Finanzamt oder erkämpfte Lohnsteuerkarte
Neuer Arbeitgeber. Klinik. Benötigte Unterlagen? Viel zu viele. Ausgefüllter Personalbogen. Immatrikulationsbescheinigung. Nachweis von der Krankenkasse. Persönliche Steuernummer und Identifikationsnummer. Rentenversicherungsausweis. Lohnsteuerkarte. Bis zum letzten Punkt kein Problem. Alles vorhanden oder angefordert (wobei man das beschleunigen könnte, wenn man seine PJ’ler vor Dienstbeginn darüber informiert, dass sie das alles abgeben und vorher in aller Ruhe besorgen könnten.)
Aber Lohnsteuerkarte? War da nicht was mit Umstellung auf elektronische Lohnsteuerkarte? Och ne, muss das sein? Ich versuche meine Unterlagen ohne Lohnsteuerkarte abzugeben. Und scheitere. “Es fehlt noch die Lohnsteuerkarte – ja,
auch wenn sie umgestellt werden soll, denn das wurde auf 2013 verschoben.” Wo soll ich denn nun meine Lohnsteuerkarte herbekommen? Uniort, der gleichzeitig seit April mein Hauptwohnsitz ist – und wohin ich so schnell nicht mehr komme? Oder doch jetzt das Finanzamt hier, das mich von früher kennt (als ich mal auf Lohnsteuerkarte gejobbt habe). Aber hier habe ich nur Zweitwohnsitz. Wenn überhaupt (da bin ich mir inzwischen gar nicht mehr sicher, ob ich das bei der Ummeldung des Erstwohnsitzes angegeben habe).
Ich riskiere es und radle nach dem Dienst mit dem Rad quer durch die Stadt zum Finanzamt. Fülle dort ein Formular aus. Denn man muss die Lohnsteuerkarte von 2011 beantragen, damit man für 2012 dann mit dieser abgerechnet wird. So ungefähr hab ich das verstanden. Genaue Details versteht ein Nicht-Finanzler ja sowieso nicht. Es könnte so viel Schöneres geben. Und Einfacheres als zig Formulare zu durchsuchen und danach erst das Richtige zu finden.
Nummer ziehen und warten. Nach 10min bin ich dran.
“Guten Tag, ich brauche eine Lohnsteuerkarte“
“Schon einmal eine gehabt?”
“Ja, aber das liegt schon ein paar Jahre zurück und jetzt brauch ich nach abgeschlossenem Studium für meinen neuen Arbeitgeber eine”
Sie nimmt sich mein Formular und meinen Personalausweis, den sie nicht umdreht und somit auch nicht sieht, dass meine Adresse bei der Ummeldung des Hauptwohnsitzes überklebt wurde. Stattdessen beginnt sie die Daten in ihren PC einzutippen (ich sehe leider nicht, was auf dem Monitor steht) und mit rotem Stift meine persönliche Nummer auf das Formular zu schreiben.
Dann stockt sie.
“Ihr Erstwohnsitz ist nicht hier?”
“Nein, der ist umgemeldet in die Unistadt. Hier ist Zweitwohnsitz”
“Sie sind also hier noch als Zweitwohnsitz gemeldet?”
“ähm ja?!”
“Haben Sie dafür einen Nachweis dabei?“
“ähm… nein?”
Wie jetzt, Nachweis? Warum das denn? Hat das so große Auswirkungen? Ich bin mir ab diesem Moment nicht mehr sicher, ob ich wirklich Zweitwohnsitz hier behalten habe.
“Sie können doch nicht einfach so irgendein Finanzamt nehmen. Sie müssen da schon zu dem gehen, bei dem Sie hauptwohnlich und damit die meiste Zeit des Jahres gemeldet sind“.
Ja Frau Lehrerin, Verstanden Frau Lehrerin. War mir schon klar Frau Lehrerin. Wenn die Dame wüsste, dass ich bis Mitte kommenden Jahres fast gar nicht an meinem Hauptwohnsitz anzutreffen sein werde….
“ja, das ist mir schon klar. Aber ich bin nun mal jetzt hier und werde so schnell nicht dort sein, weil ich mind 12 Wochen hier wohne. Und da ich hier Zweitwohnsitz habe, dachte ich,d as ginge klar so”
Grummelnd tippt sie weiter….
“Ich darf das eigentlich nicht. Ohne Nachweis, dass Sie hier gemeldet sind, darf ich keine Karte ausstellen“
“Mh, ok…. und wenn ich das Formular ausfülle und denen hinschicke, geben die mir dann eine Karte?”
“Natürlich.”
“Ja dann kann ich das so machen, wenn Sie jetzt hier so ins Rödeln kommen. Formulare gibts hier schließlich genug.”
“Nein, ich habe den Prozess ja jetzt schon begonnen“
In meinem Kopf beginnt sich Unverständnis breit zu machen. Wenn es ein solches persönliches und verwaltungstechnisches Problem darstellt, dass ich meinen Wisch hier beantrage und hier ausdrucken lasse, warum hat sie dann nicht gleich gesagt, dass sie das nicht machen kann, sondern alles schön säuberlich eingetragen und ist anscheinend gerade jetzt nicht mehr
in der Lage den Vorgang abzubrechen?! Was sollen denn dann diese dummen Kommentare und das Rumgestöhne beim Eintippen?
Nun greift sie sich einen Zettel mit ganz vielen Adressen und Telefonnummern.
“ich rufe jetzt mal in Ihrer Ortsverwaltung an und frage nach, ob Sie da gemeldet sind”
“Tun Sie das, ich befürchte aber, dass um diese Uhrzeit dort niemand mehr anzutreffen sein wird”
Immerhin ist es 16.30Uhr. Da arbeitet auf dem Dorf doch niemand mehr! Nach einigem Klingeln und Abwarten merkt sie wohl auch, dass das ein Unterfangen ist, was sie nicht mehr zum Guten wenden kann. Und beginnt zu resignieren.
Ich stütze inzwischen gelangweilt meinen Kopf auf ihren Schreibtisch und warte ungeduldig, dass sie endlich den Zettel ausdruckt und nicht noch ewig rumtippt.
Schließlich halte ich die Lohnsteuerabzugserklärungsdingsbumsformularkomischesteil in der Hand und bedanke mich herzlich für ihre Hilfe.
Ich glaube, die Dame war froh, dass ich weg war. Und ich zunehmend unsicher, ob das mit dem Zweitwohnsitz so alles stimmte ist. Deswegen tippte ich daheim einen Brief an das Finanzamt der Unistadt und füllte ein Formular zum Antrag der Lohnsteuerkarte aus. Die kam aber bis heute nicht. Und meine Deadline für die Abgabe ist inzwischen abgelaufen.
Als mir aber sowohl mein Vater als auch @HulaLena (danke!) rieten den Zettel abzugeben, egal, was als Adresse drauf stehe (weil es gar nicht wichtig sei), war alles gut. Und die ausgestellte Bescheinigung bei der Personalabteilung eingeworfen.
Was für ein Act!
to be continued



