eine Woche Radiologie
Vergangene Woche war ich auf Ausflug. Ausflug von der Inneren in Richtung Radiologie. Uns wird – neben der Woche Intensiv und Ambulanz – auch ermöglicht eine Woche in die Radiologie-Abteilung und dort in die Radiologische
Diagnostik zu gehen. Da ich in den Famulaturen in den Notaufnahmen immer mal wieder mit Röntgenbildern und deren Befundung zu tun hatte und in chirurgischen Frühbesprechungen immer Bilder gezeigt werden, fand ich es keine schlechte Idee wenigstens 5 Tage bei den Radiologen mitzulaufen. Eigentlich hatte ich das als Famulatur im Winter mal vorgehabt, war nach 3 Wochen Radiologie-Blockpraktikum im Semester dann aber so demotiviert davon, dass ich doch in die Orthopädie gegangen bin.
Nun also mit neuem Mut und frischem Wind ans Werk, was erst einmal bedeutete: in den Keller. Es ist wohl eine weitverbreitete “Seuche”, dass Radiologen immer im Keller sitzen und dort über ihren Bildern und Befunden brühten, auf die die halbe Klinik dann wartet und sich freut, Nachrichten aus den Kellern zu bekommen. Oder aber zu einer Röntgen-Demo in den Keller herabzusteigen und umso froher zu sein, nach 15min wieder ans Tageslicht zu gelangen.
Denn, das ist mir in den 5 Tagen da unten wieder aufgefallen, ich bin definitiv ein Mensch, der Tageslicht braucht. Gut, der ein oder andere wird jetzt sagen: “mensch, im OP hast du doch auch nix davon” – aber da muss ich sagen, dass einige OPs relativ schöne Aussichten bieten (die man natürlich nur begrenzt genießen kann, wenn man sich konzentrieren muss) – z.B. der Augen-OP in der Uniklinik, der im 9. Stock des Hochhauses ist und von dem man durch große Scheiben einen weiten Blick auf den Schwarzwald hat. Das hat schon etwas – und selbst wenn man nur das “normale Leben” vorbeihuschen sieht, während man abends noch die Not-OP machen muss, immerhin sieht man Leben und nicht nur heruntergelassene Rollläden und verschlossene Fenster. Das war definitiv der Hauptgrund, warum ich mich am letzten Tag der Woche auf die neue Woche (Ambulanz) freuen sollte.
Ein weiterer war, dass es in der Woche irgendwie relativ wenig für mich zu tun gab. Um nicht zu sagen: nichts. Außer dabeisitzen und mit draufschauen gab es nichts. Die Radiologen schauen sich die Bilder an, diktieren die Befunde, schauen sich neue Bilder an, diktieren wieder…. und bei den Assistenten, bei denen ich dabei saß geht das dann so, dass man sich die Bilder ansieht (in der Klinik werden die Röntgenbilder noch klassisch ausgedruckt und auf Röntgenbildpräsentations-”Maschinen” gestellt), danach mit einem Oberarzt erneut durchschaut und danach dann zum Diktat der Befunde erneut durchsieht. Heißt: drei Mal jedes Bild sehen. Und wenn ich vorher nix zu tun hatte (weil noch Diktat), dann schaue ich halt alleine schon mal drauf und errate, was man sehen kann – also vier Mal die Bilder vor Augen. Kein Wunder also, dass irgendwann genug ist und ich die Gelegenheit öfters nutze, um im Netz Mails zu checken oder kurz Nachrichten zu lesen. Oder aber ich wechselte von der klassischen Röntgendiagnostik in Richtung MRT und schaute dort mit auf die Fotos.
Das führt mich zum weiteren “Kritikpunkt” an der Woche: viel neues gelernt habe ich nicht. Klar, man schaut auf die Bilder, ist dabei, wenn die Kollegen die MRTs oder CTs durchscrollen – aber groß gelernt habe ich die letzten 5 Tage nichts. Was ich nicht vorher schon wusste, hab ich auch drüber hinaus etwas neu dazugelernt. Wobei ich zugeben muss, dass es gar nicht daran lag, dass ich nicht beachtet wurde oder keiner Lust hatte mir etwas zu erklären. Nein, im Gegenteil, die Kollegen waren alle nett, ließen mich mit draufschauen und erklärten auch gerne etwas (und wenn sie nur noch diktieren mussten, dann sagten sie das und überließen es mir zu entscheiden, ob ich dabeisitzen bleiben will oder doch woanders versuche etwas zu sehen). Wenn aber z.B. nur Verlaufskontrollen gemacht werden und dann VorOP und NachOP oder bei onkologischen Patienten der Verlauf einer Tumorgröße in zwei CTS zu vergleichen ist, wird das auf Dauer langweilig einfach dabei zu sitzen und nichts zu tun außer auf einen Bildschirm zu starren. Da kann man gar nichts erklären und lernen, aber zu tun ist halt leider auch nichts.
Wenigstens sah ich die Woche ein aufgeschraubtes CT, als es vom Techniker zur halbjährlichen Wartung auseinander gebaut wurde. Und wenigstens hatte ich zwei Patientenkontakte, als ich für zwei Viggos gerufen wurde – was mich schon richtig schmunzeln ließ, dass da drei Ärzte sitzen und ich als PJ dann kommen muss, um die Nadel zu legen. Das vermisste ich praktisch schon am ersten Tag: weder Blutabnahmen noch Zugänge zu legen. Zwei Tage war es Entspannung, dann aber wurde es immer deutlicher, dass man einfach keinerlei Kontakt zu Patienten hat und nur Bilder und Diktat bzw. Durchsprechen mit Kollegen macht. Mir fehlten eindeutig die Patienten, die Visite, das Planen des weiteren Vorgehens, das Durchschauen der Laborbefunde, der OP (der ja sowieso schon seit Wochen) etc…. natürlich, wenn man interventionell tätig ist, hat man seinen Patientenkontakt. Keine Frage – aber leider wurde ich vom Chef nie zu einer seiner Interventionen mitgenommen (was ich auch schade fand, v.a. weil er generell wenig Interesse an Lehre und “wir zeigen dem PJ’ler mal, was wir so machen” zeigte). Mir fehlt zu wissen, wie es den Patienten auf Station geht, wie sein Zustand ist und wie er aussieht, so blöd das klingen mag. Aber wer zertrümmerte Knie, Knochenbrüche, Lungenentzündungen, Schrittmacher etc in den Röntgenbildern sieht, der sollte sich doch interessieren, was für eine Geschichte, Symptome und Mensch dahinterstehen, oder? Zumindest fühle ich so (auch wenn ich als Chirurg später natürlich nur kürzere Kennenlernphasen mit meinen Patienten haben werde als die Internisten, die einen Patienten u.U. länger Zeit betreuen)
Nun ja, bevor ich den Artikel jetzt überstrapaziere, halte ich fest, dass ich nun endgültig weiß, dass ich nicht für die Radiologie geschaffen bin. Ich freue mich aber auf die Aufnahmen, die ich in der Notaufnahme später selbst befunden werde (wie schon die letzten Tage: sobald Knochen zu sehen waren, war ich Feuer und Flamme für die Befundung). Und jetzt freue ich mich auf die neue Woche, die ich (immerhin 3 Tage wegen des Feiertages) ind er internistischen Notfallambulanz verbringen werde. Mal sehen, was mir da unter die Finger kommen wird.
to be continued
LifeReport-History: vor einem Jahr: "Gyn ist rum"




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