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12.07.2012 / stega

beim Betriebsarzt

Früh morgens. Viel zu früh. Die “Eingangsuntersuchung” beim Betriebsarzt steht bevor. Eine Untersuchung vor Beginn des Praktischen Jahrs im Sommer. Warum genau, keine Ahnung. Aber muss sein. So halt. Mach es und gut ist. Betriebsarzt. Ärzte, die sonst im klinischen Alltag völlig unbrauchbar wären und trotzdem irgendwas mit Medizin machen wollten. Jetzt schieben sie nen entspannten 8 – 16 Uhr Tag und wenn sie dir doof kommen, dann bist du dumm dran. Aber das tun sie nicht, denn sie wollen ja nur spielen.

Also kreuzen wir unsere Fragebögen mehr oder weniger halbherzig an, füllen das Feld “frühere Tätigkeiten/Berufe/…” mit beinahe unleserlicher Handschrift mit unseren Famulaturen aus (was auch immer das dem Arzt sagen soll) und dürfen dann zu den insgesamt drei Ärzten. Ich habe Glück, erwische den übermotivierten jungen Arzt, der mein gesamtes Impfheft abschreiben wird, der mich sonstwas frägt und sogar meine LASIK-OP notiert. Dafür aber darf ich mir für die anstehende Blutabnahme (zur Titerbestimmung für die Impfprophyaxe gegen Hepatitis A und B) zusätzlich Kontrolle der Schilddrüsenwerte wünschen, die ich seit Monaten vor mir herschiebe und es nie zum Hausarzt geschafft habe (sei es aus mangelnder Zeit oder Lust). Und wenn wir schon dabei sind, ein HIV-Test ist auch nie schlecht, da erhält man dann wenigstens ein Status-Quo vor Beginn der klinischen Laufbahn. Nie schlecht.

Körperliche Untersuchung? Beim Betriebsarzt beschränkt sich diese auf ein Abhören von Herz und Lunge, durch das T-Shirt hindurch. Kein Wunder also, dass er etwas länger braucht und nachfrägt, ob jemand mal was ungewöhnliches gehört habe. Nein? Naja zumindest nicht, wenn man ohne T-Shirt abhört. Mit T-Shirt sollte es kein Wunder sein, wenn man was Ungewöhnliches hört, oder? Betriebsärzte….

Das wars schon. Es folgt eine Blutabnahme durch ne medizinische Angestellte, einige müssen noch ins Becherchen pinkeln. Wie das entschieden wird, bleibt unklar – vllt sehen sie nach Drogenkonsum aus. Hahaha. Andere berichten später, dass bei ihnen nix aus dem Impfbuch abgeschrieben wurde und auch keine Wünsche zur Blutkontrolle erfüllt werden. “Wir sind doch kein Wohlfahrtsverein und machen das einfach so”. Ihr seid Betriebsärzte und wir fangen teilweise an der Uniklinik an – also seid ihr sogar dafür zuständig, dass es uns gut geht und wir keiner Gefahr ausgesetzt werden bzw. eine Gefahr darstellen?! Da hatte ich ja nochmal Glück.

Und das Glück war mir dann sogar noch gewogener, als es darum ging, dass eine Impfung vorgezogen aufgefrischt werden sollte. Bevor das PJ losgeht, statt mitten drin bzw kurz danach, wie es laut Impfplan eigentlich der Fall sein sollte. Eigentlich sollte das der Hausarzt machen. Aber den hab ich nicht wirklich. Ließ mich aber in erstem Anlauf abwimmeln. Nach der Blutabnahme und der Erkenntnis, dass eine Kollegin auch gleich geimpft wurde, hab ich dann doch darauf gedrängt, wenn ich schon da bin, auch gleich die Nadel im Oberarm spüren zu wollen – und nach ein wenig Gezicke durch den Arzt, gab er nach und zack, Nadel ohne Desinfektion der Haut oder ähnliches im Arm.

Smalltalk à la: “das nächste Mal gibts dann vllt gar kein Polio-Zusatz mehr, wenn die WHO es endlich schafft, die Krankheit auch in Afrika auszurotten” – “glauben Sie da wirklich an den Erfolg?”.

Und schon war alles fertig, linker Arm Blutabnahme-Kleber, rechts den Impfaktionskleber. Gebrandmarkt an in die Uni. Und in der Vorlesung “Medizinrecht” durch den Juristen beinahe eingepennt.

Noch zwei Tage danach tut mir der Arm weh. Tja, das hat man jetzt davon…

to be continued

LifeReport-History: vor zwei Jahren: "Unwetter über Freiburg" / "mein erstes Mal .. ärztliche Tätigkeiten"
LifeReport-History: vor drei Jahren: "mein Vorhaben: Transalp"

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