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14.07.2012 / stega

Rechtsmedizin done

In großen Schritten nähern wir uns dem Ende des Semesters und des universitären Abschnitts des Studiums. Die vergangenen zwei Wochen war Rechtsmedizin Tagesthema, viele viele Vorlesungen, was wir in der Menge gar nicht mehr gewohnt waren (oder hatten wir jemals zuvor den gesamten Morgen Vorlesungen? Eher nicht). Dazu jeden Tag eine sog. “Demo” des “aktuellen Untersuchungsgutes” – sprich: 30min, in denen der Chef uns die aktuellen Fälle zeigte, die sie zur Obduktion da hatten. Meist in Form von Fotos vom Tatort/Unfallort/Auffindeort, Fotos der Leiche und der betreffenden Areale und meist mit einer Schale, die die betreffenden wichtigen Organe enthielt und uns dann mittels Kamera auf Bildschirme gezoomt wurde. Da lagen dann die Lungen, Herz, Magen oder was im aktuellen Fall gerade interessante Befunde aufwies.

Highlight war wohl, als er eine bereits in Fäulnis befindliche Leiche zeigen wollte, diese aber so arg stank, dass man den unangenehmen Geruch bereits im Hörsaal roch, obwohl die Leiche drei Räume weiter obduziert wurde. Er verzichtete darauf uns den gesamten Körper zu zeigen (außer natürlich auf Fotos) und brachte nur den Magen mit, der den entscheidenden Hinweis auf die Todesursache enthielt. Aber er enthielt auch etwas Lebendes. Und das zuckte auf den Monitoren, als es herangezoomt wurde. Allgemeine “Heiterkeit” kam auf und der Professor mit seinem wiener Schmäh meinte furztrocken “ja da ist Leben drin” … und schon zeigte sich der Übeltäter vor der Kamera. Oder besser: die Übeltäter: zwei weiße Maden krochen im Kreis auf der aufgeschnittenen Mageninnenseite durchs Bild. Flott und schnell… begleitet von ein paar Lachern der Anwesenden. Bis dann der Professor darauf hinwies, dass es sich um menschliches Material handele und man jetzt nach ein wenig Heiterkeit wieder ein wenig ernster sein solle. Wieder so ein Grund, warum ich dieses Fach nicht machen würde. Da liegt die Leiche 6 Tage im Schlafzimmer, ist schon beim faulen und von oben bis unten mit zigtausenden Maden besiedelt. Und stinkt so arg, dass der gesamte Hörsaal durchströmt wird, obwohl die Leiche zwei Zimmer weiter liegt. Wie hält man denn sowas auf Dauer aus?

Natürlich gabs in den Vorlesungen jede Menge Fälle, die sie uns vorgestellt haben, zum Abschluss sogar der Amoklauf in Lörrach durch die Anwältin (2010?). Wir sahen Fotos vom Tatort, von den Erschossenen und Getöteten und von der Täterin. Generell sahen wir seeeehr viele Dinge, die man als “Normalsterblicher” nie im Leben sehen wird (und wohl auch nicht will). Viele Suizidenden, viele Tatorte, jede Menge Leichen. Kein Krimi oder Horrorfilm schockt mich mehr. Und Tatort ist eh für Luschen. Wenn man mal erfährt, worauf Menschen alles kommen können um sich und andere zu töten.

V.a. für die weiblichen Studentinnen waren die Themen Kindesmisshandlung und sex. Kindesmissbrauch schwer zu ertragen; generell muss ich sagen, dass einige sich im gesamten Verlauf der zwei Wochen sehr schwer getan haben dieses Fach durchzustehen. Aber ich bin da ganz beim Professor, der im Hinblick auf “Beschwerden, dass es so stinke und man diese Fotos doch nicht sehen müsse” meinte: “man kann sich nicht immer nur die besten Stücke herauspicken und alles, was nicht so schön ist, außen vorlassen. Man muss professionell an die Sache herangehen und dann kann sie jeder ertragen“. Wobei sich einige auch bisschen zu arg angestellt haben und schon im Voraus ein zickiges Verhalten an den Tag legten, um sich in den Vordergrund zu spielen und als besonders empathisch angesehen zu werden (tippe ich). Es fehlt einem zu den Fotos die emotionale Bindung, sodass man sie ansehen kann ohne den wahren Mensch dahinter zu sehen. Professionell eben. Das ist etwas ganz anderes, wenn ich die Person gekannt hätte und danach Fotos von ihr sehe oder weiß, wie sie verstirbt. Aber einige meinten, wenn man die Fotos nicht auch eklig und abstoßend und total schlimm fände, sei man ein emotional total abgeschossenes Wrack. Stimmt nicht.

Der Chef hat sich wirklich Mühe gegeben unser Interesse am Fach zu wecken. Ich werde seinen wiener Schmäh vermissen. “Man hat Nachschau gehalten”, “Kommen’s doch runter, ich hab  sie gern nah bei mir”, “Geschoooss”… zu gut. Da hört man gerne seinen Erzählungen zu, die er völlig ohne Konzept und noch old-school mit Dia-Show unterlegt hat.

Nun gut, bevor ich hier zu viel von Leiche und Leichenteilen schreibe lern ich jetzt lieber das Fach, damit ich die Klausur dann auch mit links schreiben kann.  Mir wäre lieber gewesen wir hätten diese direkt im Anschluss an die zwei Wochen geschrieben und dann rum, aber nein, wir müssen jetzt zwei Wochen die Lerninhalte warm halten, die aktuell so gut im Hirn sind. Kann man nichts machen.

to be continued

P.S.: wer Fragen oder Anregungen hat, worüber ich etwas schreiben sollte (gerade im Hinblick auf Rechtsmedizin/Studium) kann gerne im Kommentar etwas festhalten.

LifeReport-History: vor zwei Jahren: "das erste Mal... im Seniorenheim"
LifeReportHistory: vor drei Jahren:  "lieber Hund"

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