Woche zwei
Schon ist die zweite Woche des PJs und des Tertials Innere gelaufen. Sie rannte förmlich, Wahnsinn. War nicht gerade erst Wochenende? Anscheinend nicht. Aber ich möchte mich nicht beklagen, es ist ja ein gutes Zeichen, wenn die Zeit verrinnt und nicht wie Kaugummi nicht rumgehen möchte.
Nach dem durchwachsenen und Blutzapf-lastigen Start der Woche ging es die restliche Zeit etwas besser weiter; auch, weil ich mir ab Dienstag vorgenommen hatte, auf jeden Fall die Visite der Privatpatienten mit dem Chefarzt mitzuerleben und in der Zeit die Blutabnahmen einfach mal sein zu lassen. Sollen die Assistenzärztinnen, sofern sie Zeit haben, weiter machen, bis ich dann nach Ende der Visite wieder einsteige und weiterhelfe. Aber die Visite werde ich mir nicht entgehen lassen. Und es hat jeden Tag geklappt, dass ich dabei sein konnte. Viel bringt sie mir ehrlich gesagt nicht, aber es ist interessant zu sehen, wie der Chef mit den Patienten und den Mitarbeitern umgeht und wie die Patienten im Verlauf ihres Aufenthaltes gemanaged werden. Und, typisch Innere, wie jeden Tag an der Medikation geschraubt wird. Auch so ein weit verbreitetes Vorurteil, das einen Funken Wahrheit in sich trägt: in der Inneren werden viele Arzneimittel eingesetzt, angesetzt und eingestellt. Kein Wunder also, dann man tagesaktuell auf Laborwerte, Klinik und Patientenwunsch reagieren muss. Deswegen jeden Tag die Frage: was kann weg, was muss neu dazu, was ist mit der sog. Compliance des Patienten (nimmt er also die Medikamente wie angeordnet oder weigert er sich? Kommt nicht zu selten vor, trotz, dass man denken könnte, die Patienten tun alles, was der Chef anordnet, weil er ja nur ihr Wohl und ihre Genesung möchte).
Natürlich hatte ich trotz allem genug Blutabnahmen. Und einige Aufnahmen, die ich machen konnte. Außerdem die erste Pleurapunktion. Und das erste Mal für mich Port-Anstechen alleine. Alles geklappt und kein Patient verblutet. Sogar die gelegte Viggo/Venflon (Nadel bzw. Zugang) lieferte Blut. Man merkt Fortschritte, wenn man das öfters machen muss. Am Freitag war ich schließlich der Einzige der Station, der zur Röntgen-Demo ging und dort unser Röntgen-Buch mit den Ergebnissen füllte, die der Radiologe präsentierte. Ganze Menge, dafür, dass die Ärztinnen meinten, wir hätten doch gar nichts angeordnet und keine radiologische Diagnostik gehabt. Haha, denkste. Bisschen doof war, dass ich bei keinem Patienten mehr wusste als “ich schreibe mit” zu sagen. Aber wie soll ich auch auseinander halten, was welcher Patient hat? Steht doch alles auf dem Schein für die Radiologen, soll er doch einfach da vorlesen. :p (war aber auch kein Problem nix zu den Patienten zu sagen)
Um den täglichen Klinikalltag herum gab es weitere Erlebnisse: einen Tag bin ich mit dem Rad zur Klinik gefahren – weil ich die lange Heimpendelei mit dem ÖPNV satt hatte. Also morgens bei 12 Grad losgeradelt – schneller in der Klinik als bei Benutzung der Bahn. Dafür aber ein wenig verschwitzt (von wegen “ich fahr langsam, ich schwitz nicht”). Ich hatte aber das Shirt und Deo für die Klinik im Rucksack, also kein Problem. Nach Hause gings dann nicht direkt, da musste ich zum Finanzamt (was an sich wieder ein Artikel wert wäre… mhh….der kommt dann morgen, ok?). Von dort dann mit dem Rad quer durch die Stadt heim. Schön wars, auch wenn das alte Cross nicht mehr ganz meinen Maßen entspricht und ich mit dem Rennrad verwöhnt bin.
Außerdem passiert: am Di gabs das erste PJ-Seminar. Schlaf und Schlaf-Apnoe, wobei der Dozent eher auf Schlaf rumritt. Ein wenig ermüdend, einige kämpften mit dem Schlaf (und lebten sozusagen das Seminarthema). Danach gings zur After-Work-PJ’ler-Begrüßungs-Party mit dem PJ-Beauftragten (und gleichzeitig Chef der Inneren Medizin). Die “Party” fand in einem Feinkostladen um die Ecke statt, es gab Sekt und Häppchen, die sehr lecker waren. Kostenlos für uns und der Beauftragte super motiviert, suchte das Gespräch mit jedem Einzelnen der neuen PJ’ler und informierte sich, wie es uns die ersten Tage auf den Stationen ergangen war. Daumen hoch für so viel Interesse und Motivation! Daheim war ich dann aber erst um 20.30Uhr und um 21.30 Uhr schlief ich schon ein. Langer Tag.
Die restliche Woche verlief dann weniger spektakulär und somit endet dieser Artikel zur zweiten Woche jetzt hier. Ende.
to be continued
LifeReport-History: vor zwei Jahren: "Spruch des Tages" LifeReport-History: vor drei Jahren: "Physikum - stoßen wir an!", "Physikum - die Opfer", "Physikum bestanden"



