ich war (endlich wieder) im OP
dienstantritt. Anruf Frauen-Station. Der Alptraum hat einen Namen #keinevenen
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LifeReport (@lifereport) October 19, 2012
So begann vergangenen Freitag Abend mein Dienst. Ich hatte mich zum ersten Mal für einen Freitag Abend entschieden, weil ich sehen wollte, wie die Woche in der Klinik ausläuft und ob da viel los ist (ja, ich hatte spekuliert, dass ich vllt in den OP komme).
Zunächst war nicht viel los, ich saß ab 16 Uhr noch bei meiner alten Station und surfte ein wenig im Internet, bis dann um 16.30Uhr das Telefon ging und ich auf die Frauen-Chirurgie-Station gerufen wurde. Meine allerliebste Lieblingsstation. Nicht. Denn nach 8 Wochen Innere und Blutabnahmen habe ich eindeutig Favoriten, denen ich gerne Blut abnehme und Viggos lege und Abneigungen. Favoriten sind u.a. Männer, schlank oder muskulös. Die haben meist wunderschöne Venen (Komplimente, die man auch nur im Krankenhaus zu hören bekommt). Manchmal müsste man gar nicht stauen, um die Vene anzupieksen. Abneigungen habe ich inzwischen eindeutig gegenüber älteren Frauen mit dicken Armen, meist generell in adipöserem Zustand, sodass man rein gar nichts spürt. Schlimm sind auch alte Damen, die so dünn und ausgemergelt sind, dass nur noch klitzekleine Restvenen übrig sind und man an abenteuerlichen Stellen abnehmen muss (über dem Daumengrundgelenk etc).
Kein Wunder also, dass ich einigermaßen ins Schwitzen geriet, als ich dann prompt bei zwei soeben beschriebenen Armen eine Nadel legen sollte… nach einigen versuchen lag zumindest eine; bei der zweiten Dame verzichtete ich auf den dritten Versuch und verwies an den chirurgischen Dienst, der sich verkünsteln sollte. Das blieb in diesem Dienst aber die einzige Nadel / Blutabnahme, die ich an den Diensthabenden abtreten musste. Alle weiteren Abnahmen und Viggos gelangen. Puh.
Nach einer kurzen Verschnaufpause, in der es mich zurück auf meine Gastro-Station zog, weil ich dort ins Internet konnte und kurz eine Mail absendete, ging der restliche Abend relativ ereignisreich weiter – ständig rief eine Station an und brauchte noch Blutabnahmen, dann wieder eine neue Nadel, dann wieder Blut, Nadel hier, Nadel da, Kreuzblut hier, Blut da…. ich hatte gestern das Gefühl, dass es sich um eine Verschwörung der Viggo-Hersteller handeln muss, wenn die Zugänge immer abends “urplötzlich” nicht mehr funktionstüchtig waren. Oder ziehen die Schwestern aus Spaß die Zugänge raus? Zumindest bei einem Patienten war ich mir da nicht sicher, weil der meinte, die Schwester habe das einfach ausgezogen, weil es an einer doofen Stelle lag, an der er gestört würde. Hallo? Das wäre ja mal eine tolle Arbeitsbeschaffungsmaßnahme!
ich glaube an eine Verschwörung der Viggo-Nadelhersteller. Oder warum muss gerade abends die gefühlte halbe klinik neue bekommen?
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LifeReport (@lifereport) October 19, 2012
Ab 20 Uhr war einigermaßen Ruhe eingekehrt, in mir trotzdem Adrenalin, auf der chirurgischen Station war ich von einem Pfleger “vorgewarnt” worden, dass es ggf. heute Nacht noch genug zu tun gäbe im OP und auf der Frauen-Chirurgie hatte ich einer Dame für ihre anstehende Blinddarm-OP eine Nadel legen müssen (also fand die OP abends statt und da ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich gerufen würde).
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Dennoch traf ich mich mit dem Diensthabenden der Inneren auf seiner Station – wir waren uns vorher ständig über den Weg gelaufen und jetzt hatte er mich angepiepst und gefragt, ob ich Stress hätte oder nen Kaffee will. Ein sehr feiner Zug, abends gemeinsam einen Kaffee zu trinken und die ruhige Stunde, die wir hatten, gemeinsam zu verbringen, anstatt dass jeder in seinem Kabuff vor sich hin träumt.
Die Ruhe vor dem Sturm dauerte bis um kurz vor 21.30Uhr, als mein Telefon dann klingelte und der”OP Pfl.” mich zu einer inkarzerierten Nabelhernie abrief. OP? Ich? Abends? Jetzt echt?
Ich freute mich, denn endlich kam ich wieder in den OP. Und gleichzeitig war es noch nicht all zu spät, sodass de Chance auf genug Schlaf weiterhin bestand. Schnell rannte ich in mein Dienstzimmer, schlang einen Jogurt herunter (man weiß ja nie, wie lange es gehen würde – DAS habe ich ind en Famulaturen gelernt!) und dann war ich schon auf dem Weg in den OP, als auch die operierende Ärztin anrief und mich um Hilfe bat. “Schon unterwegs“.
Das erste Mal in dem OP-Neubau der Klinik. Faszinierend, wie ein neuer OP aussehen kann. Die Umkleiden groß, geräumig (ok, abends ist auch nichts mehr los da
), der OP-Saal groß und hell, Touchscreen in der Wand, sehr modische Waschbecken fürs Einwaschen.
Die Operateurin war eine sehr kleine, zierliche Frau, die mir grade bis kurz über den Bauchnabel ging – was am Tisch ein wenig lustig wurde. Sie entschied sich dann für eine Stufe, sodass der Tisch ein wenig höher in meine und die des Pflegers Höhe gefahren werden konnte. Ich stand also prompt als 1. und einziger Assi am Tisch …. juhu, so macht das Spaß. Zum ersten Mal sah ich eine Nabelhernien-OP (nicht weiter spektakulär) und nach 1h war alles schon vorbei. Die Chirurgin nähte selbst zu, entschuldigte sich danach aber bei mir, dass sie das eigentlich gerne dem Assistenten-PJ überlässt, aber am Abend einfach schnell fürs Team fertig werden wollte. Ja kein Problem, ist schon ok, ich bin allein schon happy genug, dass ich überhaupt mal wieder im OP stand.
ich war im OP!! eine kurze (zum glück) - aber immerhin :) #pj #dienst
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LifeReport (@lifereport) October 19, 2012
Um 23 Uhr also zurück ins Dienstzimmer und nun versucht zu schlafen. Denn:
Dienst ist, wenn man im Jetzt lebt weil man nie weiß was das Nachher bringt. #pj #klinik
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LifeReport (@lifereport) October 19, 2012
Aber irgendwie wollte mir das Einschlafen in diesem Dienst nicht gelingen. Ich lag halb schlummernd da, fand keinen richtigen Schlaf, war auf “hab acht”-Stellung und erwartete jederzeit einen weiteren Anruf….
… der dann um 1 Uhr auch erfolgte. Eine Viggo auf der Frauen-Chirurgie. “Wtf “dachte ich, “um die Uhrzeit?”. Wenigstens war der Weg dorthin nicht weit, denn die Station liegt direkt neben dem Dienstzimmer und so erwischte ich die Patientin noch auf dem Weg zur Toilette. Danach dröselte ich ihr im zweiten Anlauf eine Nadel in die Hand, die dann zum Glück auch lief und konnte zurück ins Bett. Wieder nur schwer einschlafen und im Halbschlaf klingelte um 1.45Uhr erneut das Telefon: wieder die Chirurgin, ob ich ihr bei einer Blinddarmentfernung helfen könnte.
Boa, einerseits Freude, da wieder OP, andererseits wäre Schlaf auch nicht so schlecht gewesen. Also wieder aufstehen, ein wenig trinken und dann ab in den OP stürmen. Wieder nur die kleine Chirurgin, ich und zwei OP-Pfleger, dazu ein Anästhesie-Pfleger und der Anästhesist. Das Operieren nachts hat einen ganz eigenen Flair, wie ich jetzt gemerkt habe. Es ist heimeliger, der Stress und die Abläufe des Tages, die den pochenden OP-Alltag ausmachen, fallen weg, man hat mehr Ruhe, die Musik spielt im Hintergrund und alle wollen eigentlich ins Bett – aber sind als Team nun zusammengeschworen und irgendwie locker drauf, denn keiner kann etwas daran ändern, dass man nun hier versammelt ist. Also macht man das Beste draus, hat ein wenig Spaß, witzelt und zieht die OP schnell durch.
Die Blinddarmentfernung wurde laparoskopisch durchgeführt – auch wieder ein erstes Mal für mich, denn auch das hatte ich noch nie gesehen (man merkt, dass ich die Allgemeinchirurgie im Rahmen der Famulaturen gemieden hatte). Ich durfte als einziger und 1. Assistent die Optik führen, was ganz schön knifflig ist, weil diese eine sog. 30°-Optik ist und man dadurch, wenn man den Stab gerade in den Bauch hebt 30° um die Ecke blickt. Die OP lief ganz gut, der Blinddarm war bald raus und die Chirurgin meinte zum Pfleger, er könne abtreten, sie mache selbst zu. Auch zu mir meinte sie, ich könne schlafen gehen, sie komme alleine zurecht. Mh, ne, kein Ding, ich bleib jetzt die letzten 10min auch noch da, wenn die drei kleinen Schnitte zugemacht werden. Ich kann doch eh nicht schlafen.

Also ließ sie mich auf die andere Tischseite wechseln und einen der drei Schnitte intrakutan zunähen. Das hatte ich laaaange nicht mehr gemacht (generell eh nur zwei Mal bisher), aber es lief erstaunlich gut und ich benötigte gar nicht so lange. Ich scheine unter Schlafmangel echt produktiver und konzentrierter zu werden
Vielleicht lag es auch daran, dass die Stimmung gut war und ohne das Gewusel vorm und im OP die Konzentration besser und das Gefühl des Drucks schnell fertig zu werden anders war. Trotzdem schauten die Anästhesie-Menschen über den Vorhang und ich “entschuldigte” mich am Ende für die kurze Verzögerung, die durch meine Naht entstanden sein könnte – aber “na so viel war das auch nicht und die 2 Minuten machen den Kohl nun auch nicht mehr fett”. Juhuuu – es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man zunähen darf und der Anästhesist aus weiser Vorhersehung die Narkosegase noch mal hochdreht, damit der Patient lange genug schläft.
Mit einem guten Gefühl gings für mich dann ins Bett zurück, ich schlief endlich um 3.30Uhr ein und wurde um 7 Uhr vom Wecker geweckt. Schnell fertig machen und dann auf den chir. Stationen Blut abnehmen gehen. Da ich den Luxus hatte nicht alle Stationen machen zu müssen, denn meine Ablösung sollte auch noch etwas zu tun bekommen, erledigte ich alle Stationen außer die Frauen-Chirurgie
*hahaha* Die überließ ich meiner Ablösung, die mich dann um 8.30 Uhr pünktlich auslöste.
Daheim noch 3 Stunden Schlaf nachgeholt und in 1,5 Wochen gehts zum nächsten Dienst. Mal sehen, was dann passieren wird und ob ich erneut im OP aufschlage.
to be continued
LifeReport-History: vor drei Jahren: "Kontaktlinsen - es geht los"



