Zum Inhalt springen
22.09.2012 / stega

vom Chef – Teil 3

Nach einem durchwachsenen Teil 1 und einem heiter bis wolkigen Teil 2 folgt hier ein lobgesättigter Teil 3:

Es gab in der Zeit aber auch Dinge, die man positiv erwähnen sollte. Unter anderem, dass bei der Chefarztvisite immerhin eine oder zwei Fragen gestellt bzw. Hinweise zur Wichtigkeit dieser oder jener Intervention bzw. Therapie gegeben wurden. Teilweise grundlegende Dinge (was muss ich bei einer Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeit beachten…), teilweise einfach nur die Frage, welche Nebenwirkung man bei dieser Chemo oder bei welcher Chemo man die vorliegende Nebenwirkung erwarten muss. Ich konnte sogar einiges beantworten – fordern und fördern, das mag ich. Leider kam es ein bisschen zu kurz, aber immerhin.

Lobend hervorzuheben ist dafür die Lehrvisite, die wir beim Chef hatten. Zwar ließ er uns zunächst 45min sitzen, bis er dann ohne Entschuldigung aufkreuzte. Dann aber nahm er sich viel Zeit für uns und hielt bis 17 Uhr die Lehrvisite ab – ausgehend von einem frisch eingelieferten Patienten, dessen Diagnose ich zwar grob wusste, aber sonst niemand. Ich musste Akte und Kurve holen und später noch einen Befund nachfordern. Wir saßen im Aufenthaltsbereich im Kreis um den Prof (besuchten den Patienten nicht, weil zu zehnt im kleinen Zimmer bei einem höchst infektgefährdeten Patienten nicht wirklich sinnvoll wäre).

Ausgehend von den ersten Symptomen erarbeiteten wir uns den weiteren Verlauf, die Dinge, die wichtig sind, wenn man einen solchen Patienten behandelt und  Optionen und Möglichkeiten in der Therapie. Eigentlich sehr interessant – nur war es gegen Ende dann doch ein wenig zu viel, als der Dozent noch generell die wichtigsten Fakten zu den Leukämien zusammentragen wollte und die Visite dann bis 17 Uhr ging. Doch ein wenig länger als gedacht. Auch wenn ich trotz allem sagen muss, dass er gut drauf war, mit uns lachte und uns einbezog. Was ich nicht alles so erwartet hatte. *lob*

Am kommenden Tag musste ich ihm natürlich dieses Feedback mitteilen – also habe ich ihm ein Lob ausgesprochen und er entgegnete, es wäre ihm aufgefallen, dass gegen Ende doch ein wenig zu viel Stoff diskutiert worden war und wir wohl ein wenig erschlagen waren. Stimmt. Trotzdem ging man mit dem Gefühl raus, dass man etwas Wichtiges mitgenommen hat.

Und weil er so gut drauf war, nahm er mich an diesem Morgen während der Visite sogar mit ins Labor und wollte mir dort den zu untersuchenden Bauchfellerguss (Aszites) zeigen. Woao, was war da denn los? Ich konnte zuschauen, als er die Präparate durchschaute, er erklärte mir dann sogar, was man sah und welche Zelle was bedeute… und ließ die MTAs sogar die Zentrifugenvorrichtung bringen, damit ich mir vorstellen kann, wie der Vorgang funktioniert.

Am Ende stellte er mich zwei Fragen (“warum färbt sich die Zelle denn so an und was heißt eigentlich basophil?”). Beide Fragen konnte ich beantworten (strike!) und stellte selbst noch eine Frage (Wie kann man differenzieren zwischen den pathologischen Zellen und Plasmazellen/anderen Zellen). Ich glaube, er fand das toll, dass ich mich interessiert zeigte.

Auf dem Weg zurück auf Station zum Rest der Visite unterhielten wir uns über autologe Stammzelltransplantationen (weil in der Lehrvisite die allogene / fremde Stammzelltransplantation) zur Sprache gekommen war.

Ein versöhnlicher Abschluss auf seiner Station. Vielleicht begegne ich ihm ja in den kommenden Wochen noch mal, wenn ich weiter rotiere?

to be continued

Flattr This!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 515 Followern an

%d Bloggern gefällt das: