Zum Inhalt springen
31.10.2012 / stega

Notaufnahme Innere Medizin

Nach der vergangenen Woche in der Radiologie verbringe ich derzeit immerhin drei Tage (in Worten drei, in Zahlen 3) in der Notaufnahme der Inneren Medizin. Ich mag Notaufnahmen, ich finde, dort hat man viel Abwechslung, sieht viel, trifft viele verschiedene Menschen, hat ein gewisses “Erfolgserlebnis” – und sei es nur, dass man den Patienten abcheckt und dann auf Station weiterschiebt. Man “kann etwas tun”. Das gefällt mir. In der chirurgischen Notaufnahme sowieso, da wird geröngt, da werden Platzwunden genäht, da wird eine Notfall-OP vorbereitet. Kurzfristige Erfolge für Erfolgsjunkies.

Natürlich gib es immer wieder Patienten, die einem auf die Nerven gehen. Bei denen man seine Beherrschung trainieren kann. Bei denen weniger fachliche Kompetenz und mehr Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis gefragt sind. Man darf sich nicht dazu bewegen lassen vom Patienten gereizt zu werden und seine Fassung zu verlieren. Schnell wird es laut in der Kabine – und schon schaukelt sich die Situation für alle Beteiligten nach oben. Eine ähnliche Situation habe ich am zweiten Tag erlebt, als der ältere Herr sehr anstrengend war und sich mit der Ärztin immer wieder “duelliert” hat. Ok, er war hart zu ihr, die sie sich größte Mühe gibt gutes Deutsch zu sprechen (sie kommt aus Russland, spricht aber nach nur 4 Jahren super Deutsch). Er mit seiner schnoddrigen Art (nein, er war kein Privatpatient) brachte sie immer wieder zum Augenverdrehen – nicht gut, denn so schaukelt sich die Situation nach oben – für keinen der Beteiligten optimal. Der Tag ist lang!

Ansonsten gab es bisher jede Menge interessanter Fälle, einige Basics aus der Inneren Medizin (V.a. Lungenembolie, Lungenentzündung, Bauchschmerzen, Übelkeit…) und einige EKGs, die ich mitbefunden durfte. Und: sogar drei Viggos für mich zu legen, die ich sehr gerne nach der Woche Pause aus der Radiologie übernahm.

Einzelne Patientenfälle möchte ich hier gar nicht herauspicken, dazu sind sie fast schon zu “unspektakulär”. Und ich habe abends das Gefühl, dass ich einfach auch vor lauter Reizüberflutung die Einzelheiten gar nicht mehr weiß, wenn ich bei einigen Patienten aber auch danach noch ein Gesicht vor Augen habe, anhand dessen mir dann Einzelheiten des Falles wieder erinnerbar werden. Und Patienten, die ich selbst versorgen durfte, bleiben sowieso hängen.

Denn – noch ein Plus der Ambulanz: dort kann man als PJler einfach mal eine Kabine besetzen und seine eigenen Patienten abhandeln. Das hatte ich bereits in den Famulaturen gemacht (in Salzburg ind er Unfallchirurgie und in der letzten Famulatur in der Ortho samt Diktat der Arztbriefe) und das macht mir besonders Spaß – weil man viel lernt, wenn man es selbst macht und nicht nur dabeisteht. Man muss nachdenken, man schwimmt im freien Wasser und ist auf sich alleine gestellt – aber kann immer noch Fragen stellen und sich rückversichern (und sowieso dem Kollegen den Fall dann vorstellen, bevor es weitergeht). Besser als in 1,5 Jahren plötzlich ohne jemals das Gefühl gehabt zu haben verantwortlich entscheiden zu müssen, die erste Arztstelle anzunehmen und von Tuten und Blasen keine Ahnung haben.

Leider kann ich mit dem Rotationsplan wie gesagt nur diese drei Tage in der Ambulanz sein, bevor ich kommende Woche in die Kardiologie wechsle und dort die zwei letzten Wochen des Innere-Tertials absolviere. Ich hätte gerne mindestens noch eine weitere Woche absolviert. Schade. Und nach der Woche Radiologie schön, wenn man wieder mit Patienten zu tun hat und nicht nur im dunklen Zimmer sitzt. ;)

to be continued

Flattr This!

  1. An-Kas / Okt 31 2012 16:30

    Okay, jetzt verstehe ich, wieso ich Dir DOCH viel Spaß wünschen sollte! ;-) ))
    Ich sehe, Du hast den wirklich dort!
    (Und das freut mich für Dich!)
    Über die Formulierung “kurzfristiger Erfolg für Erfolgsjunkies” musste ich schmunzeln… Das kommt mir sooooo bekannt vor! :)
    Hoffe, Du hast nächste Woche auch genauso viel Spaß und Erfolg auf der Kardiologie!
    LG, Anke

  2. fanger / Nov 2 2012 07:20

    Ich könnte mich über den “Erfolgsjunkie” der hier diesen Blog schreibt malwieder aufregen. :-) Aber erstens lutschen hier keine tausende Leser an seinen Worten und fordern mehr blutige Details. Und zweitens bleibt er bisher auch immer schön auf dem Tepich wenn es um solche Details geht. Und zwar von ganz von alleine.
    Würde es mir nicht um jeden einzelnen leid tuen der aus irgend einem Grund in so ein Krankenhaus muss um sich (hoffentlich) so Gesund wie möglich machen zu lassen, würde mich mal interessieren was du zu einer Stange Patienten sagst, denen, egal was man anstellt nicht zu helfen ist und Du mit ansehen musst wie einer nach dem anderen vor deiner Nase die Hufe hoch macht. Aber, ich wünsche Dir und keinem anderen Arzt der Welt, sowas jemals erleben zu müssen!
    Ich wünsche Dir, egal was Du an Patienten und Problemen vor die Nase gestellt bekommst, immer Mut und Ausdauer bei deinem Beruf, deiner Berufung. Bleib bei der Stange und behalt Dir Deine Fröhlichkeit egal wie hart es kommt. Deine Kollegen und Patienten werden es danken.

    Allerdings muss ich bemerken, ich bin auch Erfolgsjunkie. Nur das es bei mir nicht um Menschenleben geht. Habe ich in meinem Job mal keinen Erfolg, flüchte ich mich in ein Computerspiel bei dem sich nach harter Arbeit auch Erfolg einstellt.

    • stega / Nov 2 2012 11:52

      *lol* halt: Unter “Erfolgsjunkie” verstehe ich in diesem Fall einen Patienten zu untersuchen, weitere Untersuchungen für die Station anzuordnen, den Patienten beruhigen zu können oder sagen, was mt ihm weiter geschieht und ihn dann der nachfolgenden Behandlung (und sei sie nur palliativ) zuzuführen. Das ist ein ganz anders Gefühl als auf Station, wo Patienten 4 Wochen liegen, man nichts mit ihnen machen kann und dann am Ende frustriert resignieren muss. :)

  3. saraangelina / Nov 2 2012 18:26

    Ja, Patienten sind mühsam zT. Aber wie gesagt, man kann sie in der Notaufnahme schnell mal “abschieben”^^ Ich erinnere mich da gerne an einen, den wir über 2 Wochen auf Station hatten. Das nagt dann manchmal schon an der Lust um 5 Uhr aufzustehen. Vor allem, als Pflegepraktikanten, die noch am meisten Zeit mit den Patienten verbringen. Andererseits muss man sich oft Gedanken machen wie die Patienten ticken und dann nervts kaum noch.
    Wer schon 2 Wochen auf Station ist, ist frustriert. Bei einer schlimmen Neudiagnose sind sie verwirrt oder einfach nur wütend/ängstlich.
    Da wünsch ich dir viel Empathie in der Kardio, wo ja auch eher “schwere” Fälle liegen und einige alte Leute mit viiiiiel Lebenserfahrung.

Trackbacks

  1. Immer wieder sonntags … | KW 44 « LifeReport
  2. Jahresrückblick 2012 – Gesehen, Getan, Gekauft « LifeReport

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 516 Followern an

%d Bloggern gefällt das: