es geht auch anders
Seit dieser Woche bin ich auf eine neue Station rotiert – offiziell sind wir eine “Gastroenterologie/Endokrinologie”, wobei man zugeben muss, dass eigentlich alles kunterbunt auf der Station liegt: vom diabetischen Fuß über Rückenschmerzen und Blutarmut bis hin zu Magen-Darm-Geschichten. Das Arbeiten macht aktuell richtig Spaß (auch, wenn es Innere ist *hihi*), was u.a. auch daran liegt, dass meine beiden Assistenzärzte auf der Station super nett sind und ein tolles Klima auch mit der Pflege besteht. Der eine Assiarzt (an den ich mich überwiegend halte) kommt selbst aus der Herzchirurgie und ist in die Innere via Kardiologie gewechselt. Er hat Charakterzüge und Einstellungen von Chirurgen und steht selbst dazu, dass die allgemeinbekannten Vorurteile gegenüber den Internisten (leider) großteils zutreffen – was ihn teilweise selbst nervt. Schon am ersten Tag hatte er innerhalb weniger Stunden alle Vorurteile von sich aus aufgezählt und auf lustige Weise bestätigt. Trotzdem ist es eigentlich aktuell gar nicht “so schlimm” internistisch tätig zu sein und keinen OP zu haben.
Die Arbeitsbelastung ist ganz ok, allzu großen Stress hatten wir bisher nicht, die Pflege scherzt gerne mit uns und man hat einen guten Draht untereinander. Selbst gegenüber mir als PJ’ler sind sie aufgeschlossen und interessiert, fragen nach meinen Interessen etc… Der derzeitige Oberarzt, der die Urlaubsvertretung für den eigentlichen Oberarzt übernommen hat (den wir vergangene Woche im Seminar hatten), ist super – witzig, entspannt, locker und hat den Draht zu den jungen Kollegen nicht verloren. Beim Mittagessen, das wir immer als Team einnehmen gehen (das gabs vorher auch nicht, dass die Ärzte und sogar der Oberarzt geschlossen essen gehen), wird viel gelacht und auch die Oberarztvisite war total entspannt und mit viel Gelächter. Er hat ein wenig einen Ruhrpotteinschlag und ab und an erinnert er mich an Ingo Appelt – ihr könnt euch vorstellen, dass man da auch als kleine Leuchte ganz entspannt sein kann. Ich habe ihm meine eigenen Patienten, die mir zugeteilt waren, vorstellen dürfen, er hat mich nicht auseinander genommen und bei der Oberarztvisite durfte ich sogar, bis er Assiarzt kam, zwei Zimmer alleine mit ihm visitieren. Ich sage: warum nicht immer so?
Ab und an stellte er Fragen, erklärte etwas und – oho – entschuldigte sich sogar für die Fragen, er wolle mich nicht nerven oder bloßstellen, sondern nur was beibringen. Wahnsinn, vielen Dank!
Patienten durfte ich die Woche auch aufnehmen und den Arztbrief dann gleich anfangen zu schreiben. Außerdem natürlich Blut abnehmen – dazu komme ich immer schon kurz nach 7 Uhr auf Station, damit um 8 Uhr mit dem Eintreffen der Assiärzte das Thema gegessen ist. Aber: dafür bekomme ich täglich finanzielle Entschädigung und deswege mach ich das gerne. Außerdem waren bis auf einen Tag nie wirklich viele Blutabnahmen (mal 5 Patienten oder so), sodass man das in einer Stunde locker hinbekommt und keinen ganzen Morgen dran sitzt.
Ich bin gespannt, wie es weitergehen wird, ich verbringe jetzt 4 Wochen auf der Station – mal sehen! Das jetzt aber für den Anfang als ersten Eindruck, den ich festhalten möchte.
to be continued
LifeReport-History: vor einem Jahr: "Pelzig hat Fragen"




Wenn das ein Ruhrpottler ist, wundert es mich natürlich nicht, dass er so nett ist
Drücke die Daumen, dass es so bleibt!
Soso, Du arbeitest also auch für Geld? Würdest Du ne Stunde eher auch ohne Finanzausgleich anfangen? Ich mein, mehr Geld ist immer fein aber auch arbeiten ohne Geld ist schön wenn es trotzdem zum Leben reicht. Bei mir bleibt es nie beim Flichtteil von 8 Stunden, es ist immer mehr. Seit zwei Wochen sind es malwieder 12-14 Stunden täglich ohne einen Cent (eigentlich Fils) mehr.
Du schaffst es 5 Leuten in der Stunde Blut abzunehmen? Ich dachte immer, bzw. kannte das so, das man bei durchschnittlichen Menschen etwa 5-10 Minuten ansetzen kann. Hier im Lande muss man durch eine medizinische Untersuchung durch wenn man hier länger leben will. Da war auch ne Blutabnahme mit dabei. Mit Aufkleber für Röhrchen drucken, desinfizieren und Blut abnehmen hat der Herr etwa 1 1/2 Minuten gebraucht. Besser, drei Leute in 5 Minuten. Man hat von der ganzen Aktion kaum was mitbekommen so schnell wie der war. Wäre genau das richtige für nen Freund von mir der Spitzen nicht wirklich abkann. Er hat mal den Muskel beim Spritzen angespannt und hatte dann ein stück Metal ohne Spritze dran im Körper stecken. Voll und ganz selber Schuld also.
Da dein Kommentar mehrere Aspekte umfasst, will ich ein paar Punkte dazu schreiben:
a) Ich würde keine Stunde vorher ohne Finanzausgleich beginnen wollen. Dann würde ich lieber die Blutabnahmen in der ersten Stunde des regulären Dienstes erledigen (so wie auf den anderen Stationen auch). Das früherkommen ist ja gerade dazu da, dass wir uns einen Bonus verdienen können und gleichzeitig die Blutabnahmen dann erledigt sind, wenn die Ärzte auf Station erscheinen. Von wegen “wenn es trotzdem zum Leben reicht”. Ich werde auf Arzt an Bord noch einen Artikel dazu verfassen, verrate aber gerne hier schon, dass wir aktuell 1,25 Euro / Stunde an “Entschädigung” erhalten. Das reicht nicht mal für die Miete, die einige noch im Studentenwohnheim zahlen müssen. Deswegen freue ich mich, dass ich dieses geringe Gehalt wenigstens durch das Blutabnehmen aufstocken kann.
b) ich schaffe mehr als 5 Leuten in der Stunde Blut abzunehmen! Es kann nur manchmal sein, dass es nicht mehr als 5 Leute gibt, die ich in dieser zusätzlichen Stunde pieksen muss. Was du aber nicht vegressen darfst sind folgende Punke: 1) Patienten im Krankenhaus sind meist nicht die klassischen Patienten, die mit supertollen Venen aufwarten und mit einem Blick und einem Stich sofort wie ein Springbrunnen sprudeln. Da muss man dann schon mal 1-2 Minuten suchen, bis man findet, wo man Blut bekommen kann. 2) Ich finde zum Blutabnehmen am Morgen gehört auch ein wenig Patientenkontakt und Smalltalk. Die Patienten warten förmlich darauf, dass man morgens vorbeikommt und freuen sich, auch wenn man sie sticht, auf die paar Minuten, die man mit ihnen spricht, scherzt und gemeinsam den Tag beginnt. Einfach nur rein-raus ist da auch nicht so toll (außer es ist so viel abzunehmen, dass es nicht anders geht). 3) Manche Patienten liegen in Isolation, d.h. man muss, bevor das Zimmer betreten werden kann, erstmal Kittel, Mundschutz, Handschuhe etc anziehen… das kostet auch jedes Mal Zeit. Und 4) muss man immer wieder hin und her laufen um neue Röhrchen zu holen, neue Nadeln etc. Da gehts nicht wie am Fließband in 90sec pro Patient. (und wie gesagt, das macht man vllt im Dienst, aber nicht, wenn man auf der Station eingeteilt ist und auch gerne mal ein kurzes Pläuschchen halten will).
c) Metall im Körper weil Muskel angespannt? Mhhh, das is aber abenteuerlich. hab ich so noch nie gehört… krasse story. Wurde er dann irgendwie “operiert” und das metallstück entfernt?
a) Autsch, das sind Ausbeuterlöhne! Klar, Du bringst noch nicht die volle “Leistung” und musst noch nicht Deinen Kopf hinhalten (was ich mal bezweifle) wenn etwas schief geht, aber das ist ne Frechheit. Das sind, wenn ich mehr Stunden annehme als ein normaler Arbeiter, gerade mal 300 Euro im Monat. Billiger kann man gutes Personal nicht einstellen. Du solltest dich nach Ampullen bezahlen lassen
Mal noch einen Schritt weiter Richtung kostenlos Arbeiten gedacht, würdest Du für Ärzte ohne Grenzen arbeiten? Die Frage kommt eigentlich zu früh, das sollte ich erst in 5 oder 10 Jahren fragen wenn Dich vermutlich (hoffentlich nicht) der Alltag eingeholt hat. Und Du dich nach jeder Abwechslung sehnst die Du kriegen kannst.
b) Sehr schön. Glückliche Hühner legen mehr Eier. Ähm, glückliche Patienten sind schneller Gesund und vieleicht auch nicht so schnell wieder da. Ja, von Dir würde ich mich auch behandeln lassen.
c) Die Spritze ist halt abgebrochen. Das Stück musste selbstverständlich wieder raus. Er ist aber selber schuld. Wenn man den Muskel anspannt kann es halt passieren das selbst eine Nadel mal schlapp macht. Meistens tut es nur ordentlich weh.
Bin mal gespannt was aus eurem Gemeinschaftsprojekt wird.
Ich werde zum Thema Lohn demnächst auf Arzt an Bord einen Artikel veröffentlichen, aber mit deinen 300 Euro bist du noch zu hoch! Wir bekommen pro Monat pauschal 200 Euro und können uns durch Extra-Nachtdienste bzw. eben den Spritzendienst am Morgen ein wenig Geld dazuverdienen. Aber vom Basislohn aus gerechnet, sind wir bei 1,25 Euro pro Stunde. :/
Bezahlung nach gefüllten Ampullen? Das hätte mal was, ich wäre nach 3 Wochen Onko reich! Vielleicht ists bei der Bezahlung auch ein wenig verständlicher, dass viele Studenten im Praktischen Jahr ins Ausland (und v.a. in die Schweiz) gehen, wo man als Unterassistenz wenigstens besser bezahlt wird und mehr machen kann als nur Blut abnehmen
Ob ich mit Ärzte ohne Grenzen arbeiten will, weiß ich aktuell nicht, das ist noch viel zu lange hin, bis sich diese Frage stellen würde. Dazu sollte man ja viel Berufserfahrung mitbringen und seinen Facharzt haben – und ob die Orthopäden suchen, weiß ich nicht mal
Aber im Studium hatten wir mal einen der Organistaion da und haben für ihn gesammelt – also Kontakt gabs schon. Nur konkrete Ideen nicht, dazu ist es noch zu weit in der Ferne.
Ich hab für dich mal mitgezählt: mit allem Drum und Dran (Schwierigkeiten bei der Venensuche, Isolationszimmer, Hin- und Herlaufen, Smalltalk) schafft man entspannt mind. 8-9 Patienten in 30min – d.h. pro Patient ca 3 Minuten Zeit. Wenn man natürlich nen besonders harten Fall hat, dann dauert der auch mal 4 – 5 Minuten, dafür aber dann der nächste kürzer
Autsch, die abgebrochene Nadel ist echt nicht schön. Hoffentlich passiert mir das nie, dass bei einem Patienten ne Nadel abbricht. Hab ich vorher auch noch nie gehört – die sind doch aus “Stahl” (oder einem ähnlichen Stoff), das müssen ja schon mords Muskeln gewesen sein, die da zum Abbruch führten :p
200 Euro!? Etwas ist faul im staate Teutscheland. Geh in die Schweiz, die haben malwieder schneller rausgefunden wie es richtig geht. Vieleicht wird Dir dann auch mal eine Prämie wie im Fußball gezahlt wenn Du den Verein wechselst und zurückkommst.
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Danke fürs mitzählen, so viele also doch, bist ein ganz schöner Stecher
Die Nadel ging in den Arm eines Rennradfahrers so wie Du sie auch haben könntest. Allerdings war er auf dem Weg zum Profi. Ist jetzt aber auch schon mehr als 10 Jahre her. Stahl ist ein ziemlich weit gefasster Begriff der alles von spröde bis federnd abdeckt. Einfach gesagt, je mehr Kohlenstoff drinne ist um so fester ist das Zeug, aber um so schneller kann es brechen wenn man es biegt. Sicherlich hat sich in den letzten Jahren auch noch ein bisschen was getan so das die Nadeln mehr aushalten.
unter anderem deswegen geh ich auch 2 von drei tertialen in die Schweiz. Dort ist eine bessere Ausbildung gewährleistet und man bekommst mehr Geld für seinen Einsatz. Das zeigt auch ein wenig, dass sie deine Arbeit mehr wertschätzen, finde ich.