das erste Mal….. Dienst in der Klinik
Ich hatte vergangene Woche mein erstes Mal Dienst in der Klinik über Nacht. Überhaupt das erste Mal,
dass ich auf Seiten des Personals länger als bis 22 Uhr in der Klinik war – bis 22 Uhr gingen damals die Spätschichten im Zivi auf der Notaufnahme, aber dann durfte man nach Hause. Nun aber hatte ich mich für den Dienst eingetragen, den ich im Rahmen meines PJ-Tertials an dieser Klinik machen wollte. Weitere Dienste werden im Oktober folgen, dann auch am Wochenende (was wieder ganz anders sein wird, schon alleine, weil man da von morgens an 24h da sein wird).
Der Dienst beginnt bei uns nach Ende der normalen Arbeitszeit. D.h. man kommt normal morgens in die Klinik (bei mir aktuell um 7 Uhr), hat dann seinen normalen Tag auf der Station zu absolvieren (ein Glück lief das vergangene Woche bei mir sehr entspannt und am betreffenden Tag hatte ich auch noch ein Seminar von 1,5 h, das gar nicht schlecht war) und bleibt einfach dann länger da.
Ab 16 Uhr holt man an der Pforte das Diensttelefon des PJ-Dienstes und den Zimmerschlüssel für das Bereitschaftszimmer ab und ist ab dann sozusagen im Einsatz. Generell ist es an der Klinik so geregelt, dass man von 16 – 7 Uhr am Folgetag (unter der Woche) chirurgischen Dienst hat, dazu zwischen 18 und 23 Uhr noch internistischen (generell aber einfach bei jedem Wehwehchen, gleich welche Station anruft, hingeht). Aufgabe ist eigentlich “nur” Blut abzunehmen, Zugänge zu legen (“Viggos”) – also alles, was die Pflege (komischerweise) nicht selbst macht, sondern als ärztliche Pflicht ansieht (über Sinn und Unsinn dieser Regelung lässt sich trefflich streiten).
Kaum hatte ich mein Dienstzimmer bezogen und meinen Rucksack darin deponiert, da rief auch schon um 16.01Uhr die erste Station an, sie hätten da noch eine Blutabnahme. Auf ging’s!
Die Blutabnahme hätte zwar laut Beschriftung auf dem Röhrchen schon um 15.15Uhr passieren sollen, aber da hatte wohl der PJ’ler der Station keine Lust mehr. Und so blieb es nun an mir das Blut zu besorgen. Es ist eine ganz neue Erfahrung, wenn man auf fremden Stationen zum Blutabnehmen ist: man erfährt Name und Zimmernummer und dann geht man mit seinen sieben Sachen los. Wer der Patient ist, wie er aussieht, wie er reagiert, welche Diagnose er hat, welche Behandlung er durchmacht – all das bleibt erst einmal im Dunkeln. Mit dem Betreten des Zimmers sieht man sich dann zum ersten Mal und der Vorhang fällt: hat man ein Überraschungsei in den Korb gelegt bekommen und einen Patienten mit Armen, die keinerlei sinnvolle Vene präsentieren, oder hat man Glück und einen (meist männlichen) Patienten mit dicken Autobahnen, bei denen man fast nicht stauen müsste? Immer wieder neue Überraschungen, die auf einen warten.
Kaum habe ich das Blut des ersten Patienten erfolgreich abgezapft (was auf Anhieb klappte – guter Beginn), da ruft schon die nächste Station an, dass sie auch noch Blutabnahmen hätten. Also auf gehts!
Sie hatten nicht nur eine, sondern gleich 4, davon eine bei einem isolierten MRSA-Alkoholabhängigen im Halbdelir. Eine FSJ’lerin half mir (zumindest mental), der erste Stich ging daneben, aus der liegenden Viggo kam kein Blut und der Patient die ganze Zeit unruhig und am Motzen. Irgendwann hatte ich auch keine Lust mehr und begann ein wenig mitzumotzen bzw. einen bestimmenderen Ton anzuschlagen, um ihn in Schach zu halten – und schon war er ruhig. Man muss einfach manchmal durchgreifen, um Erfolg zu haben – denn schon hielt er den Arm ruhig und ich bekam meine Röhrchen voll. Und da ich ja schon im Zimmer war, “durfte” ich auch gleich noch die von der Schwester hereingereichte Insulinspritze in den Bauch drücken. Denn der FSJ’lerin war das nicht erlaubt – aber mir. Auch hier: über Sinn und Unsinn uns angehenden Ärzten plötzlich alles zu erlauben, was anderen verboten wird, lässt sich trefflich argumentieren.
Nach dieser Station hatte ich wenigstens kurz Gelegenheit 20min im Freien zu sitzen und ein wenig frische Luft zu schnappen. Das tat gut nach dem langen Tag in den stickigen Räumen und kurz bevor das Unwetter in Form eines schweren Gewitters aufzog.
Nicht lange nachdem ich mich in die Sonne gesetzt hatte, ging der nächste Anruf ein: Viggo legen. Oh, darauf hatte ich ja eigentlich gar keine Lust gehabt, denn da ist man sich immer unsicher, v.a. wenn dann die schlechten Arme kommen. Und prompt war das ein Überraschungsei – ältere, verwirrte Dame mit komplett schlechten Venen und blau/grün/roten Armen voller Hämatome von alten Blutabnahmen/Viggos bei Marcumar. Da finde mal eine sinnvolle Vene, v.a. wenn die Dame ihren Arm nicht stillhalten will. Trotzdem gelang es mir eine Vene zu punktieren und die Viggo zu platzieren. Mit gutem Gefühl ging ich von Station und auf zur nächsten, die bereits angerufen hatte. Es war meine alte Onko-Station.
Dort warteten zwei Blutkulturen und zwei schlechte Arme auf mich, na super, Rumgesuche. Ein Kreuzblut aus dem Port lief auch nicht, weil kein Blut kam, also noch mehr Stecherei und “wenn du schon mal da bist” gab es natürlich gleich noch eine Blutabnahme oben drauf. In der Zwischenzeit hatten mich 6 weitere Stationen angerufen, dass sie noch Blut und Viggos hätten. Puh, so langsam fühlte ich mich gestresst – vielleicht auch, weil ich den Anspruch an mich hatte, möglichst schnell alles abzuarbeiten und keine Station zu lange warten zu lassen. Aber das Vorhaben musste ich streichen, denn die ganzen Abnahmen zogen sich einfach in die Länge.
Kaum war ich von meiner alten Station runter, da rief sie schon wieder an, dass da noch ne Viggo und noch eine Abnahme sei, beides aber nicht eilig. Manchmal fragte ich mich gestern, ob es wirklich so dringend nötig ist abends noch einen Zugang zu legen, wenn die Patienten diesen sowieso erst frühestens am nächsten Morgen benötigten. Kann da nicht der normale Student am kommenden Morgen die Nadel legen? Muss das unbedingt noch abends geschehen?
Ich arbeitete also meine Liste von 6 wartenden Stationen ab, zwischendurch rief noch mal eine der Stationen an, sie habe sich vor einiger Zeit schon gemeldet, ob ich dann kommen könnte: “ja, wenn ich zwei Stationen vor euch von meiner Liste erledigt hab“. Und dann meldete sich die Station mit meiner ersten Viggo und berichtete, dass die Dame sich die Nadel gezogen habe und ich erneut eine legen solle. Tja.
Mit meiner alten Onko-Station verhandelte ich darüber, dass keine zwei Viggos nötig sind über Nacht sondern nur eine, die wirklich auch noch für ne Infusion benötigt werden würde. Die andere sollen die Ärzte am kommenden Tag legen. Bei der alten Dame fand ich keine Vene mehr, also ließ ich den Diensthabenden rufen. Soll er sein Glück versuchen.
Auf der nächsten Station wieder ein paar Kuckuckseier: ein ZVK, der kein Blut hergab, eine Dame mit schlechtesten Venen, bei der man morgens aufgegeben hatte Blut abzunehmen (und das wohl jetzt mir anvertraute) – ich hatte zum ersten Mal ein gutes Gefühl, dass ich drei Wochen auf der Onko war und genug Übung im Pieksen hatte, denn ich traf eine Minivene am Handrücken und konnte meine Röhrchen füllen. Diese Begeisterung bei der Dame und mein gutes Gefühl trugen mich auf die nächste Station weiter…
Um kurz nach 21 Uhr hatte ich meine Liste fast abgearbeitet, eine Station blieb noch, eine Viggo. Die Patientin zuckte immer wieder, was die Sache zusätzlich zu den nicht vorhandenen Venen komplizierte. Die Viggo lief… ich schnappte mir mein Essen und schlung es in mich herein. Die bereits nächste wartende Station musste jetzt kurz auf mich warten, bevor ich dann dort noch ein Röhrchen abnahm und kurz mit der Nachtschwester plauderte, dass ich auf ihre Station rotieren würde.
Derweil kam der Anruf der anderen Station, dass die bei der zuckenden Patientin gelegte Viggo in der Ellenbeuge defekt und leck sei. Na toll. Noch ein Stich, kein Erfolg, also das zweite Mal den Diensthabenden anrufen. Aber mehr auch nicht. Faszinierend zu erleben war, wie gründlich man beginnt zu arbeiten, wenn man gerufen wird. Denn: wenn die gelegte Viggo nicht läuft, dann kann man tagsüber seinen Arzt rufen (Kollegen fragen), dass dieser nochmals eine Nadel versucht. Nachts bzw. im Dienst aber bedeutet das, dass man wieder angerufen und ggf. aus dem Schlaf geklingelt werden würde, wenn die Viggo nicht gescheit läuft. Oder aber man muss sich “die Blöße” geben und den Diensthabenden hinzuziehen. Auch nicht das, was man als PJ’ler soo gerne macht. Ich war ganz froh, dass bei mir gestern soweit alles lief und ich nur wegen der zwei Problemfälle den Diensthabenden beschäftigen musste (hoffentl. war er darüber auch froh).
Eine Abnahme um 23 Uhr wartete noch auf mich, dann legte ich mich ins Bett und versuchte zu schlafen. Zunächst viel mir das Einschlafen schwer, weil man das Gefühl hatte, dass bestimmt das Telefon gleich weider klingeln würde und man dann eh nicht sinnvoll schlafen könnte. Aber nach einer Weile schlief ich dann doch ein – noch aus Angst geweckt zu werden auf der Bettdecke. Um 0.30 Uhr wachte ich auf, hatte Angst einen Anruf verpasst zu haben oder dass das Telefon kaputt sei, weil niemand sich gemeldet hatte. Ich schlüpfte unter die Bettdecke und schlief nach kurzer Weile wieder ein… und bis 5.37 Uhr ungestört durch. Krass, ich hätte erwartet, dass ich viel mehr zu tun hätte. Aber so war das ganz angenehm, ich stand zur gewohnten Uhrzeit um 5:45 uhr auf, putzte Zähne und vertrieb mir die letzte Stunde Dienst mit dem Frühstücksfernsehen. Um 7 Uhr stellte ich mein Diensthandy an, zog mich um und gab alles bei der Pforte ab.
Eigentlich hätte ich dann ganz normal weiterarbeiten müssen heute – aber darauf hatte ich, trotz des langen Schlafs, keine Lust und deswegen “lernfrei” genommen. Über die Bäckerei ging es heim, wo ich mich einfach spontan nochmal 2h aufs Ohr legte und den freien Tag schlafend begann.
Ich bin gespannt wie der nächste Dienst Anfang Oktober wird. Dann habe ich einen Freitagdienst, vielleicht wird das ja stressiger? So wie vergangene Nacht dürfte es gerne weitergehen…
to be continued
(Sorry, dass es jetzt ein wenig länger wurde)




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