Dissertation abgegeben, Scheinfreiheit gefeiert
Vergangene Woche am Dienstag wurde die letzte Klausur geschrieben (Rechtsmedizin) (Ergebnis lässt noch auf sich warten), doch noch ist das Pflichtprogramm nicht beendet gewesen. Dennoch – zunächst musste die Scheinfreiheit gefeiert werden. Nach Abschluss der Klausur vor dem Hörsaal, in dem wir unsere Unikarriere vor 5 Jahren mit der Begrüßung durch das Dekanat und die Fachschaft begonnen hatten (alles schließt sich zu einem Kreis), gabs Sekt und Feierei. Muss lustig ausgesehen haben für Passanten, die sich im Institutsviertel verirrt hatten: stehen da rund 300 feierwütige Studis, Sektflaschen, lustiges Lachen, Entspannung. Eine Last fällt ab, man spürt die Müdigkeit schlagartig und dass die vergangenen Wochen doch härter waren, als man dachte. Lernmarathon, Hamsterrad. Aber alles vorbei. Rum. Denn die Klausur lief dazu gut genug, dass man sich sicher sein konnte sie bestanden zu haben.
Nach dem Anstoßen und erstem Feiern ging es für mich aber vor der weiteren Feierei abends zum CopyShop, denn meine Diss musste gedruckt werden. Die ausgedruckten Versionen hatte ich am Morgen in Empfang genommen (und nicht mehr angesehen, sonst findet man nämlich garantiert noch Fehler). Im CopyShop Deckblatt-Farbe ausgesucht, Aufdruck auf das Deckblatt gemanaged und dann ab damit zum Binden. Abholtermin einen Tag später – perfektes Timing.
Weiter ging es zum Grillen mit den Kollegen. Die Grills waren bereits aufgebaut, ein paar waren sogar im See schwimmen (omg, ihgitt, doch nicht in DIESEM See?!), jetzt trudelten nach und nach immer mehr ein. Typisch für Mediziner: auf einer großen Wiese am Seeufer bildeten sich am Ende drei (!) Gruppen, die parallel zueinander grillten/feierten, aber nicht miteinander eine große Gruppe bildeten. lachhaft. An einer der Gruppen gingen wir vorbei und meinten auf dem Weg zum Wasser, um Hände zu waschen, ob sie nicht zu uns stoßen wollen, da würden die Grills schon laufen. Tja, außer doof aus der Ferne glotzen und rumstehen war nichts drin – bis zum Schluss blieben sie getrennt von uns. Spaggos. Ellenbogen-Mediziner, die keinerlei Kollektivbewusstsein haben. Scheint ein Problem des Südwestens zu sein, Elite halt. Man kann beinahe froh sein, dass man manche dieser Gesichter jetzt erstmal nicht sehen muss.
Das Grillen war nett, lustig und unterhaltsam, man merkte, dass alle einen Tick entspannter (und müder) waren, aber trotzdem wurde bis spät in die nacht im Freien (das Wetter spielte perfekt mit) gefeiert. Scheinfreiheit! Heißt: > 45 Fächer, die wir durchlaufen mussten. Heißt: allein vom 5. bis zum 10. Semester beinahe 50 Prüfungen, durch die wir mussten (ganz zu schweigen von den ersten vier Semestern). Und, so haben wir die letzten Tage erfahren, anscheinend über 600 Stunden mehr, als die Approbationsordnung vorschreibt. Kein Wunder also, dass Kollegen an anderen Unis große Augen bekommen, wenn wir ihnen gesagt hatten, dass wir z.B. Chirurgie Blockpraktikum 7 Wochen machen müssen, Innere Block 6 Wochen etc… da kommen bestimmt einige Stunden en plus dazu.
Aber jetzt ist es ja durchlaufen…..
Und nach dem Grillen gings am Tag darauf für mich zum 1. Gutachter, um dessen Ausgabe der Diss vorbeizubringen. Die Sekretärin war da, der Prof. ist noch eine Woche in Urlaub. So schauts aus. Egal, jetzt hat er die Sache und darf sie lesen. Meinem Betreuer hab ich seine Ausgabe im Umschlag auf den Schreibtisch gelegt, weil er (natürlich) nicht da war (warum sollte das auch anders laufen als die letzten 2 Jahre?). Immerhin erkannte mich der Service-Mensch auf der Station wieder und schloss mir das Arztzimmer auf, damit ich die Ausgabe dalassen konnte. Und wie typisch: er hat sich seither nicht mehr bei mir gemeldet. Nicht mal ne kurze Mail. Ich sag euch: nie wieder Chirurgie-Dissertation. Wer da seine Arbeit schreibt muss sich im Klaren sein: die haben keine Zeit, nicht immer Lust und die Betreuung daher sehr eingeschränkt.
Nach der Klinik gings zum Promotionsamt, dort auch eine Ausgabe abgegeben und auf dem Rückweg dann zum 2. Gutachter bzw. dessen Sekretärin, denn auch er ist in Urlaub (mind. 2 Wochen noch). Kontaktdaten hinterlegt, falls Fragen aufkämen oder die Ausgabe verschlampt wird (davor warnte mich die Sekretärin sogar, wtf?!) und ab gings “jetzt ist es erstmal aus meiner Verantwortung und die Gutachter sollen gutachtieren” :p
Tja, damit war die letzte Pflicht vollbracht und fertig. Abgeschlossen. Ich bin gespannt, wie das jetzt weitergeht. Nach Promotionsordnung muss innerhalb drei Monate das Kolloqium einberufen werden. Vorm PJ wird das nix mehr, aber herfahren geht noch, bis ich dann in die Schweiz gehe. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.
to be continued



