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18.09.2012 / stega

Bedankt euch…. auch bei den Richtigen!

Wer als Patient im Krankenhaus ist, der bedankt sich nach erfolgreich abgeschlossener Behandlung. So habe ich das im Zivi kennen gelernt, so habe ich es in den Famulaturen oft erlebt – und so ist es auch jetzt im Praktischen Jahr.

Vielen Patienten ist es ein Herzensanliegen sich beim Pflegepersonal für die fürsorgliche Versorgung zu revanchieren. Meist geschieht dies am letzten Tag kurz vor der Entlassung durch Überreichen eines Umschlages für die Kaffeekasse oder direkt in Form von Naturalien, die das Personal dann schneller als man denkt verputzt. Ab und an bekam man als Zivi direkt etwas zugesteckt, als Famulant habe ich das nicht mehr erlebt und im PJ gab es bisher eine ältere Dame, die sich für die nette Umsorgung durch mich bedanken wollte. Ich möchte eigentlich gar kein Danke außer ein – wenn überhaupt – Mündliches. Mir macht der Job Spaß, mir reicht es, wenn ich mit den Patienten morgens ein bisschen witzeln kann und ab und an eine ältere Dame oder Herr meint, ich sei ein netter Herr Doktor oder (was auch schon vorkam), ich sähe gut aus und sie freuen sich auf meinen morgentlichen Besuch – wenn ich auch nur zum Blutabnehmen vorbeikam (und ihnen eigentlich Schmerz durch den Stich zufügen musste).

Was mich aber irgendwie zu stören beginnt ist, wenn Patienten dem Chef Naturalien überreichen und sich bei ihm überschwänglich bedanken. Denn wer dabei leer ausgeht ist offensichtlich: die Assistenzärzte und Assistenzärztinnen. Für sie hat selten ein Patient ein Danke übrig. Sie sind einfach da und sollen ihren Job erledigen. Dabei sind es gerade die jungen Ärzte und Ärztinnen, die die meiste Arbeit haben und den Laden am Laufen halten. Es ist nicht nur der Chef, der sich um das Wohl des Patienten kümmert! Er trägt vielleicht die Verantwortung, wenn irgendwas schief geht – aber diese schlägt sich im Falle des Falles auch auf die unteren Riegen nieder. Der Chef entscheidet über grobe Behandlungszüge und kontrolliert, ob richtig gearbeitet wird. Aber im Endeffekt ist es doch das Fußvolk der vielen Assistenten, das auf den Stationen tagtäglich kämpfen muss, das die Medikamente ansetzt und Bedarfsmedikation genehmigt, das bei Notfällen vor Ort ist, das Konsile und Entlassbriefe schreiben muss, das sich um Angehörige, Sorgen und Ängste kümmert. Wer einmal erlebt hat, wie sehr Assistenzärzte unter Druck stehen – einerseits von Seiten der Patienten, andererseits von Seiten der Chefs und natürlich auch von Seiten der Pflege -, der weiß, dass es eigentlich Danke-Geschenke für sie geben sollte.

Als Chef hortet man Keller voller Schnäpse, Weine, Süßigkeiten, Fotos etc. Manchmal verschenken Chefs ihre Geschenke an das Pflegepersonal oder die Kollegen weiter, weil sie selbst die geschenkte Flasche Schnaps nie trinken würden bzw. noch so viele andere Flaschen zu Hause stehen haben, dass sie nie dazu kämen, alle leer zu trinken. Als Assistent steht man bei der Dankesorgie im Rahmen der letzten Visite im Zimmer dabei und …. geht leer aus. Dann heißt es nur: “Der Herr/Die Frau XYZ bringt Ihnen dann nachher die Entlasspapiere”. Und der Herr oder die Frau sind die Verhassten, wenn es dann mal 1 Stunde länger dauert, weil hundert andere Dinge dazwischen kommen, bis der Kurzarztbrief fertig geschrieben werden kann.

Deswegen appelliere ich an alle, die sich im Krankenhaus behandeln lassen müssen: denkt auch mal an die jungen Ärzte und Ärztinnen und was diese alle für den reibungslosen Stationsablauf beitragen. Und nicht nur an die oberen Stellvertreter und Repräsentanten!

to be continued

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  1. fanger / Sep 19 2012 22:10

    Nun ist ja sonnenklar warum alle Ärzte irgendwann als Alkoholiker enden. Entweder weil sie soviel geschenkt bekommen das sie mit trinken nicht hinterherkommen oder aus Frust weil ihnen nie etwas geschenkt wird.

    Mal was anderes, kennst du einen Zahnarzt der mindestens 5 Jahre Berufserfahrung hat, fließend englisch spricht und es sich vorstellen kann in einem Land zu leben und arbeiten in dem es 365 Tage im Jahr über 0°C (immer Sommer auch gerne mal über 40°C) ist? Wenn ja, immer her damit. Kannst denen meine Emailadresse geben.
    Falls Du in rund 5 Jahren Lust haben solltest auf eine grundlegende Veränderung/Verlagerung deines Lebensraumes, hier werden immer fähige Ärzte gesucht die bereit sind dauerhaft hier leben und arbeiten zu wollen. Es gibt leider nach wie vor viel zu viele Jumper. Damit angeben wollen hier zu arbeiten aber dauernd nicht da sein.
    Vieleicht ändern die hier ja auch endlich mal die Regeln, so das ein Arzt auch gleich nach dem Studium herkommen kamm um hier sein PJ zu machen und zu arbeiten.

    Dir Danke ich auch gleich mal … allerdings für Deinen Blog.
    Stefan, der in Dubai lebende.

    • stega / Sep 20 2012 05:58

      Dubai? Hat was… aber ist wohl schwer dort seinen Facharzt machen zu können. Danach, mh, wer weiß? Aber das dauert noch bisschen, bis ich diese Entscheidung treffen müsste (und als Zahnarzt wäre ich dann nicht tätig).

      Danke für deinen Kommentar, genieß die warme Sonne da unten! :)

      • fanger / Sep 20 2012 09:04

        Die haben hier ein bisschen komische Regeln. Abschluss als Arzt machen geht wohl noch garnicht. Du musst 5 Jahre Berufserfahrung mitbringen und englisch können. Dann musst du eine Aufnahmeprüfung bestehen um hier eine Lizenz zu erhalten als Arzt arbeiten zu dürfen. Ich vermute aber mal das es einfach ist wenn Du einen Deutschen Pass hast (bzw, man wird einfach durchgewunken). Aber Behörden gibt es hier gefühlt mehr als Sandkörner und die wollen alle was zu tuen haben.

        Stefan, der in Dubai lebende. … macht jetzt die Klimaanlage aus, sonst wird hier drinne noch kalt(alles unter 24°C)

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