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12.10.2012 / stega

ein paar Schnipsel aus der vergangenen Zeit

Wie bereits im vergangenen Artikel einleitend erwähnt, werfe ich mir aktuell gerade selbst vor, dass ich die vergangene Woche wenig aus dem alltäglichen Leben auf Station gebloggt habe. Als Entschuldigung führe ich ins Feld, dass ich faktisch seit dem 3. Oktober und damit 1,5 Wochen lang, jeden Morgen vor 6 Uhr aufstehen musste und damit abends genug Müdigkeit angesammelt hatte, dass ich frühzeitig ins Bett hüpfte und deswegen wenig Zeit (und auch Motivation) für große Blogeskapaden aufbringen konnte.

Trotzdem passierte natürlich in der Zeit viel auf Station, wir hatten viel Spaß und viele guten Momente, ich habe weiter viel lernen können und es gäbe viel festzuhalten Das Problem ist eigentlich nur, dass viele Einfälle, die mir tagsüber kommen und die man in ein oder zwei kurzen Sätzen festhalten sollte, abends wieder verflogen sind und ich dann vorm PC sitze und mir denke “mh, was schreibst denn nun?”.

Deswegen will ich hier versuchen ein paar Schnipsel festzuhalten, die mir in den Sinn gekommen sind und ein wenig die Eindrücke vom Leben auf Station zu teilen.

Die Stimmung ist weiterhin brilliant. Wir haben den lustigen und heiteren Oberarzt behalten, der mir in den ersten beiden Wochen eine gute Laune gebracht hat. Nach wie vor gibt es viele Momente, in denen z.B. die Oberarzt-Kurvenvisite mit dem Oberarzt und dem Kollegen Assistenzarzt phasenweise in eine einzige Lachflash-Aktion übergeht. Keine Ahnung wieso, aber irgendwann kippt immer die Stimmung und wir weinen vor Lachen und dummen Kommentaren. Es ist vielleicht ein wenig die Art zu “kompensieren” im Sinne von “eigentlich ist es so absurd, dass es zum heulen ist, aber dann lachen wir halt lieber, das ist schöner”. Wenn man bei Patienten einfach nicht weiß, was man mit ihnen eigentlich tun kann und sollte, wenn man Patienten behandelt und an allen Ecken und Enden entstehen neue Probleme, die am Anfang gar nicht da waren. Wenn man nicht mal vom Chef eine klare Handlungslinie vorgeschrieben bekommt und eigentlich nur symptomatisch rumdoktort nach der Devise “jetzt schauen wir einfach mal den Langzeitverlauf an”. Wenn diabetische Füße drei Wochen bei uns liegen und eigentlich nichts voran geht außer ab und an mal ne Blutabnahme, alle zwei Tage ein Verbandswechsel und täglich eine Tablette Antibiotika. Immerhin sind das meist die “lieben” Patienten, die einfach nur da liegen, keine Arbeit machen und sich schon drüber freuen, dass man einmal täglich zur Visite vorbeischaut.

Natürlich werden dadurch alle Vorurteile, die man gegenüber der Inneren haben kann, mehr als bestätigt. Patienten, die da liegen, bei denen an der Medikation gedeichselt wird und im Endeffekt gehen sie mit ner Latte Medikamente und weniger Symptomen (im Idealfall natürlich keinerlei Symptomen), aber an den Grunderkrankungen nichts mehr geändert werden kann (schon allein, weil das Durchschnittsalter der Patienten jenseits der 75 Jahre liegt). Da freue ich mich über jeden “jungen” Patienten, der die 50 Jahre-Grenze noch nicht überschritten hat und dem man effektiv wirklich hilft, wenn er nach ein paar Tagen auf Station wieder gesund nach Hause gehen kann. Und natürlich freue ich mich über jeden Patienten, der mir einigermaßen schöne Venen zum morgentlichen Blutabnehmen präsentiert – leider gehen die “schönen Venen” aber immer so schnell wieder von Station. Auch so eine Regel. Junge Patienten und schöne Venen: die liegen nie lange.

Das morgentliche Blutabnehmen hat ebenfalls seine Höhen und Tiefen. In der vergangenen Woche waren es v.a. die paar Kröten, die wir uns dadurch extra verdienen können, die mich morgens in die Klinik trieben. Rein vom Gefühl her hatte ich am Mittwoch keine große Motivation mehr mit um 5.40Uhr aus dem Bett zu quälen, um dann ab Mittwoch auch noch auf Station feststellen zu müssen, dass onkologische Ausmaße der Blutabnahmen erreicht werden: nicht mehr nur 5 – 10 Patienten, sondern mehr als ein großes Gitter voller Röhrchen. Grenzwertig und in einer Stunde beinahe nicht zu schaffen. Zumal wir seit Beginn der Woche drei Isolationszimmer hatten – was bedeutet, dass vor jedem Eintreten Kittel, Handschuhe, Mundschutz anzulegen sind und nach jedem Betreten dann alles wieder ausgezogen und fürs neue Zimmer frische Sachen angezogen werden müssen. Zeitraubend und bei den liegenden Patienten teilweise abhängig davon, ob die Schwester gerade vor Ort ist und den Arm festhalten kann oder ob man auf die auch noch warten muss.

Immerhin: gelobt wurde ich sowohl von Patientenseite als auch von Schwestern. Ich würde sehr gut Blut abnehmen, man spüre beinahe nichts, eine Patientin wollte nur noch von mir gepiekst werden und die Schwestern meinten, die Patienten würden sich untereinander erzählen, dass ich so gut beim Abnehmen sei. Hahaha, Übung macht den Meister und 3 Wochen Onko-Schule hat wohl doch seine Vorteile gehabt. Man spürt plötzlich Venen, die man vorher nie für möglich gehalten hätte. Trotzdem: ab und an sticht an daneben. Da ist dann der Wurm drin.

Ist es eigentlich sehr makaber, wenn man morgens gut gelaunt pfeifend über den Gang hüpft und Patienten Blut abnimmt? Bei den Schwestern sorgt das für Heiterkeit und Smalltalk – mit denen verstehe ich mich sowieso großteils blendend (wohl auch, weil sie so offenherzig mit mir umgehen und sich auch für mich interessieren und nicht nur als “Mitläufer” und Übel akzeptieren). Auf jeden Fall sorgt es morgens für allgemeine gute Stimmung und das ist ja die Hauptsache.

Abschließend gibt es diese Woche noch festzuhalten, dass ich meine zweite Aszites-Punktion (die erste habe ich hier beschrieben) erfolgreich durchgeführt habe – beinahe ganz alleine, der Assistenzarzt stand nur daneben und hat supervidiert. Sogar das ultraschallen hat geklappt. Einen Ausflug in die Ultraschallabteilung habe ich auch gemacht und dort ein paar Bauchultraschalls gesehen und sogar eine transabdominelle (durch den Bauch von außen) Bauchspeicheldrüsen-Raumforderung-Biopsie. Sehr spektakulär wars nicht, ist aber eine sehr knifflige Sache für denjenigen, der das macht. Und ich habs jetzt mal gesehen.

Dann standen noch zwei Pleurapunktionen an (dazu gibts keinen Eintrag die Woche ,weil ich das auf der Onko schon machen durfte, zwar noch nicht mit Lokalanästhesie selbst, weil ich zu spät ins Zimmer kam (weil mich niemand informiert hatte)), die ich ganz alleine durchführen durfte. Die zweite inclusive dem selbstständigen Aufsuchen der Punktionsstelle mit dem Ultraschall – was bei dem Patienten gar nicht so leicht war. Wegen der zweiten Punktion verpasste ich dann die Lehrvisite beim Chef (was mich aber nicht weiter gestört hat) – Praxis geht vor! Und die Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Jetzt steht noch eine Woche auf dieser Station bevor, ich glaube es war meine lehrreichste Zeit bisher und ich hoffe in der kommenden Woche auch noch spannende Dinge zu erleben. U.a. haben wir einen Patienten bei uns liegen, der ein völlig komisches Krankheitsbild zeigt, Symptome, die nicht gewöhnlich sind, Blutwerte, sie allerlei anzubieten haben – da sind wir gerade detektivisch daran uns eine Theorie zu erarbeiten, was wir wie wohl am besten diagnostizieren und behandeln könnten. Spannende Sache, vllt berichte ich, sobald wir mehr wissen. Da macht Innere sogar richtig Spaß. :)

Abschließend noch zwei lustige Namen, die mir die Woche begegnet sind: zwei Ärzte, der eine mit dem Namen “Spital”, der andere mit dem Namen”Gomer

to be continued (ich hoffe in kürzerem Abstand als das letzte Mal)

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