmittel uvm. Aber allein durch eine Studie werden wir da auch keien Experten. Vorteil war: maximal 6 Folien pro Präsentation erlaubt, 7 Minuten Redezeit (was einige partout nicht einhalten konnten). Wenigstens was es kurzweilig und man überflog ein paar Themengebiete.

Falls jemand Interesse hat, kann ich gerne mal was zu Acrylamid (was in Pommes, Chips… beim Erhitzen entsteht) posten, irgendwo liegt die kurze Präsentation noch rum.

Dann war es das schon mit den Pflichtveranstaltungen. Freiwillig war ich noch mit in der chirurgischen Zentralsterilisation, was ich anderweitig bereits erwähnt hatte. Am Freitag endeten die beiden Wochen mit einer Abschlussklausur, die ganz in Ordnung war (Hygiene mit vielen Altfragen, Umweltmedizin auch ganz in Ordnung, man konnte sogar Teamarbeit wagen und war nach 20min mit der Klausur fertig und hatte abgegeben).

Als nächstes stürzen wir uns dann in Rechtsmedizin, was ebenfalls sehr interessant sein soll und zumindest vom Stundenplan nun deutlich mehr Seminare, Kurse und Anwesenheit abverlangt. Zum Ende des Semesters also nochmal richtig Gas geben.

to be continued

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