… und dann waren da noch
… die Kaffee-Frau, die uns plötzlich als Dauergäste an ihrem Infoschalter erkennt und weiß, was wir beinahe jeden Tag der letzten 2,5 Wochen bestellt hatten. “Einen Kaffee zum Mitnehmen”. Irgendwann frägt sie mich, was ich für eine besondere MensaCard hätte, denn diese würde bei ihr am Bildschirm immer rot leuchten, während die anderen orange wären. Keine Ahnung, vielleicht liegts daran, dass es noch die “alten” Karten sind, also schon 5 Jahre alt und noch im alten, inzwischen zunehmend aussterbenden und antiquitären Wert entwickelnden Stil? Oder vielleicht ist das die Warnung, dass wir schon im zehnten Semester sind und endlich den Absprung schaffen sollten? Oder dass wir ne VIP-Behandlung erhalten sollen? Große Rätsel, die in den letzten 2 Wochen des Semesters (und des Studiums) aufkommen.
… die gruselige Vorstellung, alles nochmal zu machen. Einfach mal vorstellen, dass man statt im Sommer ins Praktische Jahr zurückrutscht (“gehen Sie über LOS, ziehen Sie kein Taschengeld ein”) und nochmal im fünften Semester beginnen muss. Ein weiteres Mal die Klinik überstehen. Erneut rund 55 Prüfungen in 5 Semestern schaffen. Und dann der erschreckende Gedanke, dass man die Dinge, die man schon längst wissen sollte, weil man die Semester und Prüfungen überstanden hat, eigentlich doch nicht weiß und mit einem neuen Durchgang via Semester 5 einfach nochmal alles lernen müsste, um eine Chance auf Bestehen einer Prüfung zu haben. Gut, Skills haben wir in der Klinik gewonnen, aber fragt mal nach solchen Dingen wie Mikrobio, Psychiatrie, Humangenetik….. oder Pharma. Wie gesagt. Alles weg. Großteils. V.a. die Details (die unwichtigen!).
… die Gedanken des Kumpels und Grenzerfahrungen. Mitten im Seminar am Morgen nach der Patho-Klausur. Er sitzt ziemlich angespannt da, hat ein wenig gutes Gefühl, der ganze Zustand und Umstand stresst uns alle ungemein, ständig Zeit absitzen, alles reinprügeln zu müssen, die Tage nur noch zu rotieren, Telefonbuch-Auswendiglernen und damit alle Vorurteile am Ende nochmal bestätigt zu wissen. Und dann die Aussage mitten im langweiligen und trockenen Vortrag über Diuretika (Wassertabletten) und mit Zwischenrufen und -fragen von den üblichen Verdächtigen, die sich am Ende nochmal profilieren müssen (oder wollen sie uns Mitstudenten nur zeigen, wie toll sie sind – teilweise auch nur deswegen, weil sie in der Fachrichtung ihre Doktorarbeit schreiben und sich daher gut auskennen müssen): “Weißt du, manchmal kann ich es verstehen, wenn Leute durchdrehen und Amok laufen. Einfach mal allen Frust und Wut rauslassen.” Erschreckend, wie weit uns das Studium an die Grenzen bringt. Und wie weit sich diese vom Anfang vor 10 Semestern bis heute verschoben haben. Nicht nur im Sport kann man seine Grenzen erkennen und verschieben. Auch im Studium.
… 105 Euro Rückmeldung für einen Aufdruck. Rückmeldung zum Wintersemester, obwohl wir gar nicht mehr an der Uni studieren. Naja, zumindest Studentenstatus haben wir noch im Praktischen Jahr – auch wenn wir an den Lehrkliniken arbeiten gehen. Aber für den Aufdruck “Gültig bis 31.03.13″ auf der Studentenkarte und für die Studienbescheinigung müssen wir den Semesterbeitrag bezahlen. Auf dass sich die anderen Studenten am köstlichen und subventionierten Mensaessen verschlucken werden, das wir dann ein Jahr nicht mehr genießen können. Oh du Fröhliche.
… die vielen jungen Gesichter. Sind wir so alt? Sind wir so ausgebrannt? Oder scheint das nur so? Auf jeden Fall begegnen uns soo viele junge Gesichter, rund, unverbraucht, fröhlich, strahlend, dass sie ihren Lebenswunsch erfüllen können und hier studieren (was sie möchten). Mittendrin wir. Alt, verbraucht, Augenringe, zerzaustes Haar, unrasiert. Meckernd. Bruddeln. gestresst. Und doch: irgendwie zuversichtlich, dass alles irgendwann anders und besser werden wird. Muss. Hoffentlich.
to be continued
LifeReport-History: vor zwei Jahren: "so nicht" LifeReport-History: vor drei Jahren: "ich könnt kotzen" LifeReport-History: vor drei Jahren: "Weisheit des Tages III"



