der nächste Countdown
Neben dem Countdown des Semesters und damit des universitären Studienanteils läuft derzeit noch ein weiterer Countdown: ich befinde mich in den letzten Zügen meiner Dissertation (Promotion). Die vergangenen zwei Nächte waren Nachtschichten angesagt, denn ich fiel am Mo Abend aus allen Wolken, als ich die finale Version zur eigenen Abschlusskorrektur für mich ausgedruckt hatte und nun nur noch mal kurz überfliegen wollte.

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Bereits das Wochenende war ich viele Stunden damit beschäftigt (bis nachts um 1/2 3), kleine Tippfehler, Anmerkungen, Satzbau etc zu korrigieren, was mir durch drei Korrektoren der Family daheim angemerkt worden war. Am So streikte dann mein Drucker bzw. Word (never use WORD for such a file! Allein die Überschrift so hin zu basteln, wie ich sie wollte, raubte mir den letzten nerv und benötigte am Ende 2 Stunden Handarbeit, weil die Nummerierung nicht mehr wollte): zunächst fraß der Drucker nach 2 Seiten wieder Papier und produzierte seinen bekannten Papierstau. Danach wollte Word nichts mehr drucken. Nach Neustart dann endlich wieder Druck möglich, ich hatte Duplex eingestellt. Tja, der Drucker druckte aber einseitig und nach 40 Seiten hatte ich kein Papier mehr im Schacht. Und auch keines mehr vorrätig. Dazu waren die bereits gedruckten 40 Seiten zerrupft, weil er teilweise zwei Blätter auf einmal eingezogen hatte… wieder nix. Schnell das Guthaben auf dem Rechenzentrumsdruckservice aufgeladen, denn da fehlten mir 3 Cent, um die gesamte Arbeit ausdrucken zu können und am Mo noch vor der Uni ausgedruckt.
Abends dann wie gesagt eigentlich nur noch überfliegen wollen, denn ich ging davon aus, dass durch die 3 Korrektoren UND die Korrektur durch meinen Betreuer, der dafür ja immerhin 1/2 Jahr benötigt hatte UND das Lesen durch meinen Doktorvater (der die Arbeit gut fand) alle größeren Probleme gelöst seien. Schon auf der zweiten Seite einen Tippfehler entdeckt, auch auf der dritten. Und dann kamen die Statistiken und Tabellen. Ich fiel aus allen Wolken, als ich die Fehler entdeckte: hier eine Zahl, die im Text anders als in der Tabelle drunter steht, da fehlte in der Tabelle eine Überschriftenzeile, sodass plötzlich Ja/Nein-Auflistungen unter die Überschrift Min/Max fielen und keinerlei Sinn mehr ergaben. Unklare Zahlenwerte kamen auf, als ich dann versuchte im Kopf nach über einem Jahr Pause und nicht-mehr-beschäftigen-mit-der-auswertung nachzuvollziehen, was ich da gerechnet hatte und warum hier diese Zahl und dort jene steht. Aber ich kam auf keinen grünen Zweig. Irgendwas fehlte und klang total unlogisch und nicht schlüssig. Was hatten die Korrektoren eigentlich gemacht?
Auf einer anderen Seite waren zwei Abschnitte vertauscht, erst erzählte ich was aus der Untergruppe, bevor ich was zur Übergruppenbildung sagte. Weiter hinten dann plötzlich eine andere Zahl an Drainagen (-1 Patient, der plötzlich weg war), dazu komisch logisch aufgebauter Text, der mir so nicht mehr gefiel. Insgesamt sehr verunsichert, ob die Arbeit wirklich konsequent und zwingend geschrieben ist.
Nun ja, in meiner aufkommenden panik und Hass gegen die restliche Welt (global, exzentrisch, stabil – so heißt das in Psychiatrie) ging ich um 1/2 2 ins Bett und wachte mit Frust morgens auf. Niedergeschlagen, frustig, geschockt.
Während des Tages schafften es meine Kollegen mich aufzuheitern, ich liebe sie dafür. Abends erneut eine Nachtsession, jetzt alle Fehler korrigiert, Abschnitte umgestellt, die Statistik nochmal bemüht und Fehler korrigiert, die nur aus ein oder zwei Zahlendrehern bestanden bzw. der fehlenden Überschrift und einer fehlenden – und vieles erklärenden – weiteren Zeile in der Übersichtstabelle. Das kommt davon, wenn man ewig nichts mehr mit den Dingen zu tun hatte und sich jetzt alles neu überlegen und wieder reindenken muss.
Abschließend wollte ich erneut drucken, um jetzt endlich die finale Version in den Händen zu halten – und wieder macht der Drucker nicht mit. Ich hasse ihn (never ever Samsung Drucker!). Nach 2 Seiten Papierstau, nach 1 Seite Papierstau, sofort Papierstau. Ich glaube, ich habe zu dünnes Papier oder aber der Drucker eine scheiß Duplex-Einheit.
Also erneutes Aufladen des RZ-Kontos und heute Morgen wieder vor der Uni ausgedruckt.
Nach der Uni dann zum Promotionsamt und dort sehr nett beraten worden und geholfen bekommen. So sollte das im gesamten Dekanat laufen, echt spitze. Mit zwei Anweisungen bin ich heim: die Zusammenfassung muss von 1,5 Seiten zwingen auf 1 Seite gekürzt werden (das wird ein Spaß) und das Literaturverzeichnis muss noch kurz umgestellt werden (Jahreszahlen hinter Autoren und nicht wie vom NEJM gefordert hinter Zeitschrift) – zweiteres war automatisch erstellt worden und kann manuell schnell umgebaut werden, ersteres wird lustig, weil anstrengend. Wo soll ich nur was weglassen?
Von meinem Betreuer habe ich bisher auch wieder nix gehört, seit über 2,5 Wochen, dabei wollte er sich “noch kurz” wg Literaturverzeichnis und Zweitgutachter melden. Tja, denkste. Jetzt will er in Urlaub, ich werde ihn also nicht mehr kontaktieren können… deswegen habe ich heute direkt dem Prof. geschrieben, wie mein Zweitgutachter jetzt heißt, damit ich ihn in die Arbeit aufnehmen und diese dann drucken lassen kann. Dann muss ich erneut zu ihm, zwei Papiere unterschreiben lassen und damit dann zum Promotionsamt und dort die Arbeit abgeben. Das wird wieder alles Zeit und Nerv kosten, weil die Betreuung und die Kontaktaufnahme zu den Betreuern einfach schrecklich schlecht (weil nicht vorhanden) ist (never eine Diss in der Chirurgie, wenn du gute Betreuung willst!).
Mal sehen, wie das jetzt weitergeht, ich wills einfach endlich vom Radar haben und wenigstens an das nicht mehr denken müssen.
to be continued


