Vampir
“Man lernt es nur, wenn man es selber macht“. Geflügelter Spruch mit jeder Menge Wahrheitsgehalt. Nur leider nicht immer in der Klinik umgesetzt.
Stattdessen: die ersten Tage alleine auf Station. Die PJ’lerin der letzten Woche, die mich “angelernt” hat, ist im nächsten Tertial angekommen und fliegt nach Südafrika. Die Glückliche. Und ich? Verbringe meine zwei Wochen alleine auf der großen Station. 38 Betten. Durchgangsstation. Aktuell 35 Patienten vor Ort. Und die Begrüßung am Morgen mit 27 mal X Röhrchen. 27 Patienten, denen ich am Montag Morgen Blut abnehmen muss und die Röhrchen alle füllen soll.
Ich beginne mit der Sortierung, wer in welchem Zimmer anzutreffen ist. Picke mir anschließend diejenigen Röhrchen heraus, die zu Patienten gehören, von denen ich weiß, dass sie einen Port haben und ich darüber entspannt Blut abnehmen kann. Piksen (danke für den Rechtschreibhinweis) bei den nicht mehr vorhandenen Venen an den Armen macht wenig Spaß. Dafür aber umso mehr negative Erfolgserlebnisse. Deswegen starte ich mit Ports. Da bekommt man auf jeden Fall Blut.
Nach 2 Stunden habe ich die ersten Patienten voll, aber die Stapel mit den Röhrchen werden nicht weniger. Ich lade immer wieder nach, muss mir meine Utensilien neu zusammensuchen und auf mein Tablett legen. Es fehlt Kochsalz. Wurde nicht bestellt. Dann fehlen Adapter. Auch die: nicht bestellt. Die Schwester joggt auf die Nachbarstation und borgt sich dort aus. Nervig, wenn man immer wieder von anderen Tabletts schnorren muss.
Weiter geht es. Die Chefarztvisite bekomme ich nur nebenbei mit, mitlaufen geht gar nicht, denn mein Blut wartet und muss bis 13 Uhr spätestens abgenommen sein. Also ranhalten. Ich wäre gerne beim Chefarzt mitgelaufen, denn dann bekommt man wenigstens ein wenig mehr von den Patienten mit (also nur die Venen und Ports).
Nach drei Stunden habe ich den ersten Schwung geschafft, drei Patienten sind nicht im Zimmer, bei dreien versuche ich mein Glück und finde keine Vene bzw. nicht genug Blut für die 5 Röhrchen. Die lasse ich den Assistenzärztinnen. Auch wenn sie schon genug zu tun haben.
Doch fertig bin ich nicht. Kaum sind die Röhrchen des Morgens nach gut 4 Stunden gefüllt, da liegen schon die nächsten bereit. Denn von den Neuzugängen brauchen wir auch Blut. Gleich weiter also. Einen Zugang lege ich erfolgreich, nehme gleich in einem Aufwisch Blut ab. versuche mein Glück bei einer anderen Patientin und kann nur drei der sechs Röhrchen füllen, bevor die kleine Vene am Handrücken kollabiert. Sowieso stupfe ich meine Patienten an Stellen, an denen ich früher nie abgenommen hätte. In Höhe des Daumengrundgelenks, über die Anästhesistenvene etc etc. In der Not….
Kurz vor 13 Uhr bin endlich fertig. Das war der Morgen. Visite verpasst. Gesehen: nichts, gelernt noch viel weniger. Aber Blut abgenommen.
Frustrierende Arbeit – ich hoffe, die restliche Woche werden es nicht mehr so viele Blutabnahmen morgens. Denn lernen kann ich dabei nicht viel. Aber das PJ ist eigentlich auch für das Lernen am Patienten gedacht.
to be continued
LifeReport-History: vor zwei Jahren: "das erste Mal ... auf Rennrad geblitzt" LifeReport-History: vor drei Jahren: "wenn nix mehr geht"




Stega, wenn ich fies wäre, würde ich dir sagen, dass man aus Ports MITNICHTEN “immer” Blut bekommt. Aus ZVKs, ja, Ports, nein. Aber ich bin ja nicht fies. Es gibt da noch etwas: Auf “meiner” Onko gab es einen Blutabnahmedienst… die MTAs durften zwar nicht aus Ports abnehmen, aber peripher piksen. Ich hatte in meiner Naivität gedacht, dass ein PJ nicht mehr bloß aus Blutabnehmen besteht… Mist aber auch.
da muss ich dir sogar inzwischen leider Recht geben: Blut aus Ports ist auch mal unmöglich zu gewinnen. Ganz besonders fies, weil alles schön aufgezogen und vorbereitet und dann: fail.
Auf der Gastro gibt es auch einen Blutabnahmedienst – durch PJ’ler, die 1h früher kommen und dafür 20 Euro pro Tag bekommen. Das finde ich fair. Oder aber (wie auch erlebt und von dir beschrieben), dass MTAs und Schwestern zumindest peripher Blut abnehmen dürfen. Sie können es ja meistens eh supergut (wenn nicht sogar besser als manch Student).
Ich hoffe es ändert sich noch mit dem Blutabnehmen und ich kann mehr Visite mitmachen.
Die Beschwerden höre ich auch so manches Mal – alles geht gut rein durch den Port, aber kein Blut raus … Aber ist doch gut, wenn es bei Dir klappt! Und ich drücke die Daumen, dass es bald anders läuft und zumindest mehr auf dem Programm steht als Blut abzuzapfen.