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21.10.2012 / stega

Das Ende auf der Gastro

Am Freitag ging meine Zeit auf der Gastroenterologie zu Ende. 4 Wochen habe ich nun auf der Station verbracht und ich kann als Fazit sagen, dass es eine meiner besten Stationen war und meine lehrreichste, lustigste und beste Zeit im Krankenhaus. Ich hatte super Kollegen, ein nettes und kompetentes Schwesternteam, das gegenüber dem PJ’ler nicht nur feindlich und argwöhnisch eingestellt war und einen Oberarzt, der den jungen Kollegen nicht ans Bein pinkeln, sondern mit lockerem Umgang die Patienten gut betreut wissen wollte. Wir haben viel gelacht, viel gescherzt und tolle Stunden verbracht und es tut mir beinahe ein wenig Leid, dass die Zeit so schnell vorüber ging. Verlängern geht leider nicht, weil durch die Rotation der PJ’ler die Station die kommenden Wochen dauerhaft besetzt sein wird, sodass es für mich nun tatsächlich zu Ende ist dort. Ein wenig traurig verließ ich gestern Nachmittag die Kollegen und trat meinen Dienst an (dazu einen anderen Beitrag kommende Woche).

Die Ereignisse letzte Woche auf Station hatte ich schon im früheren Beitrag begonnen zu erzählen. Mein Kollege war am Dienstag wieder fit und an Bord – schon wurde es wieder lustiger (und einige Blutabnahmen, die die neue Kollegin auf seiner Seite angesetzt hatte, prompt wieder abgesetzt – denn, Regel Nummer 10 der House of God-Rules gilt natürlich jederzeit – wer nichts abnimmt, der kann auch nichts schlechtes messen. Zumal, wenn die Werte sowieso keinerlei Konsequenz nach sich zögen, da der Patient nach Hause entlassen wird oder bekanntermaßen erhöhte Entzündungswerte hat, wenn ein Prozess in seinem diabetischen Fuß schmort.

Den Rest der Woche war relativ ruhig, wir saßen immer mal wieder mehr oder weniger gelangweilt im Arztzimmer – ab und an tippten beide Kollegen die Entlassbriefe und ich beschäftigte mich selbst mit Handy, Nachschlagen oder auch mal früher nach Hause gehen. Am Mittwoch hatten wir eine Fortbildung, die bis abends ging – Thema Schilddrüse. Viel mitgenommen hat man danach nicht, dazu war es einfach zu viel und zu schnell in zu kurzer Zeit. Lustig war nur zu sehen, wie viele PJ’ler bei der Veranstaltung waren:

Immerhin gab es ein gutes Buffett und genug zu essen, sodass man sich den Bauch mit sehr leckeren Kuchen vollschlagen konnte :D

Am Donnerstag erneut recht wenig zu tun morgens, ich hatte, wie die vergangenen Wochen auch, das Blut schon bei den Patienten abgenommen, also blieb nach der kurzen Frühbesprechung nur die Visite übrig und dann tranken wir entspannt einen Kaffee. Dafür liebe ich die Innere: man hat einfach mal, wenn weniger los ist, Zeit einen Kaffee zu trinken und mit den Ärzten zu quatschen. Nicht nur Gehetze in OP und in die Ambulanz wie in der Chirurgie.

Eigentlich war alles ruhig, bis dann plötzlich die Blutwerte von morgens im PC waren und die Kollegin Unruhe verbreitete: ihr Patient, der in der Nacht aufgenommen worden war, begann eine Blutvergiftung (Sepsis) zu entwickeln.

Gar nicht gut – jetzt hieß es schnell zu handeln. Zwei Probleme hatten wir: Erstens waren grad Ehefrau und Mutter des Patienten im Zimmer, psychologisch suboptimal diese dann aus dem Zimmer zu bitten und sie in der Sitzecke der Station sitzen zu lassen, während bei ihrem Mann/Sohn Highlight war. Zweitens war der Patient aufgrund des Verdachtes einer Magen-Darm-Grippe isoliert und man musste in Schutzkleidung das Zimmer betreten – erschwerend, sodass eine Schwester im Zimmer blieb, meine beiden Kollegen drinnen und ich draußen mit einer anderen Schwester den Nachschub verwaltete. Zunächst galt es dringend sichere Zugänge in den Patienten zu dröseln, was bei dessen schlechten Venen gar nicht so einfach war. Die gelegten Zugänge am Arm und am Schienbein (!) hielten einigermaßen, sodass sofort 3l Flüssigkeit und eine Kurzinfusion Antibiotika einlaufen konnten. Gleichzeitig liefen der Kollege und ich auf die Intensiv, die erst noch Betten umschieben und einen Patienten verlegen musste, bevor wir mit unserem Patienten kommen konnten, um dort Utensilien für einen arteriellen Zugang zu besorgen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit konnten wir den Patienten dann quer durch die Klinik auf die Intensiv verlegen, wo er laut Infos am Abend wenige Stunden später von den Chirurgen übernommen und operiert wurde (weil er einen entzündeten Ellenbogen hatten, von dem die Chirurgen vermuteten, dass die Blutvergiftung ausgegangen war). Leider weiß ich nicht, wie es mit ihm weiter ging….

In der Woche zusätzlich ein Seminar über die Ernährung der Patienten und das Angebot der Küche und einen Vortrag vom Medizincontrolling über Abrechnung und Kodierung von Diagnosen und Fallpauschalen.

Und dann war die Woche schon rum. Ich brachte am letzten Tag einen Kuchen zum Abschied mit und bedankte mich bei den Schwestern und Kollegen. Vom Chef gab es das versprochene Geld für die Blutabnahmen, der EKG-Kurs fiel mal wieder aus und um 16.30 Uhr klingelte das erste Mal das Diensttelefon und rief mich auf den Plan. Aber darüber berichte ich im Laufe der Woche.

to be continued

LifeReport-History: vor einem Jahr: "Quantum Levitation"

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