mit was arbeiten wir eigentlich?
Schon einige Wochen lang ärgere ich mich über die uralte Software, mit der wir auf Station arbeiten müssen. Über das Fax-Gerät als allgegenwärtiges Kommunikationsmittel zur Übermittlung höchstsensibler Daten/Befunde/Patientenberichte will ich gar nichts mehr sagen – darüber hatte ich schon während der Famulaturen gegrübelt und einige Gedanken dazu gemacht. Wer heute über Datenschutz motzt, der sollte sich mal überlegen, wie leicht man eine Fax-Nachricht abhören könnte, wenn man wollte. Nur das Telefonkabel anzapfen und fertig. Nicht verschlüsselt, nicht besonders geschützt… nichts. Darüber wundert sich niemand!
Wie wäre es denn mal mit der Verschlüsselung und dem Versenden über Mail? Gäbe ja genug Möglichkeiten und viele Unternehmen versenden nur auf diese Art sensible Betriebsinterna. Aber in Bezug auf Patientengeschichten und -befunde, da interessiert es wohl niemanden mehr, ob die Daten geschützt sind….
Nun gut, zurück zum Thema: Der Browser auf dem Arztrechner war, natürlich, ein Internet Explorer. Rechte für Updates oder Installation eines anderen Browsers hat man nicht. Nicht mal portable kann man runterladen, weil diese Seiten alle gesperrt sind (warum auch immer – man könnte sich ja mal z.B. bei youtube ein “how to”-Video ansehen, aber leider ist das auch gesperrt). Auch Adobe Acrobat Reader von anno dazumal.
Google hat sich bei jeder Suchanfrage lauthals beschwert, dass man einen so alten Browser verwende, Funktionen auf den Webseiten gingen eh nicht richtig und dann stürzte der Browser auch noch immer wieder ab und erschwerte das Arbeiten und Recherchieren im Netz.
Bis vor einigen Tagen. Da hatte ich den Assistenzarzt so weit, dass er spontan am ruhigen Nachmittag in der EDV anrief und sich, als mal wieder ständig der Browser abstürzte, erkundigte, wer denn ein Update drüber laufen lassen könnte. Der EDV-Mensch wollte wissen, welche Version wir denn nutzen würden.
Haltet euch fest, auf dem Rechner installiert war Internet Explorer Version 5! Copyright von 1996 – 2004. OMG, was für eine Sicherheitslücke stellt das denn bitte da? Kein einziges Update war gelaufen seit….. mehr als 7 Jahren?! Der EDV-Mensch viel aus allen Wolken (ist es aber nicht eigentlich sein Job sich um aktuelle Software auf den Anwenderrechnern zu kümmern oder muss sich da der anwendende Arzt auch noch selbst drum kümmern?)….
Kein Wunder, dass wir 10min später die Finger vom PC lassen mussten und gespannt auf den Bildschirm starrten, wie aus der Ferne die Updates gestartet wurden. 31 an der Zahl, u.a. diverse Sicherheitsupdates – kein Wunder, wenn man so lange Zeit keine Updates laufen lässt und sich niemand drum kümmert. Interessant zu sehen, wie die Maus aus der Ferne gesteuert wird und wie die ganzen Fenster weggeklickt werden.
Big Brother….
Nach 1,5h konnten wir wieder an den PC, jetzt mit neuem Internet Explorer (leider dürfen wir keine anderen Browser installieren) und endlich stabil laufend. So stabil, wie Microsoft halt läuft.
Veraltete Technik im Krankenhaus.
to be continued
LifeReport-History: vor einem Jahr: "mein erstes Mal... Kaiserschnitt & Gyn-OP-Erlebnisse" LifeReport-History: vor drei Jahren: "Logorrhoe" LifeReport-History: vor drei Jahren: "Schweinegrippen-Impfung"




Das Problem scheint weltweit zu bestehen:https://twitter.com/otorhinolarydoc/status/252930402279378946
Witzig, ihr konntet mit dem Ding ins Internet aber nicht auf alle Seiten? Ist wohl Teil der sinnlosesten Sicherheitsstrategie die man sich vorstellen kann (Mach dem Nutzer das Leben schwehr dann kommt er weniger auf Dumme Gedanken). Was für ein System ist da denn drauf? Ich vermute Win95/XP da der Explorer von 96 ist. Eigentlich kann man bei dem System davon ausgehen das sich nicht nur ein Programm darauf befindet das da nicht drauf gehört. Sozusagen ist der Rechner sehr schwehr krank und die einzige Heilung besteht darin ihn zu töten, seine Seele in den Softwarehimmel zu schicken und ihn anschließend mit einer neuen Seele wiederzubeleben.
Zum Thema neue Software, Firmen die Software für den Einsatz im medizinischen Umfeld entwickeln, müssen sich zertifizieren lassen, was nicht ganz billig ist. Daher verlangen diese Firmen für Ihre Solftware auch ordentlich Geld. Dazu kommt das man mit so einer Firma einen mehrjährigen Servicevertrag abschließen darf. Der dann beinhaltet, das man regelmäßig, mit selbstverständlich ebenfalls zu bezahlenden, nicht wirklich funktionierenden Updates beliefert wird die einem einfach aufgezwungen werden. Ich habe mich mittlerweile mit verschiedenen niedergelassenen Ärzten unterhalten und alle haben das gleiche Problem. Da kann ich ein Krankenhaus gut verstehen, das da versucht mit Standardsoftware irgendwie dran vorbei zu kommen.
Die vertraulichste Form Patientendaten zu verschicken ist derzeit immernoch ausdrucken und per Post. Email ist nur sicher wenn man die Daten verschlüsselt und da muss man seinem gegeüber auch das Passwort mitteilen. Nur wie? In die Email schreiben? Bei allem anderen wird der Aufwand schon wieder zu Groß. Fax abhören? Du gugst wohl zuviel fern? Klar ist das möglich, das kann jeder Techniker der Telekom (er sollte es jedenfalls können) Aber dazu muss man sich schon ein bisschen anstrengen. Ich hätte auch sofort eine Idee was man mit den so ermittelten Daten anfangen könnte…
Stefan. (In diesem Post jetzt der dritte wenn ich mich recht erinnere)
Habe mich bei meinem Pflegepraktikum auch über mehrere Sachen gewundert, wobei unsere IT nicht wirklich so schlecht war. Bei den Faxen werden bei uns wenigstens die Namen der Patienten wegmarkiert, denn mit Anfangsbuchstabe weiss man meist wer gemeint ist und letzendlich gehts ja sowieso an den behandelnden Arzt, der das noch besser einschätzen kann von den Befunden her.