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14.09.2012 / stega

Straßenbahnen und der Rest

Straßenbahnen

Seit vergangenen Montag fahren die Straßen- und Stadtbahnen hier wieder nach normalem Plan. D.h. die schöne Umleitung durch die Baustellen während der Sommerferien sind zurückverlegt auf normale Streckenführung und ich komme nicht mehr so schnell und unkompliziert in meine Klinik. Die ersten zwei Wochen konnte ich mit der Bahn, die hier im Ort losfährt, bis in die Stadt, dort in den Bus und 5 vor 8 Uhr vorm Klinikum aussteigen. Fertig. Das war genial, 34min unterwegs. Ok, Nachmittags war es fast jeden Tag ein Kampf, bis man endlich die richtige Bahn hatte, die aufs Land rausfährt, zeitweise bis knapp unter eine Stunde, die ich gependelt bin. Ätzend und nervend sowas.

Jetzt aber, mit Beginn des neuen Schuljahres, werden die normalen Strecken wieder befahren – und für mich bedeutet das, dass mein schöner Weg zur Klinik dahin ist. Ich kann zwar immer noch mit der Bahn vom Ort aus fahren, aber diese biegt in der Stadt nicht mehr auf die Umleitungsstrecke ab, sodass ich dann kompliziert umsteigen und nur noch um Punkt 8 ankomme – oder eben viel früher, wenn ich 20min früher daheim die Bahn nehme (was um kurz nach 7 Uhr ist anstelle von 7.25 Uhr). Am Montag das totale Chaos unterwegs, eine Bahn an der anderen auf der Hauptachse; ich steige an der Haltestelle so aus, wie ich online nachgesehen hatte. Nur: es kam nicht die Bahn, die eigentlich hätte als Anschlusszug kommen sollen. Stattdessen eine “Sonderbahn”, die gar nicht im Fahrplan steht. Mh, ich steige ein, fahre eine Station und hoffe, dass die Bahn abbiegen wird. Tut sie nicht, also muss ich die nächste Station schon wieder abspringen. Es folgt die nächste Bahn, die dann hoffentlich abbiegen möge, immerhin stimmt die Liniennummer. Nur leider hat sie kein “E” mehr dahinter. Und fährt deswegen in die Innenstadt weiter anstatt die Abzweigung zu nehmen. Schlecht. Umweg hoch zehn. Und ich komme prompt mit 15 min Verspätung in die Klinik. So ein Mist.

Am Dienstag, nach erneuter Kontrolle der Umsteigezeiten und Bahnen, fährt mir die Anschlussbahn vor der Schnauze davon, weil mein Zug Verspätung hatte. Wieder den Umweg, den ich in Kauf nehmen muss und wieder 5min zu spät in der Klinik (interessiert zwar niemanden, ist aber einfach nervig).

Ich muss jetzt also 20min früher aus dem Haus und aufstehen, nur, weil unsere Bahnen einen so bescheuerten Fahrplan haben, dass es einfach mit dem Umsteigen nicht passt und die Linien so blöd mit der Kirche ums Dorf fahren, anstatt die Gleise effektiv zu nutzen und Umwege zu meiden. Wer fährt denn bitte erst nach Osten, um dann wieder nach Westen einzubiegen und die Strecke parallel zurückzufahren? Kann ich nicht begreifen. Muss mich aber damit abfinden. Leider.

Hinzu kommt, dass seit Montag die ersten 25min die Schüler in der Bahn sind, sodass es so laut ist, dass man nicht mal gescheit Musik auf den Ohren hören kann. Super, wenn ich zermatscht morgens aufstehe und eigentlich in Ruhe Musik hören oder lesen will, um entspannt in den Tag zu starten und pünktlich zur Klinik innerlich hochgefahren zu sein. Denkste. Hach. Nerv. First World Problems. I know. :p

… und der Rest

An einem der letzten Tage hatte ich gleich zwei Sterbefälle auf Station – nachdem es zwei Wochen keinen einzigen gegeben hatte. Den einen habe ich hier beschrieben, wenige Stunden zuvor war eine Patientin völlig unerwartet verstorben. Sie hatte noch mit der Ärztin über Reanimation und Intensivstation gesprochen (und ob sie sich das wünscht) und dabei gemeint, sie sei doch erst Anfang 60, da komme das doch nicht in Frage, sich darüber Gedanken zu machen jetzt. Und 2 Stunden später hatte sie einen sog. Blutsturz, d.h. sie blutete plötzlich spontan und massig aus dem Mund und anderen Körperöffnungen. Unkontrollierbar, unbeherrschbar. Und verstarb. Ich kannte sie nicht näher. Aber es war verständlicherweise für die Angehörigen eine schreckliche Nachricht.

Zwischen Tür und Angel fragte mich die nette Assistenzärztin diese Woche im Bewusstsein, dass ich bald die Station wechseln würde, was ich nun so in den drei Wochen bei ihnen gelernt hätte. Längeres Schweigen meinerseits. Nachdenken. Mh….. ok, ich habe viel Blut abgenommen. Ich habe das Anstechen von Ports und die Blutabnahme über Ports (meine Anleitung auf Arzt an Bord) gelernt. Ich habe Patienten aufgenommen. Und Chefarztvisiten miterlebt. Und einen Pleuraerguss punktieren dürfen. Von den Krankheitsbildern und den Therapien habe ich nichts gelernt. Dazu waren die Patienten entweder zu kurz da, zu spezifisch und kompliziert oder schon “zu bekannt”, als dass ich mich noch groß einarbeiten hätte müssen, um den Fall vorstellen zu können. Stattdessen kamen sie meist nur drei Tage, bekamen Chemo und gingen wieder. Oder hatten Komplikationen (Infekt) und wurden deswegen behandelt. Schade eigentlich, aber wie mir die Assistenzärztinnen sagten, machen sie den Tag über eigentlich ja auch nicht viel mehr. Nur, dass sie noch Chemotherapien bestellen und anhängen dürfen. Und sich mit Chef und Oberarzt rumschlagen müssen. Wobei, das musste ich auch. Unter anderem hier.

Was diese Woche noch war: ein Seminar über Schilddrüsen-Chirurgie. Ganz nett gemacht, kurz und prägnant. Ob es am Dozenten aus der Chirurgie lag? Oder am Thema? Oder am Zimmer und meinem Platz in Nähe des gekippten Fensters durch das frische Luft kam und so das Einschlafen verhinderte? Oder am Cappuccino, den ich mir vorher noch schnell auf Station durch den Automaten gelassen hatte? Auf jeden Fall waren wir nach 50min durch (wir waren auch nicht viele PJ’ler) und durften gehen. So mag ich Seminare, kurz, prägnant und man geht aus dem Zimmer mit dem Gefühl, dass man das ein oder andere behalten wird. Nicht wie beim Seminar in der Woche davor, in dem es um Schlaf ging und der Innere-Dozent meinte, er müsse physiologische Grundlagen herauskramen und nochmals alle verschiedenen EEG-Wellen präsentieren, die eh nie jemand von uns deuten können wird. Nächste Woche ist wieder die Innere dran, mal sehen, was dann sein wird.

Neuigkeiten aus den USA zu den eventuell 8 Wochen im Wahlfach Ortho habe ich immer noch nicht. Die Zuständige hat sich bei mir trotz Nachfrage per Mail nicht gemeldet und keine Infos zu eventuell anfallenden Studiengebühren herausgerückt. Ebenso keinerlei neue Infos zur Dissertation, trotz Anfrage beim Betreuer (ok, da war ja klar, dass er sich nicht meldet und nicht antwortet) und beim Professor. Drei Monate (so steht es in der Diss-Ordnung) haben sie zum Lesen und zum Kolloquium Zeit, inzwischen sind 1,5 davon verstrichen. Und ich weiß nicht mal, ob ich ne Präsentation erstellen soll schon mal. Mh…. ich hasse das.

to be continued

LifeReport-History: vor einem Jahr: "Ende einer Ausfahrt"

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