das erste Mal…. Aszites-Punktion
Ich habe heute einen Kuchen gebacken. Als Dank und Fortführung einer Tradition, die in vielen Kliniken unter den Assistenzärzten herrscht: wer etwas erfolgreich zum ersten Mal machen darf/macht, der bringt als Dank/Zeichen der Erleichterung einen Kuchen mit. Eigentlich bin ich noch kein Assistenzarzt, sondern noch kann ich den Studentenstatus für mich in Anspruch nehmen…. aber trotzdem backe ich gerne mal für die netten Kollegen auf der aktuellen Station einen Kuchen, zumal der Assistenzarzt bereits augenzwinkernd in der Röntgenbesprechung meinte, dass jetzt ja eigentlich ein Kuchen fällig sei, wo ich doch das erste Mal….
Das erste Mal Aszites punktiert habe. Aszites ist Bauchwasser. Das ist Wasser, das den Bauch füllt und dann die Bauchdecken spannt. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, ein Grund kann, wie bei unserem Patienten, eine Leberzirrhose sein. Die wiederum kann aufgrund von Alkoholkonsum oder Infektionen oder vielem anderen entstehen.
Unser Patient hatte den Aszites aufgrund einer Leberzirrhose bei Infektion mit Hepatitis-Viren. Heute hatten wir “genug” davon und wollten ihm endlich (auch, um ihm in einem anderen Problem, das uns laborchemisch beschäftigte) Abhilfe zu schaffen. Und da ich noch keine Punktion gemacht hatte, durfte ich ran. Lehrkrankenhaus und so – das hatte der Assistenzarzt bereits letzte Woche gesagt, als er die junge Ärztin bei ihrem Patienten punktieren ließ und ihr die Blutabnahme aus der Leistenvene zeigte. Man muss auch mal etwas wagen und an Patienten auf Station “die Handgriffe üben”, damit man es für den Notfall, wenn alles schnell gehen muss, gewappnet ist. Klingt jetzt hart, ist aber eigentlich eine sehr gute Idee – und solange es den Patienten auf Station Vorteile bringt und keinen Schaden (außer einem Stich, den sie auch bei Blutabnahme aus dem Arm spüren würden (mind einen, wenn nicht gar mehrere, falls keine Venen sichtbar würden und man halb blind stechen muss) nehmen…. warum nicht?)
Ich konnte also das Sonografie-(ultraschall)-Gerät herbeiholen, alles schön vorbereiten für die Punktion, sterile Handschuhe, Kanüle, Abnahmebeutel und Spritze, Lochtuch etc… (ich glaube darüber sollte ich auf Arzt an Bord mal ein HowTo schreiben). Und dann gings los.
So viel Wasser wie vermutet hatte der Patient gar nicht im Bauchraum, trotzdem waren mind. 2 cm zwischen Bauchdecke und Darm Platz und ich konnte relativ unbesorgt zunächst meine Lokalanästhesie setzen und danach dann steril abdecken und Handschuhe anziehen. Der Assistenzarzt (ich brauche mal nen Namen für ihn, dann muss ich nicht immer “Assistenzarzt” tippen) reichte mir weiter an, ich stach die Nadel in den Bauch und zog mit der Spritze (für den Patienten völlig schmerzfrei!) das Wasser ab. Nach 50ml muss man den Dreiwegehahn dann umlegen und den Inhalt der Spritze in den Beutel drücken – und das wiederholt sich dann ewig und drei Tage. Ein wenig Smalltalk nebenher mit dem Patienten, der die ganze Zeit ruhig liegen muss und nach ca 20min hat man ca. 1500ml herausgeholt. Das sollte uns dann auch schon genügen, der Patient spürte eine Entlastung und wir umgingen die (umstrittene) Gabe von Humanalbumin, um ein Nachfließen in den Bauchraum und andere Nebenwirkungen durch den plötzlichen Wasserverlust zu verhindern.
Hach, gut wars und mein erstes Mal punktiert. Beinahe hätte ich noch ein zweites Mal dürfen, als die Notaufnahme anrief und auch eine Punktion hatte – aber dort gabs wohl auch einen PJ’ler oder Famulanten, der dann randurfte, sodass ich nicht runteregeschickt wurde (aber immerhin am Telefon gelobt
)
Ich freue mich auf die drei Wochen, die ich noch auf dieser Station verbringen darf, denn ich glaube, man lernt jede Menge dort. U.a. heute auch schon wieder Schenkelblöcke im EKG zu deuten (was am Freitag im EKG-Seminar dran war; nur hat man es dort nicht kapiert, weil viel zu kompliziert erklärt – und heute auf Anhieb verstanden und sogar anwenden können – mein Assistenzarzt ist einfach super!).
Ich bin gespannt, ob ich euch bald ein weiteres erstes Mal berichten kann!
to be continued
Vor drei Jahren: "Transalp - es ist vollbracht!"




War auch schon mal dabei, haben 4.75 L rausgeholt. Aber was mich interessiert: Wieso ist die Gabe von Humanalbumin umstritten?
laut meines Oberarztes gibt es eine zwiegespaltene internationale Datenlage in publizierten Studien, ob es zwingend nötig ist, dass man Humanalbumin ab ca. 2 Liter Punktat gibt oder nicht. Die einen geben es, die anderen sagen, das braucht man nicht wirklich.
Interessiert mich jetzt doch mal….
Ich habe das nicht recherchiert, aber vllt hol ich das mal noch nach
ab oder bis ca. 2 L?
ab 2 Litern sollte man die Gabe erwägen